Bundesliga

Machtkampf bei der TSG Hoffenheim spitzt sich zu

Bei dem Machtkampf hinter den Kulissen der TSG Hoffenheim gerät selbst die gute Leistung bei Bayern München in den Hintergrund. Kommt es am Montag zum Showdown?

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Von Autor/in Michael Richmann

Das 1:5 beim FC Bayern München hatte die TSG Hoffenheim schnell abgehakt. "Klar sind wir enttäuscht über das Ergebnis. Wir sind auch enttäuscht, dass uns so früh die Chance genommen wurde, um elf gegen elf zu zeigen, was wir uns vorgenommen haben. Aber in allen Bereichen, die wir kontrollieren können, haben wir wirklich eine tolle Leistung gebracht", sagte Christian Ilzer im Sportschau-Interview.

Ilzer spielte damit auf die Rote für Kevin Akpoguma an (17.), die Hoffenheim schon früh dezimiert hatte. Sportgeschäftsführer Andreas Schicker wollte stattdessen eher ein Offensiv-Foul von Luis Diaz gesehen haben. Schiedrichter Tobias Stieler sah es jedoch anders und schickte Akpoguma vom Platz. Und mit nur zehn Mann ist es selbst gegen kriselnde Bayern schwierig, mehr als 70 Minuten auf Augenhöhe dagegenzuhalten. Dabei war das Team von Trainer Christian Ilzer in der ersten Halbzeit selbst in Unterzahl lange Zeit ebenbürtig - teilweise sogar besser als der Spitzenreiter. "Wir gehen hier sicherlich nicht mit weniger Selbstvertrauen raus, als wir hergekommen sind."

Hoffenheim bei Bayern lange auf Augenhöhe

So gelang es Andrej Kramaric den aus Harry Kanes Elfmeter-Treffer (20.) resultierenden Rückstand auszugleichen (35.). Dass es dafür eines kapitalen Fehlers von Manuel Neuer bedurfte, tat der guten Leistung keinen Abbruch. Ozan Kabak (25.), Fisnik Asllani (29.) und Kramaric selbst (33.) hätten den Ausgleich auch aus dem Spiel heraus erzielen können.

Der Einbruch kam nach dem zweiten Elfmeter: Vladimir Coufal konnte Luis Diaz nur per Foul stoppen. Kane war erneut zur Stelle (45.). Und noch in der Nachspielzeit vollendete Diaz einen Konter zum 3:1-Halbzeitstand. Damit war das Spiel entschieden. Die weiteren Treffer von Luis Diaz (62. & 89.) ließen das Ergebnis deutlicher aussehen, als es der Spielverlauf war.

Hoffenheims Machtkampf hinter den Kulissen

Statt sich jedoch über die weiterhin gute Ausgangsposition in Sachen Champions League zu freuen - schließlich steht Hoffenheim trotz der Niederlage mit 42 Punkten auf Platz drei der Fußball-Bundesliga - richten sich die Blicke von Ilzer und Co. wieder auf den Machtkampf hinter den Kulissen. Denn dort streiten sich seit mehreren Monaten die Vereinsgranden, ob nun Klub-Mäzen und ehemaliger Mehrheitseigner Dietmar Hopp oder doch der Stammverein, vertreten von dem Interims-Vereinsvorsitzenden und Ex-Ultra Christoph Henssler, bei der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH das Sagen haben.

Hoffenheim

Bundesliga | Meinung Chaos im Kraichgau - steht die TSG Hoffenheim vor der Zerreißprobe?

Das Chaos in der Führung der TSG Hoffenheim nimmt kein Ende. Jetzt droht Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker die Abberufung, der Trainer schließt einen Rücktritt nicht aus.

Ein Streit, der schon mehrere Personen ihren Posten im Verein gekostet hat: Am vergangenen Mittwoch hatte der Verein mitgeteilt, dass man sich einvernehmlich auf das Ende der Zusammenarbeit mit Marketing-Geschäftsführer Tim Jost geeinigt habe. Zuvor hatten schon Markus Schütz (Vorsitzender der Geschäftsführung) und Frank Briel (Geschäftsführer Finanzen) ihre Posten räumen müssen. Zudem war Präsident Jörg Albrecht aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Der neue Präsident wird bei der Mitgliederversammlung am 9. März gewählt. Bis dahin ist Henssler der starke Mann im Verein.

