Nach einem Unentschieden stellt sich ja immer die Frage: ein gewonnener Punkt oder zwei verlorene Zähler? Auch beim 1. FSV Mainz 05 war die Gefühlslage nach dem 1:1 (1:0) gegen den Hamburger SV ambivalent. Einerseits führten die Rheinhessen, die den Hanseaten spielerisch lange Zeit unterlegen waren, zunächst durch Nadiem Amiri mit 1:0 (42. Minute). Andererseits bewies der HSV das deutlich strukturiertere Offensivspiel und kam durch einen abgefälschten Freistoß von Fabio Vieira (64.) zum Ausgleich. Einerseits hatten die Mainzer durch Sheraldo Becker in der Schlussphase die große Chance auf den späten Siegtreffer. Andererseits hätten sich die 05er nicht beschweren dürfen, wenn sie über lange Phasen des Spiels in Unterzahl hätten agieren müssen.
Nadiem Amiri: "Zwei verlorene Punkte"
"Das sind zwei verlorene Punkte, aufgrund der Chance am Ende und unserer zweiten Halbzeit", bilanzierte Torschütze Amiri im Interview mit SWR Sport. "Die Saison ist lang, wir haben noch viele Spiele. Es ist kein Sprint, es ist ein Marathon. Von daher müssen wir jeden Punkt sammeln und dann ist es wichtig, am Ende über dem Strich zu stehen."
Urs Fischer: "Hätten Sieg verdient gehabt"
Mainz-Coach Urs Fischer nahm den Zähler an seinem 60. Geburtstag gerne an. "Wir wollten hier gewinnen. Den Punkt nehmen wir mit, er kann noch entscheidend sein", sagte der Schweizer. Der Trainer fand: "Über 90 Minuten hätten wir den Sieg verdient gehabt. In den ersten 30 Minuten hatten wir aber auch wirklich Probleme, der HSV hat das sehr gut gespielt und besaß auch die Möglichkeiten, in Führung zu gehen."
Das Spiel bot viel Diskussionsstoff. Die Hamburger forderten Platzverweise nach Fouls der bereits verwarnten Silas (an Nicolas Capaldo) und Dominik Kohr (an Miro Muheim). In beiden Szenen ließ Schiedsrichter Robin Braun Gnade walten - die Mainzer hätten sich bei strenger Regelauslegung über Gelb-Rote Karten nicht beschweren dürfen.
HSV-Trainer Boris Polzin: "Klare Gelb-Rote-Karten"
Coach Fischer wechselte beide Spieler kurz darauf aus. HSV-Trainer Merlin Polzin kommentierte dies nach der Partie auf der Pressekonferenz mit einem Augenzwinkern. "Als junge Trainer sind wir froh, dass wir noch viel lernen können - und das Wechselverhalten von Urs sagt, glaube ich, einiges darüber aus, was die vorbelasteten Spieler angeht", meinte er und stellte klar: "Die Szenen sind klare Gelb-Rote Karten, da gibt es keine zwei Meinungen."
Fischer implizierte, dass seine Mannschaft etwas im Glück gewesen sei ("Die Auswechslungen kamen zum richtigen Zeitpunkt, sagen wir mal so"), der Schweizer ärgerte sich aber ebenfalls über eine strittige Szene. Der Ausgleich war für Fischer regelwidrig. "Es gibt eine Regel, die besagt, dass die Spieler, die eine offensive Mauer bilden, einen Meter entfernt stehen müssen", erklärte er. Ein Hamburger Spieler (Nicolai Remberg, Anm. d. Red.) habe aber in der Mainzer Mauer gestanden, "wenn das so ist, sollte das Tor eigentlich nicht zählen. Es wäre indirekter Freistoß für uns gewesen", sagte Fischer. "Aber das muss man akzeptieren."
Mainz 05 steht über dem Strich
Für Mainz 05 war das 1:1 gegen den HSV das zweite sieglose Spiel nach dem 0:4 in Dortmund am Fastnachts-Wochenende. "Ein Sieg wäre extrem wichtig gewesen, wenn du auf die Tabelle schaust", sagte Stefan Posch am Morgen nach dem Spiel im Interview mit SWR Sport. Dort steht Mainz mit 22 Zählern aus 23 Spielen zwischenzeitlich auf Rang 13, wird aber, unabhängig von den Ergebnissen der Konkurrenz, auch nach diesem Spieltag über dem Strich stehen.
Stefan Posch: "Nehmen das Remis mit"
"Wenn man den gesamten Spielverlauf anschaut, auch die strittigen Situationen, dann nehmen wir das Remis mit", urteilte Posch mit etwas Abstand. "Ein Punkt ist ein Punkt - wir müssen einen nach dem anderen sammeln."
Die weitere Herangehensweise ist für Posch deshalb klar. "Wir müssen in unserer Situation die Ruhe bewahren und geduldig bleiben, auch wenn es mal nicht so gut läuft", sagte der Österreicher. "Nicht die Köpfe in den Sand stecken, sondern an unsere Stärken glauben."
Die nächste Chance, diese Stärken unter Beweis zu stellen, hat Mainz 05 am nächsten Samstag (28.02., 15:30 Uhr, live in SWR1 Stadion) in Leverkusen.