Bundesliga

Matthias Ginter: Vom Gladbacher Leistungsträger zum Freiburger Anführer

Matthias Ginter ist einer der Gründe, warum der SC Freiburg mit breiter Brust in das Duell mit Borussia Mönchengladbach geht. Der 32-Jährige Abwehrchef hat nach der Enttäuschung über die Nicht-Nominierung für den deutschen WM-Kader einen starken Saisonstart hingelegt.

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Von Autor/in Julius Richter

Es ist eine besondere Konstellation für Matthias Ginter. Fünf Jahre lang trug der Abwehrchef des SC Freiburg das Trikot der Borussia (2017 bis 2022), absolvierte 154 Bundesliga-Spiele und erzielte dabei elf Tore. Gladbach gehörte in dieser Zeit regelmäßig zu den besseren Mannschaften der Liga: Viermal landete der Klub in der oberen Tabellenhälfte, zweimal qualifizierte er sich für den Europapokal – einmal für die Champions League, einmal für die Europa League.

Seit Ginter gegangen ist, ist von dieser europäischen Konstanz in Gladbach wenig übrig geblieben. Rang zehn war seither die beste Platzierung der Borussia. Mit dem SC Freiburg hat der Innenverteidiger hingegen eine Entwicklung genommen, die ihn inzwischen zurück auf die europäische Bühne geführt hat – zuletzt sogar bis ins Europa-League-Finale.

Der Mann, der Freiburg Stabilität gibt

Matthias Ginter ist weit mehr als der Mann in der Mitte einer Dreier- oder Viererkette. Er organisiert, dirigiert, beruhigt. Mit seiner Erfahrung und seiner Qualität im Spielaufbau gibt er Freiburg eine zusätzliche Dimension. Nach Ballgewinnen kann er das Spiel mit seinen Pässen beschleunigen, gleichzeitig ist er defensiv derjenige, der die Ordnung hält und seine Mitspieler dirigiert.

Trainer Julian Schuster bringt die Bedeutung seines Abwehrchefs auf eine ganze Reihe von Eigenschaften: Ginters Form zeige seit Monaten nach oben, "er lässt sein Herz auf dem Platz liegen, das ist mitreißend für Mitspieler und Fans". Dazu kommen seine Erfahrung, Kreativität und Ruhe am Ball, seine Verlässlichkeit gegen den Ball und eine Leidenschaft, die Schuster als "Gen, alles zu verteidigen" beschreibt. Für den Trainer ergibt gerade diese Kombination den besonderen Wert des 32-Jährigen.

Ginter liefert aktuell auch Zahlen, die zu diesem Lob passen. Freiburg ist mit fünf Siegen aus fünf Pflichtspielen perfekt in die Saison gestartet. In der Conference-League-Qualifikation beim FC Motherwell wurde der Innenverteidiger zum Matchwinner: Beim 3:1 erzielte er erstmals in seiner Karriere zwei Tore in einem Spiel. Einen Treffer erzielte er per Kopf, den zweiten per Elfmeter.

Der Auftritt in Schottland war kein Zufall. Ginter gehört zu den torgefährlichsten Abwehrspielern der Bundesliga, gerade bei Standards ist er eine ständige Gefahr. Seine Tore gegen Motherwell machten einmal mehr deutlich, wie wertvoll er für Freiburg ist: defensiv als Anker, offensiv als zusätzliche Waffe.

Ein Sommer voller Enttäuschungen

Hinter Matthias Ginter liegt ein Sommer mit zwei schmerzhaften Momenten. Im Mai stand er mit Freiburg im ersten Europapokal-Finale der Vereinsgeschichte, unterlag Aston Villa aber mit 0:3. Einen Tag später folgte die nächste Enttäuschung: Bundestrainer Julian Nagelsmann nominierte den Weltmeister von 2014 nicht für die WM 2026. "Mehr hätte ich nicht machen können. Ich habe alles versucht und alles getan", sagte Ginter.

Nun könnte sich eine neue Tür öffnen. Mit Jürgen Klopp als Bundestrainer beginnt auch beim DFB eine neue Zeitrechnung. Ginters Erfahrung, seine Führungsqualitäten und seine Spielstärke könnten dabei durchaus gefragt sein. Eine Rückkehr ins Nationalteam ist jedenfalls nicht ausgeschlossen. Seine beste Bewerbung bleibt ohnehin das, was er Woche für Woche in Freiburg zeigt.

Ginter ist der Stabilisator des SC Freiburg

Ginter ist längst ein Bessermacher. Er stabilisiert die Abwehr, gibt dem Spiel Ruhe und Struktur und übernimmt Verantwortung, wenn es darauf ankommt. Mit seiner Persönlichkeit und Qualität hat er dazu beigetragen, Freiburg von einem etablierten Bundesligisten zu einem Klub mit internationalem Format zu entwickeln.

Und nun kommt Gladbach. Fünf Jahre lang war Ginter Teil jener Mannschaft, die Borussia zurück nach Europa führte. Heute steht er für einen SC Freiburg, der diesen Weg längst selbst eingeschlagen hat. Das Wiedersehen ist deshalb mehr als eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit: Es ist auch die Geschichte eines Abwehrchefs, der zum emotionalen Anführer geworden ist – und der Freiburg auf eine neue Stufe gehoben hat.