Wird Andreas Schicker in Hoffenheim degradiert?

Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker könnte der nächste sein, der dem Machtkampf zum Opfer fällt. Schicker, so der Hintergrund, soll bei einem vereinsinternen Vorgang einen Formfehler begangen haben und deshalb vom Sport-Geschäftsführer zum Sportchef degradiert werden. Insider der TSG vermuten viel eher einen Vorwand, um ohne den aktuell alleinigen Geschäftsführer Schicker eine neue Führungsstruktur in der Spielbetriebs-GmbH zu installieren. Um das zu erreichen, will Henssler für Montag eine Gesellschafterversammlung einberufen. Schicker sagte am Rande des Bayern-Spiels jedoch, dass er definitiv nur als Geschäftsführer weitermachen wird. Trainer Christian Ilzer hatte seinen Rücktritt zumindest nicht ausgeschlossen, sollte Schicker die TSG Hoffenheim auf diese Weise verlassen.

Hoffenheims Interimschef wehrt sich gegen "Hasskommentare"

Henssler gibt auf einer Stellungnahme auf der TSG-Homepage an, dass er "die kommende Woche anstehenden Gespräche" dazu nutzen möchte "Transparenz zu schaffen und Prozesse dort zu schärfen, wo es der langfristigen Professionalisierung des Klubs dient". Der 29-Jährige schreibt, "dass die fachliche Arbeit im sportlichen Bereich meine volle Wertschätzung genießt. Die sportliche Entwicklung der letzten Monate ist ein Beleg für die Kompetenz der handelnden Personen".

Gleichzeitig wehrt er sich gegen seiner Meinung nach ungebührliche Kritik: "Was in den vergangenen Tagen in Form von Drohungen, persönlichen Angriffen und Hasskommentaren gegen meine Person geäußert wurde, überschreitet jede Grenze des respektvollen und sachlichen Umgangs. Solche Äußerungen – insbesondere Drohungen – sind in keiner Weise akzeptabel und haben in unserem Verein keinen Platz."

Unverständnis bei Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp

Mäzen Dietmar Hopp hat naturgemäß mit großem Unverständnis auf die Querelen bei der TSG Hoffenheim rund um die mögliche Abberufung von Geschäftsführer Andreas Schicker reagiert. Ihm fehle für diese Planspiele "jegliches Verständnis", sagte der 85-Jährige in einem Interview der "Rhein-Neckar-Zeitung". Der im Oktober 2024 von Sturm Graz gekommene Schicker sei hauptverantwortlich dafür, dass die TSG in der Fußball-Bundesliga auf einen Champions-League-Platz stehe. "Durch seine herausragende Arbeit wurde eine Spitzenmannschaft geformt, die mich Woche für Woche begeistert und in ganz Fußball-Deutschland positiv wahrgenommen wird", lobte Hopp und fragte: "Wie können wir den Erfolg unseres Clubs riskieren?"

Auch Schicker reagierte genervt. Es seien Dinge passiert, "die kann ich auch selber nicht nachvollziehen", sagte der 39-Jährige im Sportschau-Interview. Beim Bezahl-Sender DAZN sprach er sogar von "Kasperl-Theater." Schicker hatte erst im November mehrere Angebote anderer Klubs abgelehnt, um seine Aufgabe bei der TSG Hoffenheim fortzuführen. An diesem Plan habe sich nichts geändert: "Ich möchte gerne bleiben", ergänzte Schicker. "Das wird auch jeder verstehen, weil es sportlich auch funktioniert und läuft." Von Sponsoren, Mitarbeitern und Fans habe er Zuspruch erhalten, ebenso von TSG-Mäzen Dietmar Hopp: Dieser stehe zu "100 Prozent" hinter ihm, betonte Schicker. "Das hat er mir mehrmals auch gesagt." Er ärgerte sich, wie auch Trainer Christian Ilzer, dass die gute Leistung gegen Bayern München aufgrund der internen Querelen nicht im Vordergrund steht. Wie es weitergeht? "Das werden wir am Montag sehen."

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Autor/in
Michael Richmann
Michael Richmann ist Sportredakteur, Podcast- und Feature-Autor für SWR Sport und SWR Kultur.

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