Normalerweise werden Mittelstürmer im Fußball an der Anzahl ihrer Tore gemessen. Das ist natürlich auch bei Phillip Tietz so. 16 Treffer hat der gebürtige Braunschweiger in den vergangenen zweieinhalb Jahren in 78 Spielen im Trikot des FC Augsburg geschossen - eine ordentliche, aber keine überragende Quote.
Doch manchmal zählen bei Angreifern noch andere Faktoren. Wer Phillip Tietz einmal auf dem Fußballplatz gesehen hat, der weiß, was er erwarten kann: Emotion, Einsatz, purer Wille. Mit genau diesen Tugenden soll der kantige Stürmer ein wichtiger Faktor im Spiel der Rheinhessen werden.
Bungert: "Genau die Verstärkung, die wir gesucht haben"
Das dürfte auch in den Überlegungen der Mainzer der Verantwortlichen eine Rolle gespielt haben. "Phillip Tietz ist genau die Verstärkung für die Offensive, die wir gesucht haben. Phillip ist ein erfahrener, zweikampfstarker Mittelstürmer, der mit seiner Körpergröße von 1,90 Meter, Wucht und physischer Präsenz Torgefahr kreieren kann und das in den letzten Jahren zuverlässig unter Beweis gestellt hat", sagte der Mainzer Sportdirektor Niko Bungert gegenüber SWR Sport.
Heißt: Tietz soll dafür sorgen, dass Mainz in den restlichen 19 Spielen deutlich mehr als die bisher mageren 13 Treffer erzielt. Sie selbst zu schießen, wird dabei nicht seine einzige Aufgabe sein. Denn der Angreifer bringt eine Komponente ins Mainzer Spiel, die in dieser Saison bislang fehlte: Offensivzweikämpfe gewinnen, Bälle festmachen, sie ablegen und dadurch Platz für die Teamkollegen schaffen.
Sollte der Plan mit Tietz wie erhofft aufgehen, dürften vor allem schnelle Spieler wie Paul Nebel und Benedict Hollerbach profitieren, die in der bisherigen Saison trotz ihrer unbestrittenen Qualität keine oder fast keine Torgefahr ausstrahlten. "Es gibt uns ein paar mehr Möglichkeiten, ein paar mehr Variationen", sagte der Trainer Urs Fischer über den Tietz-Wechsel.
Fischer: Tietz "solidarisch" in der Defensivarbeit
Der Schweizer setzt also auf die offensiven Qualitäten seines neuen Spielers - aber nicht nur das. "Er ist ein Stürmer, der sich im Strafraum wohlfühlt. Aber auch jemand, der sich solidarisch zeigt, wenn es um Defensivarbeit geht", so Fischer. Denn eine von Tietz' Qualitäten ist das Stören des gegnerischen Spielaufbaus. Der 28-Jährige geht keinem Zweikampf aus dem Weg, weiß seinen Körper einzusetzen und kann dadurch für das andere Team ein nervender Faktor sein.
Dazu bringt Tietz eine emotionale Komponente ins Spiel. Mit seiner Galligkeit setzt der Angreifer auf dem Feld auf kommunikativer Ebene Zeichen. Auch das wird der Mannschaft gut tun, die sich in den letzten Spielen vor der Winterpause unter Fischer zwar stabilisierte, aber der unter anderem bei der tristen Nullnummer gegen den FC St. Pauli noch der letzte Punch gefehlt hatte.
Letztlich war es das Gesamtpaket, dass die Verantwortlichen davon überzeugt hat, dass Phillip Tietz genau der richtige Mann für den Angriff ist. Der 28-Jährige bringe eine "körperliche Wucht" mit und spiele "emotional und ehrlich Fußball", so Bungert. "Er wird uns hoffentlich gut tun. Die Art und Weise hatten wir in dem Extrem bislang so nicht im Kader hatten. Außerdem hatten wir nach dem Trainerwechsel und einer kleinen Systemumstellung auch regelmäßig zwei Stürmer auf dem Platz stehen. Dadurch hat es auch schon quantitativ Sinn gemacht."
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Man darf gespannt sein, was Tietz neben Treffsicherheit ins Mainzer Spiel einbringt. Geht es nach FCK-Coach Torsten Lieberknecht, der mit dem Stürmer in Braunschweig und in Darmstadt schon zusammenarbeiten durfte, dann haben die Rheinhessen alles richtig gemacht. Auch wenn Lieberknecht glaubt, dass der Stürmer zunächst einmal seine originäre Aufgabe erfüllen soll.
"Ich gehe davon aus, dass er geholt wurde um Tor zu schießen. Damit hilft er ihnen als Angreifer am meisten", sagte der Trainer im Gespräch mit SWR Sport. "Ich wünsche ihm viel Glück und drücke ihm die Daumen. Mainz hat mit ihm einen Spieler bekommen, der auch in der Mannschaft dafür sorgt, dass eine gute Stimmung herrscht." Wenn Tietz auch noch trifft, wird das mit der Stimmung vermutlich ohnehin ein Selbstläufer.