Bis zum letzten Freitag, bis nach dem 1:1 im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim, kamen die Durchhalteparolen bei den Mainzern noch an bei den Fans. Auch weil durch den Treffer von Danny da Costa eine weitere Heimpleite verhindert wurde. Die Bilanz in der Bundesliga, insbesondere die im eigenen Stadion, ist aber die eines Absteigers. Gerade einmal zwei Punkte wurden eingefahren, den letzten Sieg vor heimischem Publikum gab es in der vergangenen Saison am 22. Februar beim 2:0 gegen den FC St. Pauli.
Uninspirierter Auftritt in Rumänien
Was bislang so ein klein wenig von den Leistungen in der Bundesliga abgelenkt hat, war die Bilanz in der Conference League. Auch wenn hier längst nicht alles rund lief, die Ergebnisse stimmten. Angefangen beim Play-Off-Rückspiel, beim 4:1 gegen Trondheim, lieferten die Mainzer ihre bisher beste Saisonleistung ab, gewann man auch die ersten drei Gruppenspiele. Diese Serie ist jetzt auch gerissen, nach einer erschreckend schwachen Vorstellung beim 0:1 in Rumänien bei Universitatea Craiova. Abgesehen vom Abseitstreffer des 18-jährigen Kacper Potulski kamen die 05er gegen einen keineswegs übermächtigen Gegner kaum zu Torchancen, präsentierten sich erstaunlich uninspiriert. Unglücklich natürlich, dass bereits nach 24 Minuten Stammkeeper Robin Zentner verletzt ausgewechselt werden musste - was aber nicht als Ausrede gelten sollte.
Die Fans sind frustriert, die Stimmung kippt
Schon während und nach dem Heimspiel gegen Hoffenheim war es merklich ruhiger in der Mainzer Arena. Die Fans, die bis dahin bedingungslos hinter der Mannschaft standen und sie auch nach den vielen nicht gewonnenen Spielen stets lautstark unterstützten und animierten, scheinen so langsam die Geduld zu verlieren. Beim Gastspiel in Craiova steigerte sich dann der Frust bei den rund 1.200 mitgereisten Anhängern noch einmal. Es gab Pfiffe - und im Anschluss sogar eine verbale Auseinandersetzung zwischen einem der 05-Akteure und den Fans. Das alles ist eine für Mainz sehr untypische, und für die anstehenden Spiele vor der kurzen Winterpause, auch gefährliche Tendenz.
Ist Bo Henriksen noch der richtige Mann?
Da stellt sich - wahrscheinlich nicht nur mir - die im Geschäft Fußball oft gestellte Frage: Was passiert mit Trainer Bo Henriksen? Natürlich hat der Däne große Verdienste um den Verein, unvergessen der Klassenerhalt im Mai 2024, unvergessen natürlich auch die letzte Saison mit der Qualifikation für die Conference League. Genau das aber, die Mehrfachbelastung durch die internationalen Spiele, scheint den 05ern jetzt zum Verhängnis zu werden.
Fußball-Bundesliga Der Druck auf Mainz 05 und Trainer Bo Henriksen wird immer größer
Der 1. FSV Mainz 05 steht nach zehn Spielen mit nur fünf Punkten auf Platz 17 der Bundesliga. Für die Krise der Rheinhessen gibt es Gründe.
Der Kader wurde nicht entsprechend verstärkt, einige Leistungsträger wie Nadiem Amiri, Jae-sung Lee oder Paul Nebel laufen ihrer Form aus der Vorsaison kilometerweit hinterher. Und auch wenn ich es selbst langsam nicht mehr hören und lesen kann - die 18 Tore von Jonathan Burkardt fehlen ganz einfach. Und Bo Henriksen? Der Coach wirkt, bei aller optimistischen Ausstrahlung, in den letzten Wochen auf mich an der Seitenlinie oft überfordert und ratlos. Vielleicht ist es nur ein Eindruck von oben, aber irgenwie scheint der Motivationszauber des Dänen nicht mehr anzukommen bei den Akteuren.
Endspiel in Freiburg?
Ob die Bundesligapartie in Freiburg (Sonntag, 30.11., ab 19:30 Uhr) bereits ein Endspiel für den Trainer sein wird, weiß ich nicht. Wenn man die Verantwortlichen um Sportvorstand Christian Heidel und Sportdirektor Niko Bungert fragt, sicher nicht. Sollte aber - und das Fehlen der gesperrten Amiri und Dominik Kohr sowie wahrscheinlich auch des verletzten Keepers Robin Zentner macht die Aufgabe mit Sicherheit nicht einfacher - auch der Auftritt im Schwarzwald in die Hose gehen, könnte die Amtszeit von Bo Henriksen noch vor Weihnachten vorzeitig enden.