Zu Gast in SWR Sport

"Zweikampfmonster" Bernardo und ein Hund namens Eto’o, der nicht bellt

Hoffenheims Neuzugang Bernardo ist einer von bislang 176 Brasilianern in der Bundesliga. Der 30-Jährige ist ein wichtiger Faktor im TSG-Team und auch ansonsten ein pfiffiger Typ.

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Von Autor/in Kersten Eichhorn

Seit genau zehn Jahren lebt Bernardo inzwischen in Europa. An einen Umstand allerdings hat sich der Brasilianer hierzulande noch immer nicht gewöhnen können: "Die Sonntage sind so langweilig", sagte der Verteidiger der TSG Hoffenheim am Sonntagabend als Studiogast bei SWR Sport im Gespräch mit Moderator Michael Antwerpes lachend, "weil hier in Deutschland am Sonntag alle Läden geschlossen sind. Das ist in meiner Heimat Sao Paulo anders, da haben alle 24 Stunden geöffnet".

Studiogast Bernardo in SWR Sport: "Sonntage in Deutschland sind langweilig"
Studiogast Bernardo in SWR Sport: "Sonntage in Deutschland sind langweilig"

Bernardo liebt das Verteidigen

Die Sache mit den seichten Sonntagen - für Bernardo Fernandes da Silva Junior ist das leicht zu verschmerzen, schließlich ist der 30-Jährige bestens integriert und längst angekommen in der Kurpfalz.

Der letzten Sommer ablösefrei aus Bochum gekommene Abwehrmann zeigt sich mit seiner Freundin begeistert von der neuen Wahlheimat Heidelberg, spricht hervorragend Deutsch und gilt bei der TSG auch sportlich als gesetzt. "Du brauchst Spieler, die das Verteidigen lieben. Da ist er einfach ein absolutes Vorbild", erklärt Hoffenheims Trainer Christian Ilzer, der seinen Vorzeigekämpfer mit seinen inzwischen 113 Bundesliaspielen zuletzt "sehr vermisst" hat, als der vier Wochen lang wegen einer Knieverletzung pausieren musste.

Andreas Schicker: "Spieler wie Bernardo sind selten geworden"

Und auch Andreas Schicker singt das Hohelied auf seinen Linksverteidiger. "Spieler, die sich über das Verteidigen definieren, findet man im modernen Fußball nicht mehr oft", so der Sport-Geschäftsführer der TSG, der Bernardo schon aus seiner Zeit in Österreich kannte, "Bernardo scheut keinen Zweikampf und geht in jedes Duell am Boden und in der Luft. Aber er hat auch fußballerische Qualitäten als Brasilianer".

Bernardo ist also eher Kämpfer als Künstler im Kraichgau. Inzwischen ist der schmerzlich vermisste Defensiv-Spezialist, den sein ehemaliger Bochum-Trainer Thomas Letsch einmal treffend als "Zweikampfmonster" bezeichnete, wieder fit und feierte letzten Samstag bei der überraschenden 0:1-Niederlage der Hoffenheimer gegen den FC St. Pauli als Einwechselspieler sein Comback.

"Wir sind nicht Bayern München"


Dass die Heimpleite die Überraschungsmannschaft der Saison, die nach wie vor auch Champions-League-Platz drei steht, aus der Spur bringt, glaubt der Brasilianer nicht. "Wir sind nicht Bayern München", verweist Bernardo auf ganz normale Leistungsschwankungen des im Sommer neuformierten Teams, "und wir müssen daraus lernen, was wir besser machen können. Wir dürfen jetzt aber auch nicht dramatisieren und denken, alles ist schlecht. Wir sind auf einem guten Weg." Gelegenheit zur sportlichen Korrektur gibt es gleich am Samstag (07.03.) im Auswärtsspiel beim 1.FC Heidenheim.

Vater Bernardo Senior spielte für den FC Bayern

Übrigens: Der Name Bernardo ist nicht neu in der Bundesliga. Vor 35 Jahren, in der Saison 1991/92, spielte sein Vater Bernardo Fernandes da Silva Senior für den FC Bayern München. Der damalige Nationalspieler, der erste Brasilianer überhaupt bei den Bayern, konnte sich aber nicht durchsetzen und wechselte nach nur vier Spielen wieder zurück nach Sao Paulo. Der Senior ist "Vorbild und Ratgeber" von Junior Bernardo.

Bernardo und der Hund, der nicht bellt

Und weil der Papa und die Familie von Bernardo in Brasilien leben, ist seit sieben Jahren ein kleiner Hund treuer Wegbegleiter auf dem Weg des Profis durch Österreich, England und Deutschland: Ein afrikanischer Basenji, der deshalb auf den Namen "Eto’o" hört, den Namen des ehemaligen Weltklassefußballers Samuel Eto’o aus Kamerun. "Wir hatten uns auch den Namen Mandela überlegt", so Bernardo bei SWR Sport mit einem Lachen im Gesicht, "aber Eto’o hat uns dann doch besser gefallen."

Basenjis sind übrigens Hunde, so das Tierlexikon und vom Herrchen bestätigt, die nicht bellen, sondern nur jodelähnliche Laute von sich geben. Immerhin: Mit Eto’o an der Seite sind die sonst so langweiligen Sonntage für Bernardo dann doch deutlich unterhaltsamer...