"Es war ein dreckiger Sieg", sagte Cheftrainer Urs Fischer nach dem 2:0 von Mainz 05 gegen Werder Bremen. "Aber die sind so wichtig, wenn man sich im Abstiegskampf befindet." Paul Nebel hatte die Mainzer früh in Führung geköpft (9.). Jae-Sung Lee hat das 2:0 mehr erstolpert als erzielt (48.). Doch das interessierte nach dem wichtigen Sieg im Keller-Duell niemanden mehr. "Es war ein guter Schritt heute", sagte Paul Nebel.
Mainz 05 war aggressiv, war konzentriert, war eklig, lief früh an, stellte die Räume zu und verdammte Werder Bremen damit weitgehend zur Ideen- und Harmlosigkeit. Ausschlaggebend war, "dass wir bis zum Schluss die Wege defensiv auch mitgegangen sind", sagte Nebel. "Ich glaube, wir haben es gut verteidigt. Man sieht, dass wir hinten stabil und immer für ein Tor gut sind. Und so kann man auch Spiele gewinnen."
Paul Nebel bringt Mainz 05 früh in Führung
Sein früher Treffer spielte der Mainzer Defensiv-Taktik natürlich in die Karten. "Ich sehe, dass Phillipp [Mwene] außen durch ist und dass der Ball dann ganz gut kommt - auf Kopfhöhe, das ist auch ein bisschen ungewöhnlich für mich gewesen. Ich versuche dann, ihn irgendwie aufs Tor zu bringen und freue mich, dass er reingegangen ist."
Es war Nebels zweiter Saison-Treffer - sein erster, seitdem er nach einer Rotsperre im Dezember für längere Zeit nur noch als Joker zum Einsatz kam. "Für mich natürlich ein wichtiges Tor", sagte der 23-Jährige. "Ich hatte ein paar Wochen, wo es ein bisschen schwieriger war. Ich bin froh, dass ich wieder auf dem Platz stehen und der Mannschaft helfen kann."
Mainz 05 jubelt für den verletzten Silas
Dennoch dachte er nach seinem Treffer erst einmal an den verletzten Kollegen Silas, der sich beim 0:0 gegen Sigma Olmütz das Schien- und Wadenbein gebrochen hatte. Er schnappte sich dessen Trikot und zeigte es den Zuschauern: "Es ist natürlich blöd gelaufen mit Silas, was uns unglaublich leid tut. Es freut uns natürlich, dass wir ihm heute einen Sieg schenken konnten. Wir drücken ihm alle Daumen, dass er das gut übersteht und schnell wieder bei uns ist."
Zweimal waren die Mainzer nicht eklig und nicht konzentriert genug: Da köpfte Leonardo Bittencourt den Ball an die Latte (9.) und kurz nach der Pause kombinierten sich Jens Stage, Romano Schmid und Marco Grüll vors Mainzer Tor. Das ging zu schnell für Kaishu Sano, Danny da Costa und Stefan Posch. Sie bekamen keinen Zugriff und waren erleichtert, als Grüll den Ball nicht ins Tor, sondern daneben schlenzte (48.). "Ein 1:0 ist immer gefährlich", sagte Nebel. "Das war uns bewusst und deswegen wollten wir dann in der zweiten Halbzeit auch auf das 2:0 gehen. Und das ist uns gelungen."
Mainz 05 rettet den Sieg über die Zeit
Denn Mainz 05 besann sich wieder auf seine Tugenden. Kaishu Sano lief Grüll tief in der Bremer Hälfte an und eroberte den Ball. Ein Pass nach Außen auf Sheraldo Becker, ein Pass nach Innen auf Jae-Sung Lee und der bugsierte den Ball irgendwie über die Linie (52.). "Wir hatten das Momentum mit dem 2:0 auch schon wieder auf unserer Seite", sagte Chefcoach Fischer.
Dann begann jedoch eine Phase, die dem 60-jährigen Schweizer nicht so gut gefallen hat. "Ich glaube, nach jeder Balleroberung haben wir den Ball fast wieder hergeschenkt. Das empfand ich als zu wenig Ruhe auf dem Platz. Aber die Mannschaft hat solidarisch verteidigt und hat nichts mehr zugelassen." Und mit dem Abpfiff, war diese Phase auch schnell abgehakt: "Jetzt waren wir mal 1:0 und 2:0 in Führung und haben es über die Zeit gebracht. Das hilft uns dann schon auch für die nächsten schwierigen Aufgaben."
Mainz 05 mit drei Punkten Vorsprung vor der Abstiegszone
Nämlich im Rückspiel gegen Sigma Olmütz in der UEFA Conference League (Donnerstag, 18:45 Uhr, live im Audiostream auf SWR Sport) und im Rhein-Main-Derby gegen Eintracht Frankfurt (Sonntag, 15:30 Uhr, live im Audiostream auf Sportschau.de). "Die drei Punkte tun gut. Jetzt gilt es, gut zu regenerieren. Dann bereiten wir das Spiel am Donnerstag vor. Da wollen wir eine Runde weiterkommen. Und Frankfurt ist noch weit weg", sagte Fischer.
Bis dahin steht Mainz 05 mit drei Punkten Vorsprung vor dem Relegationsplatz auf Platz 13. "Das tut uns natürlich gut", sagte Nebel. "Eine gewisse Erleichterung ist da", ergänzte Fischer. "Aber die definitive Erleichterung hoffe ich nach dem dem 34. Spieltag zu haben." Und dann dürfte ihm egal sein, wie dreckig die Siege bis dahin waren.