Wer ein Fußballfeld beobachtet, auf dem Fabio Gruber aufläuft, dem fällt der Innenverteidiger des 1. FSV Mainz 05 zwangsläufig auf. Zum einen wegen seiner schwarzen Gesichtsmaske, die der 24-Jährige bei jeder Partie trägt. Zum anderen wegen der Geradlinigkeit in seinem Spiel.
Genau diese Geradlinigkeit ist es auch, weshalb Gruber die Maske auch heute, mehr als zwei Jahre nach einer schlimmen Gesichtsverletzung mit mehreren Frakturen, immer noch trägt. "So eine Verletzung möchte ich nicht noch einmal haben", sagt Gruber ganz offen. "Deswegen habe ich entschieden, sie so lange zu tragen, bis sie mich eventuell irgendwann stört." Pragmatisch und geradlinig.
Von 0 auf 100 bei Mainz 05
In Mainz hat der Defensivspieler so schnell Eindruck hinterlassen. Dass Gruber, der im Sommer vom 1. FC Nürnberg nach Mainz wechselte, so schnell Fuß fasst, hatte bestimmt nicht jeder auf der Rechnung. Geholfen hat dem 24-Jährigen dabei auch die Ähnlichkeiten von Mainz zu seiner Heimatstadt Augsburg, was das Einleben auf und neben dem Platz beschleunigte.
Gruber schnappte sich zu Saisonbeginn den Stammplatz im Zentrum der Dreierkette, spielte bisher jedes Pflichtspiel über 90 Minuten und bekam schon ein Sonderlob von Trainer Urs Fischer nach seinem ersten Bundesligaspiel gegen Paderborn. Wie rasant Grubers Entwicklung in den letzten Jahren ging, zeigt ein Blick auf seine Vita.
"Besseren Start hätte ich mir nicht erträumen können"
Vor drei Jahren spielte Gruber beim SC Verl noch in der 3. Liga, bevor er sich in anderthalb Jahren in Nürnberg sogar zum Kapitän eines Zweitligateams aufschwang und schließlich den Schritt nach Mainz wagte. "Wenn ich so zurückdenke, dann hätte ich das bestimmt nicht so erwartet", reflektiert der 1,88-Meter-Mann die vergangenen Jahre. "Wenn mir irgendjemand mal einen Bundesliga-Vertrag hingelegt hätte, dann hätte ich ihn blind unterschrieben. Deswegen bin ich extrem dankbar, dass es so gekommen ist, und dass ich die Minuten sammeln kann. Einen besseren Start hätte ich mir persönlich nicht erträumen können."
Überall schnell durchgesetzt
Dabei gab es diesen Turbostart für Gruber schon öfter. Egal wo er aufschlug, immer benötigte er beeindruckend wenig Akklimatisierungszeit, um anzukommen - und stand dann als Dauerbrenner nahezu jede Spielminute auf dem Platz.
Was ist sein Erfolgs-Geheimnis? "Geheimnis? Boah, das weiß ich nicht", schmunzelt Gruber und denkt kurz nach. "Grundsätzlich brauche ich eigentlich immer ein bisschen, um mich zu akklimatisieren. Aber vielleicht bin ich einfach ich selbst und spiele Fußball. Ich versuche einfach dem Team zu helfen."
Das tut er mit einer guten Zweikampfführung, durch seinen Spielaufbau und seine Kopfballstärke, auch wenn ausgerechnet die am vergangenen Wochenende zum ersten größeren Patzer auf der Bundesliga-Bühne führte. Im Duell mit Eintracht Frankfurt und Ex-05er Jonathan Burkardt (1:3) verschätzte sich Gruber, tauchte unter dem Ball hindurch, den Burkardt anschließend zum 2:0 ins Tor beförderte.
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Gruber und sein Nebenmann Kacper Potulski, der beim 0:1 patzte, erhielten anschließend Rückendeckung von ihren Mitspielern und dem Trainer. "Das ist Menschlichkeit. Wir sind alle Menschen. Es wäre schön, wenn wir alle wie Roboter funktionieren würden", so Fischer und auch Sportdirektor Niko Bungert stellt sich vor seine Innenverteidiger: "Sie machen insgesamt einen hervorragenden Eindruck. Das wird sie und uns nicht vom Weg abbringen."
Rückendeckung nach Fehler gegen Eintracht
"Das hilft ungemein", ist Gruber dankbar für die Rückendeckung. Trotzdem beschäftigte ihn der Fehler im Nachhinein. "Es wurmt einen schon. Wir waren sehr selbstbewusst, weil wir bisher noch kein Gegentor kassiert haben. Mich wurmt es nochmal mehr, weil ich in der Situation den Ball einfach falsch eingeschätzt habe", so Gruber der auch hier ganz geradeheraus und ohne Beschönigung seinen Fehler anspricht und ihn versucht so zu verarbeiten. "Am Ende ist es Mannschaftssport, Fehler machen alle und wir müssen für jeden einzelnen einstehen."
Auch wegen dieser mannschaftlichen Geschlossenheit ist sich der Rechtsfuß sicher, dass gegen Borussia Mönchengladbach der nächste Dreier eingefahren wird und schiebt ein schnelles "hoffentlich" nach.
Nationalspieler für Peru: "Das trifft meine DNA auf dem Platz"
International steht Gruber für Peru, dem Heimatland seiner Mutter, auf dem Feld. Für ihn war es ein "No-Brainer", als der peruanische Verband vor den Länderspielen im vergangenen November auf ihn zukam. "Die Freude in den Augen meiner Mutter zu sehen, da war schnell klar, dass ich das mache", erinnert sich Gruber, der bisher auf fünf Spiele für Peru kommt und sich schon jetzt auf die Länderspielpause und mögliche weitere Einsätze freut.
"Ja, ich bin wieder dabei", grinst er und erklärt die Liebe zum peruanischen Fußball so: "Die sind positiv verrückt und super emotional. Wenn man sieht, was es den Leuten bedeutet, für die Nationalmannschaft zu spielen, das packt einen schon." Und wenn alles so geradlinig läuft wie immer, dann dürfte Gruber schon bald als Stammspieler in der peruanischen Innenverteidigung gesetzt sein.