"In der Mannschaft wohnt ein unfassbarer Glaube", sagte Trainer Christian Eichner nach dem 3:1-Sieg seines KSC gegen Greuther Fürth. Shio Fukuda (90.+3) und Fabian Schleusener (90.+7) haben die Partie in der Nachspielzeit gedreht. "Mich freut das unfassbar für die Mannschaft, weil das waren wirklich Big Points in der Rückrunde."
Und das nach einer ersten Halbzeit, in der nichts - absolut gar nichts - funktioniert hat. Dzenis Burnics Dribbling an der eigenen Strafraum-Kante war geradezu sinnbildlich: Er verlor den Ball an Jannik Dehm, der schon nach fünf Minuten den Gegentreffer von Noel Futkeu einleitete. Ein "riesen Lapsus vor dem 0:1", sagte Eichner. "Damit bringst du das Spiel auf eine schiefe Bahn. Das muss die Mannschaft erstmal wegstecken."
Eichner stolz auf die Resilienz seines KSC
Dass Karlsruhe dieses Spiel nach dem Ausgleich von Rafael Pinto Pedrosa (47.) noch komplett gedreht hat, "ist auch etwas, dass den KSC seit meiner Jugend ausgezeichnet hat", sagte Eichner. "Und das ist etwas, dass hier aus diesem Gebäude niemals ausziehen darf."
Dafür ist laut Eichner jedoch nicht nur die Mannschaft verantwortlich: "Heute möchte ich aber auch mal einen großen Dank ans Publikum geben. Denn 29.000 Zuschauer in einer komplizierten Saison, nach einer 0:3-Derby-Niederlage, mit einem 0:1-Rückstand - da muss ich heute den Hut ziehen."
Glücksgefühle bei KSC-Talent Pinto Pedrosa
Der Ausgleich fiel kurz nach der Pause. Der 18-jährige Torschütze war nach seinem ersten Profi-Tor für den KSC völlig aus dem Häuschen: "Es ist einfach unbeschreiblich. Glückgsgefühle", sagte Pinto Pedrosa. "Ich bin hier beim KSC, seitdem ich elf bin. Und da ist es einfach ein Traum gewesen, hier in diesem Stadion mal ein Tor zu schießen - jeder schreit deinen Namen. Das ist einfach unbeschreiblich."
Vor den Glücksgefühlen gab es jedoch erstmal einen kräftigen Anschiss: "Wir haben in der Halbzeit ein bisschen Feuer bekommen. Das haben wir gebraucht", sagte Pinto Pedrosa, um dann auch die Resilienz des KSC zu loben: "Wir sind als Mannschaft einfach so stark zusammengewachsen, dass wir genau in diesen schwierigen Momenten zurückkommen können. Und nach dem 1:1 waren wir alle mit Feuer da - jeder zu 100 Prozent in jedem Zweikampf. Und das hat man dann auch gespürt. Dann war das 3:1 einfach perfekt."
Saison-Aus für Lilian Egloff
Doch in die allgemeine Freude mischte sich auch der Schock nach der erneuten Verletzung von Mittelfeldspieler Lilian Egloff: "Es ist für mich kaum in Worte zu fassen, wie leid mir das tut, weil der Spieler einen unfassbaren Leidensweg hinter sich hat", sagte Eichner. Für Egloff war es der erste Startelf-Einsatz seit vergangenem Oktober. Der 23-Jährige musste gegen Fürth in der 27. Minute unter Tränen ausgewechselt werden.
Das tut dem KSC gleich doppelt weh: "Er war in den ersten Wochen auf seiner Position das Beste, was die Liga zu bieten hat. Und wir haben das in den Wochen, in denen er gefehlt hat, wirklich gespürt. Wir sind jetzt auch sehr vorsichtig gewesen. Aber es ist ihm wieder reingefahren. Und ich befürchte, dass man momentan von einem Saison-Aus ausgehen muss."
Egloff wird dem KSC vor allem spielerisch fehlen
Wie sehr Egloff dem KSC im Saison-Finale fehlen wird, zeigt ein Blick auf den Saison-Verlauf. Denn nach einem tollen Saison-Start, nachdem einige Karlsruher sogar zaghaft mit dem Aufstieg liebäugelten, rutschten die Badener nach Egloffs Verletzung im Oktober Stück für Stück ins Mittelfeld ab. Aktuell steht der KSC mit 37 Punkten auf Platz acht.
Immerhin: Mit dem Auf- und mit dem Abstieg dürfte Eichners Team in der laufenden Saison nicht mehr in Kontakt kommen. Für die langfristige Entwicklung seiner Mannschaft könnte es trotzdem einen enormen Schub bedeuten, dass die Mannschaft das Spiel mit einer Energie-Leistung auch ohne Egloff umgebogen hat. "Big Points" halt. Die Nächsten könnte der KSC kommende Woche Sonntag, ab 13:30 Uhr, auf Schalke holen - ohne Lilian Egloff.