Meinung

Mainz 05 eine "Tretertruppe"? So geht Abstiegskampf!

Gegen den Hamburger SV erntete der 1. FSV Mainz 05 Kritik für seine harte Spielweise. Im Abstiegskampf gehört sie aber zur Mainzer Identität, findet SWR-Sportredakteur Marius Rinkel.

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Von Autor/in Marius Rinkel

Der 1. FSV Mainz 05 musste sich einiges anhören, nachdem das Heimspiel am vergangenen Freitag gegen den Hamburger SV abgepfiffen wurde. HSV-Verteidiger Miro Muheim sprach davon, "lange nicht mehr gegen so eine Tretertruppe gespielt" zu haben. Eine Aussage, die eine klare Abwertung des Gegners sein sollte, meiner Meinung nach aber ihr Ziel verfehlt hat. Sie zeigt viel mehr, welchen Wandel die 05er im Laufe der vergangenen Wochen durchlebt haben.

Viel Gift beim 1:1 Mainz gegen HSV. DEIN FSV #175 | SWR Sport

Klar, Silas hätte in der ersten Hälfte schon die Gelb-Rote Karte sehen können, Dominik Kohr im zweiten Durchgang sogar müssen. Allerdings ist Silas für vieles bekannt, harte Zweikämpfe gehören jedoch nicht dazu. Anders sieht das bei Dominik Kohr aus, bei dem die Karten auf Schiedsrichterseite zwar oft lockerer sitzen als bei anderen Spielern, der aber auch regelmäßig an seinem "Hard-Kohr"-Image arbeitet.

Am Ende liegt die Wahrheit des Mainzer Spiels vermutlich irgendwo in der Mitte zwischen 'hart aber fair' und 'Tretertruppe' - und genau das ist seit Jahren die Mainzer DNA. Hohe Intensität, harte Zweikämpfe, niemals aufgeben. Dass der HSV auf diese Spielweise nicht ganz vorbereitet war, könnte daran liegen, dass die Mainzer in der Hinrunde nahezu ohne Gegenwehr mit 0:4 im Volksparkstadion untergingen. In einer Phase, in der sich unter Ex-Trainer Bo Henriksen schon abzeichnete, dass die Mainzer ihren Weg verloren hatten oder zumindest im Begriff waren, vollends aus der Spur zu geraten.

Verlorene Intensität ist zurückgekehrt

Unter Henriksen ging Selbstvertrauen verloren. Die Spieler waren verunsichert und hatten mit dem Ansatz des Dänen, sich mehr aufs Spielerische zu fokussieren, Probleme. Auch wenn dieser Ansatz in der Vorsaison für die Conference-League-Qualifikation reichte. Mit Urs Fischer kehrten die Intensität und das Vertrauen in die eigene DNA zurück ins Mainzer Spiel.

"Das Physische gehört zu unseren Basics", sagte Urs Fischer vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen. "Natürlich passiert dann auch mal ein Foul. Ich glaube aber, das gehört zum Fußball dazu. Am Ende spielen wir Fußball ohne Kontakt und das geht mir dann zu weit." Gepaart mit den überzeugenden Neuzugängen im Winter hat Fischer dem FSV neues Leben eingehaucht. Von Platz 18 machte der FSV einen Sprung auf Rang 13.

Ist der Fußball von Trainer Fischer und seinem Team immer schön anzusehen? Nein. Das sollte aktuell aber auch niemand verlangen. Nach dem Sieg bei RB Leipzig wurden schon erste Stimmen laut wurden, die den Mainzern zu viel Qualität für den Abstiegskampf attestierten. Spätestens nach dem 0:4 in Dortmund wurden die Rheinhessen wieder geerdet. Fischer wird nicht müde zu betonen, dass der Abstiegskampf ein Marathon und kein Sprint sei. Führungsspieler wie Nadiem Amiri und Kapitän Silvan Widmer schlagen ebenfalls in diese Kerbe.

Mainz 05 ist auf dem richtigen Weg zum Klassenerhalt

Deswegen war die Leistung und die Herangehensweise gegen den HSV für mich ein gutes Signal. Mainz braucht Intensität. Mainz braucht Härte. Mainz braucht die Mainz-05-DNA. Das sind die Tugenden, die im Abstiegskampf notwendig sind. Der Trainer und das Team scheinen das verstanden zu haben. Ob den Gegnern das gefällt, sollte für die 05er keine Rolle spielen. Schließlich spielt der FSV nicht, um Gegenspielern zu gefallen, sondern um auch in der Saison 2026/2027 weiter Teil der Bundesliga zu sein.

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Marius Rinkel