Christian Eichner lief gedankenversunken an der Seitenlinie auf und ab. Der Blick zu Boden gerichtet. Die Anzeigetafel des Max-Morlock-Stadions hätte ihm das Ergebnis eines Horror-Films gezeigt: 1:5 beim 1. FC Nürnberg. Dabei fing es relativ harmlos an: "Ich habe 25 Minuten ein 0:0-Spiel gesehen, in dem beiden Mannschaften versucht haben, vernünftigen Fußball zu spielen", sagte Eichner. "Und dann bieten wir zwei Fehler an und liegen 0:2 zurück."
KSC mit haarsträubenden Fehlern in der Abwehr
Marcel Franke stand zu weit weg von Adriano Grimaldi. Dessen Schuss konnte KSC-Keeper Hans Christian Bernat gerade noch abwehren. Doch nach dem Abpraller wurde die Fehlerkette nur länger: Meiko Wäschenbach konnte den Schuss von Mohamed Ali Zoma zwar blocken, fehlte dann aber in der Mitte, als Julian Justvan zum ersten Mal traf (25.). Wäschenbach verlor wenig später den Ball in der Vorwärtsbewegung an Grimaldi, ein Pass, ein Schuss - Justvan mit den nächsten Nackenschlag (28.).
Danach begann der Horror erst richtig: "Der Club kriegt dann eine Dynamik und einen Flow, den wir dann in der Phase weder zweikampftechnisch noch inhaltlich aufhalten konnten", sagte Chefcoach Eichner. Franke kam nicht in den Zweikampf gegen Grimaldi, wodurch der in Ruhe ablegen konnte. David Herold lief Rabby Nzingoula nur hinterher, wodurch der in Ruhe querlegen konnte, Paul Scholl kam zu spät gegen Zoma, wodurch der in Ruhe einschieben konnte (41.). Shio Fukuda glänzte auf Kalrsruher Seite mit der ersten nennenswerten Offensiv-Aktion, als der vierte Offizielle gerade die Nachspielzeit anzeigen wollte. 0:3 zur Pause - Torhüter Bernat musste sich fühlen wie in einem Schleuder-Waschgang.
Eichner: KSC scheiterte an der Einstellung
"Dann ging es in der zweiten Hälfte um Schadensbegrenzung", sagte Eichner. "Das ist uns bei beiden Gegentoren wenig gelungen." Rafael Pinto Pedrosa dribbelte sich an der Seitenlinie fest und war dann viel zu zaghaft im Zweikampf. Sebastian Jung ließ sich von Justvan mit einer einfachen Bewegung auswackeln und lief anschließend nur hinterher. Nach Justvans Abspiel auf Zoma behinderten sich Christoph Kobald und David Herold gegenseitig und konnten den zweiten Treffers des Ivorers nicht verhindern. In die Fehlerkette vor Zomas drittem Treffer waren Louey Ben Farhat, Sebastian Jung und wieder Kobald verwickelt (65.).
Es habe nicht am System und nicht an der Abstimmung gelegen, meinte Eichner. Die Gegentore fielen, "indem wir uns dilettantisch angestellt haben. Da dürfen wir schon so klar und inhaltlich deutlich sein. Wir haben nicht so verteidigt, wie man in der 2. Bundesliga verteidigen muss."
Wanitzek mit dem Ehrentreffer für den KSC
Als sich alle fragten, wie hoch die Niederlage wohl ausfallen würde, machte auch Schiedsrichter Tobias Stieler einen Fehler. Der zeigte nach Herolds spektakulärem Sturz im Nürnberger Strafraum auf den Punkt. Zugegeben: Aus dem Spiel heraus sah es nach einem klaren Foul aus, doch in der Zeitlupe war zu sehen, dass zwischen Herolds und Justin von der Hitz' Schuhen noch locker ein Zentimeter Platz war. Den Elfmeter wollte Herold haben. Marvin Wanitzek war hingegen fehlerlos vom Punkt und sorgte wenigstens für den Ehrentreffer (58.). Doch auch der Kapitän sagte: "Wenn Du am Ende fünf Tore kriegst, kannst Du nicht viel richtig gemacht haben."
KSC hat nur vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone
Die Summe all dieser Fehler führte dazu, dass der KSC weiterhin bei 27 Punkten hängen bleibt. Tabellenplatz zehn bietet daher nur trügerische Sicherheit. Denn nach nur einem Sieg in den vergangenen zehn Spielen haben die Badener magere vier Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz. Trainer Christian Eichner muss sich also etwas einfallen lassen, damit der Horror-Film in den kommenden Wochen nicht in Endlosschleife läuft.
Der 43-Jährige gab sich in dieser Hinsicht optimistisch: "Ich bin jetzt sechs Jahre Trainer in der zweiten Liga. Es gibt solche Phasen, es gibt solche Momente. Ich habe selber ganz, ganz oft solche Spiele erlebt. Wir werden klar mit den Jungs umgehen. Aber nach einem 1:5 draufzuhauen, wird es bei mir nicht geben. Wir müssen den Jungs Halt geben und Stärke zeigen und dann werden wir am Samstag (21.2. gegen Holstein Kiel) wiederkommen."