Zwischenbilanz

Mainz 05: Zwischen Liga-Krise und Europa-Glanz

Tabellenvorletzter in der Liga und seit sechs Spielen sieglos. Die Sorgen beim 1. FSV Mainz 05 sind groß und überlagern auch starke Auftritte in der Conference League.

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Stand

Von Autor/in Florian Winkler

So lief die Saison bisher

In Mainz ist Abstiegskampf angesagt. Fünf Punkte nach zehn Spielen, sieglos im eigenen Stadion und Tabellenplatz 17 spiegeln die aktuelle Liga-Krise der 05er klar wieder. Schwache Auftritte wie zuletzt beim 0:1 gegen Eintracht Frankfurt dürften die Hoffnungen auf Besserung bei den Fans kaum anwachsen lassen.

Seit dem einzigen Sieg bei den ebenfalls kriselnden Augsburgern am vierten Spieltag wartet der FSV auf einen weiteren Saisonerfolg. Nach der überragenden vergangenen Saison mit Tabellenplatz sechs und der Teilnahme an der Conference League sind die Rheinhessen in dieser Spielzeit in der Bundesliga quasi komplett aus dem Tritt. Immer wieder schleichen sich Fehler in der Defensive ein, die prompt zu Gegentoren und dadurch zu Punktverlusten führen. Dazu fehlt es der teils neuformierten Offensive an Torgefahr. Ebenfalls ein leidiges Thema der Rheinhessen: Späte Rückschläge. Gegen den VfB Stuttgart, Werder Bremen oder auch bei Eintracht Frankfurt, ließ Mainz kurz vor Schluss noch Punkte liegen.

Einige Säulen im Team, wie Nationalspieler Nadiem Amiri oder Mittelfeldstratege Kaishu Sano sind auf Formsuche. Die Neuzugänge, wie Stürmer Benedict Hollerbach, sind aktuell noch nicht die erhofften Verstärkungen. Von dieser Schieflage ist in den Europapokal-Auftritten wenig zu sehen. Drei Spiele, drei Siege, so liest sich die bislang makellose Conference-League-Bilanz der 05er in der Ligaphase. Besonders der Last-Minute-Sieg gegen den italienischen Traditionsclub AC Florenz sorgte kurzzeitig für Euphorie beim FSV-Anhang. Doch wie ein negatives Muster zieht ein Erfolg in Europa direkt eine Niederlage in der Bundesliga nach sich. Mainz konnte bislang diesen Schwung unter der Woche nicht mit in den Ligaalltag nehmen.

Was läuft gut?

Es gibt sie noch - die Mainzer Erfolgserlebnisse! Zwar fast ausschließlich in der Conference League, doch Europapokal-Abende wie der Sieg gegen Florenz zu Hause sind purer Balsam auf die Mainzer Fanseele. Sie zeigen, dass die Mannschaft noch lebt und der Glaube an den Erfolg da ist. Trotz zuletzt sechs sieglosen Spielen stimmen Einsatz, Einstellung und Energie. Die Profis heben immer wieder hervor, dass Chemie und Stimmung innerhalb des Teams richtig gut seien und sie dem Trainer nach wie vor folgen. Aktuell herrscht Ruhe am Bruchweg. Keine gegenseitigen Schuldzuweisungen oder Nebengeräusche. Die sportliche Führung lässt bislang keine Trainerdiskussion um Chefcoach Bo Henriksen zu. Der Däne genießt noch volles Vertrauen. Auch bei den Fans, die trotz dieser schwierigen Phase zur Mannschaft stehen und Aufbauarbeit von der Tribüne leisten. Der Zusammenhalt in Mainz ist nach wie vor da.

Was muss besser werden?

Kopfsache! Aktuell ein häufig gebrauchter Begriff beim 1. FSV Mainz 05. Durch die Doppelbelastung fehlt es weniger an körperlicher als an geistiger Frische. Beispiel mangelnde Torgefahr: Offensiv sind die Mainzer nach dem Abgang von Nationalstürmer Jonathan Burkardt viel zu harmlos. Die Lücke, die der 25-Jährige mit seinen 18 Toren hinterlassen hat, konnten weder Neuzugang Benedict Hollerbach noch die große Nachwuchshoffnung Nelson Weiper schließen. Es fehlt an Durchsetzungsvermögen und Zielstrebigkeit, dazu kommen mangelnde Präzision im Abschluss und einfache Ideen. Die Bilanz: Zehn Tore in zehn Ligaspielen, darunter drei Elfmeter, sind schlichtweg zu wenig. Das Winter-Transferfenster würde sich für eventuelle Verstärkungen anbieten. Gesucht wird ein torgefährlicher Zielspieler. Dazu kommt, dass sich die eigentlich stabile Defensive ungewohnt anfällig zeigt. Immer wieder schleichen sich Patzer und individuelle Fehler ein, die direkt bestraft werden. Auch das ist häufig Kopfsache.

05-Trainer Bo Henriksen hält, trotz der Ligamisere, bislang eisern an seinem System fest. Das 3-4-3 ist in die FSV-Taktiktafel quasi eingebrannt. Trotz schwacher Offensiv-Quote, trotz Formtiefs einiger Leistungsträger. In der Liga baut er, bis auf ganz wenige Ausnahmen, auf seine Stammformation. Die Neuzugänge blieben bislang blass. Aus der zweiten Reihe drängen sich auch aktuell kaum Alternativen auf. Zumindest der junge Kacper Potulski könnte nach seinen guten Auftritten in der Conference League eine Abwehr-Alternative für die Bundesliga werden.

Großes Thema bleibt auch die anhaltende Heimschwäche der Mainzer. Das große und wichtige Plus der vergangenen Spielzeit. Selbst die Top-Clubs waren nicht gerne in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt zu Gast. Zu unangenehm, zu emotional, zu wuchtig waren dort die Partien für die Gegner. Lang ist's her. Der letzte Sieg in der eigenen Arena gelang im Februar gegen St. Pauli. In dieser Saison steht erst ein Zähler vor den heimischen Fans auf der Habenseite. Eine wieder aufflammende Heimstärke wäre für den Abstiegskampf enorm wichtig.

Wie sind die Aussichten?

Für Mainz 05 kommt die aktuelle Länderspielpause nach 17 Pflichtspielen zum Durchatmen gerade recht. Für alle "Nicht-Nationalspieler" gab es von Trainer Henriksen eine Art Homeoffice-Programm mit individuellen Trainingsplänen. Kopf frei bekommen und Kraft tanken für die nächsten Aufgaben. Der Fahrplan dafür ist klar: Konstanz finden und Punkte sammeln für das große Ziel Klassenerhalt. Der Zusammenhalt zwischen Verein und Fans ist aktuell das große Pfund dabei. Sollte es gegen die TSG Hoffenheim nächsten Freitag (20:30 Uhr) erneut eine Niederlage geben, könnte es aber auch in Mainz langsam unruhig werden.