Meinung zum Re-Start

Mainz 05: Alles auf Angriff! Aber stimmt die Balance?

Auf dem Transfermarkt hat der 1. FSV Mainz 05 im Winterfenster schon zugeschlagen, vernachlässigt bisher aber notwendige Investitionen in die Abwehr, findet SWR Sport-Redakteur Marius Rinkel.

Teilen

Stand

Von Autor/in Marius Rinkel

Mainz 05 geht für die Mission Klassenerhalt voll auf Angriff - und das wortwörtlich. Die Basis-Ablöse von 21 Millionen Euro, die die 05er im Sommer für den nach Frankfurt abgewanderten Jonny Burkardt eingenommen haben, wurde mittlerweile fast komplett reinvestiert. Und zwar direkt in vier Offensivspieler. Schon im Sommer kamen Rekordtransfer Benedict Hollerbach (knapp zehn Millionen Euro) und William Böving (3,5). In Summe steuerten beide in den ersten 15 Bundesliga-Partien nur drei Assists bei. Tore: Fehlanzeige, lediglich Hollerbach traf einmal in der Conference League.

Seit kurzem stehen zwei weitere Offensivspieler im Kader. Phillip Tietz kam für vier Millionen Euro vom FC Augsburg, Silas nur wenige Tage später für eine kolportierte Mini-Ablöse von maximal einer Million vom VfB Stuttgart. In Summe sind das 18,5 Millionen, die durch die im Geschäft üblichen Bonus-Zahlungen noch steigen dürften. Die Abteilung Attacke ist meiner Meinung nach mittlerweile quantitativ gut bestückt. Die Frage, die ich mir weiterhin stelle: Wie stark gehen die Angriffsverstärkungen zu Lasten der Abwehrreihe?

Kaum Investitionen in die Defensive

Denn dort sind die Investitionen in den letzten beiden Transferphasen minimal. Das Portal transfermarkt.de beziffert diese auf 700.000 Euro. Die Summe setzt sich aus der Leihgebühr für Sechser Sota Kawasaki und der Ablöse für Außenverteidiger Kasey Bos zusammen, der sportlich bei den Profis bisher keine Rolle spielte.

Ein Ungleichgewicht, das bei nur 13 geschossenen Liga-Toren (geteilter Tiefstwert der Liga) auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, aber jeglichen Balance-Gedanken über Bord wirft. Mit 26 Gegentoren steht der FSV alles andere als blendend da, befindet sich im unteren Tabellenmittelfeld. Eine Verpflichtung von Moritz Jenz, der während seiner Leihe in der vergangenen Saison die Abwehr stabilisierte, kam im Sommer aus finanziellen Gründen nicht zustande. Die geforderte Ablösesumme im mittleren einstelligen Millionenbereich war den 05ern wohl zu teuer.

Talent Potulski als Hoffnungsträger

Im Nachhinheim betrachtet mutet es seltsam an, dass das Geld für Jenz im Sommer nicht in die Hand genommen wurde. Gerade weil Innenverteidiger Maxim Leitsch, dessen Körper den Belastungen des Profifußballs nur selten standhielt, schon im Sommer als Streichkandidat galt. Kacper Potulski wurde durch die Sperren von Dominik Kohr und Blessuren von Stefan Bell ins kalte Wasser geworfen und wusste zu imponieren. Potulskis Talent ist unbestritten, allerdings ist er erst 18 Jahre alt. Ihm müssen Fehler zugestanden werden, was im Abstiegskampf eine undankbare Kombination darstellen kann. Ohne einen weiteren Innenverteidiger in die Restsaison zu gehen, wäre meiner Ansicht nach ein großes Risiko.

Hoffnung macht, dass die 05er laut Sportdirektor Niko Bungert "in allen Mannschaftsteilen immer noch aktiv [sind], ohne dass wir öffentlich konkret sagen werden, auf welchen Positionen das konkret der Fall ist". Das finanzielle Budget dürfte aber spätestens nach den Verpflichtungen von Tietz und Silas langsam erschöpft sein. Eine Möglichkeit, die den 05ern noch bliebe, wäre eine Leihe eines Spielers, der aktuell wenig Spielzeit bekommt, sich aber für die Weltmeisterschaft im Sommer empfehlen möchte. Diese Spieler sind aber auch bei anderen Vereinen begehrt. Hinzu kommt die aktuelle Situation des FSV, die eine Inszenierung als "Schaufenster-Klub" für die WM nicht zwingend erleichtern dürfte.

Deutschland

Sturmtief Elli in Deutschland Winterwetter in der Bundesliga: Hoffenheimer Gastspiel in Bremen abgesagt

Eis und Schnee verhindern, dass die TSG Hoffenheim wie geplant bei Werder Bremen antreten kann. Auch St. Pauli gegen Leipzig ist abgesagt. Für Spielabsagen gibt es Regeln. Was dazu wichtig ist:

Verletzungen verschärfen Transfer-Notwendigkeit

Der Reha-Rückschlag von Anthony Caci und die langwierigere Verletzung von Phillip Mwene habe ich da noch gar nicht angesprochen. Ohne die beiden Stamm-Außenverteidiger der vergangenen Erfolgssaison stehen im Grunde noch zwei weitere Planstellen offen, auf denen nachgelegt werden könnte.

Es bleibt für mich eine komplexe Situation am Bruchweg, denn nicht falsch verstehen: Die Winter-Investitionen in den Angriff waren notwendig. Nur die Balance zwischen Angriffs- und Abwehrverstärkungen könnte für meinen Geschmack etwas mehr im Gleichgewicht liegen. Ob Sportdirektor Niko Bungert und Sportvorstand Christian Heidel das auch so sehen, wird das Transferfenster bis zum 2. Februar zeigen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Marius Rinkel