Finale der Europa League

Aston Villas Doppelschlag lässt den großen Traum des SC Freiburg platzen

Der SC Freiburg schlägt sich im bislang größten Spiel seiner Vereinsgeschichte 40 Minuten lang wacker, der Traum vom Titel aber platzt: Die Breisgauer unterliegen in Istanbul im Finale der Europa League gegen Aston Villa.

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Stand

Von Autor/in Johann Schicklinski

Ein "Traumtor-Doppelpack" kurz vor der Halbzeitpause hat dem SC Freiburg im Europa-League-Finale gegen Aston Villa (20.05.) den Zahn gezogen. Die Breisgauer zeigten über weite Phasen der ersten Häfte eine gute Defensivleistung, ein starkes Rückzugsverhalten nach Ballverlusten und machten so dem favorisierten Premier-League-Klub das Leben äußerst schwer. Ein sehenswerter Volleyschuss von Youri Tielemans (41. Minute) und ein nahezu perfekter Schlenzer von Emiliano Buendia (45.+3) sorgten dann für die 2:0-Führung der "Lions" nach der ersten Hälfte. Morgan Rogers (58.) erzielte schließlich den 3:0-Endstand zugunsten der Engländer im "Tüpras Stadyumu", dem Stadion von Besiktas Istanbul.

Unai Emery schreibt mit Aston Villa Geschichte

Der Sport-Club agierte lange auf Augenhöhe, verlor nach dem Zwei-Tore-Rückstand allerdings den Faden und unterlag am Ende verdient gegen das bessere Team, das an diesem Abend Aston Villa war. "Lions"-Coach Coach Unai Emery schrieb damit weiter Geschichte: Der Spanier ist der Rekordtrainer der Europa League. Für den 54-Jährigen war es die sechste Finalteilnahme. Er gewann den Wettbewerb nun bereits fünfmal. Dreimal mit dem FC Sevilla, zuletzt 2021 mit Villarreal und nun eben mit Aston Villa. Ein Europa-League-Endspiel verlor Emery nur einmal: 2019 mit Arsenal gegen den FC Chelsea.

Halbfinal-Held Lukas Kübler rotiert in die Startformation

Der SC Freiburg ging das Endspiel mit Halbfinal-Held Lukas Kübler und Routinier Vincenzo Grifo in der Startformation an. Das Duo schickte Trainer Julian Schuster gegenüber dem letzten Bundesliga-Spiel gegen RB Leipzig (4:1) für Jordy Makengo und Derry Scherhant in die erste Elf. Rechtsverteidiger Kübler hatte im Halbfinal-Rückspiel mit einem Doppelpack gegen Sporting Braga den Weg nach Istanbul geebnet.

Der Sport-Club agierte wie gewohnt im 4-2-3-1-System, der zuletzt so formstarke Igor Matanovic gab die einzige Spitze. Mit dabei auch "Chicco" Höfler im defensiven Mittelfeld im letzten Spiel seiner Profikarriere. Aston Villa begann mit der erwarteten Aufstellung, bei den Ex-Dortmundern Jadon Sancho und Ian Maatsen reichte es nur zu einem Bankplatz.

Freiburgs Torwart Noah Atubolu direkt gefordert

Das Finale begann ohne großes Abtasten. Igor Matanovic kam bereits unmittelbar zu Beginn zu einem Abschluss per Kopf (1.), ehe Aston Villa direkt den ersten Hochkaräter hatte. Tielemanns spielte einen Vertikalpass auf Ollie Watkins, der Rogers einsetzte. Der 23-Jährige zog von der Strafraumgrenze ab und zwang SC-Keeper Noah Atubolu zu einer ersten Parade (3.).

In der Folge hatte Aston Villa mehr vom Spiel, Freiburg war in der Anfangsphase die Nervosität anzumerken. Nach zehn Minuten schloss Rogers aus der Distanz ab, sein Schuss ging nur knapp rechts am Tor des Sport-Clubs vorbei. Im Anschluss gab es eine Phase mit vielen Zweikämpfen, kleinen Fouls und daraus resultierenden Unterbrechungen. Beleg dafür waren gleich drei Gelbe Karten in den ersten knapp 20 Minuten durch den französischen Referee Francois Letexier. Auf Freiburger Seite wurde Philipp Treu verwarnt, bei Aston Villa Buendia und Matthew Cash. Allesamt harte, aber richtige Entscheidungen von Letexier.

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"Chicco" Höfler verpasst Führung für den Sport-Club knapp

Die zahlreichen Unterbrechungen spielten dem SC in die Karten, denn dadurch bekamen die Breisgauer etwas Ruhe in ihr Spiel. In der 17. Minute hätte sich Höfler in seinem Abschiedsspiel dann fast unsterblich gemacht. Der 36-Jährige kam nach einem Freistoß im Strafraum der Engländer aus knapp 14 Metern zum Abschluss und schoss nur ganz knapp am rechten Pfosten vorbei.

Freiburg war nach knapp 20 Minuten im Spiel "angekommen", nun war es ein Match auf Augenhöhe. Resultat davon war allerdings, dass sich beide Teams neutralisierten und kaum ins Angriffsdrittel vordrangen. Diese "Abschluss-Durststrecke" endete erst mit dem Schuss von Johan Manzambi aus rund 20 Metern (33.) nach einer starken Balleroberung, aber die Kugel ging genau in die Arme von Villa-Torwart Emiliano Martinez.

Youri Tielemanns mit einem Traumtor für Aston Villa

In der 41. Minute ging Aston Villa dann dank einer einstudierten Eckballvariante in Führung. Nach einer kurz ausgeführten Ecke flankte Rogers in den rechten Rückraum des Freiburger Strafraums, wo sich Tielemanns freigelaufen hatte. Der belgische Nationalspieler nahm den Ball direkt mit rechts und verwandelte volley links unten im Tor des Sport-Clubs zum 1:0 für die Engländer. Ein echtes Traumtor, Atubolu war ohne Chance. Allerdings war Tielemanns auch sträflich frei.

Youri Tielemans bejubelt das 1:0 für Aston Villa im Europa-League-Finale gegen den SC Freiburg.
Youri Tielemans bejubelt das 1:0 für Aston Villa im Europa-League-Finale gegen den SC Freiburg.

Emiliano Buendia legt noch vor der Pause nach

Wenig später hätte Buendia nach einer Flanke von links fast nachgelegt, doch der Abschluss des 29-Jährigen wurde im letzten Moment abgeblockt (43.). Freiburg war nun angeknockt, der Gegen- war offensichtlich auch ein Wirkungstreffer. Angriff um Angriff rollte nun auf den SC-Kasten - und Aston Villa legte noch vor der Pause nach. Buendia traf in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit auf Vorlage von John McGinn mit dem nächsten Zaubertor aus 20 Metern Entfernung von halbrechts in den linken Winkel - 2:0 für die Engländer und gleichzeitig der Halbzeitstand. Ärgerlich aus Freiburger Sicht, nachdem man lange Zeit auf Augenhöhe agiert hatte.

Beide Teams kehrten unverändert auf den Rasen zurück. Freiburg agierte nun offensiver. Aston Villa stand tief, lauerte auf Ballgewinne und Konter und hatte durch den agilen Buendia den ersten Abschluss der zweiten Hälfte (50.), doch dieser ging in die Arme von Atubolu. Der Sport-Club musste nun extrem aufpassen. Einerseits mussten Tore her, andererseits musste das hohe Tempo der "Lions" bei möglichen Gegenstößen mitabgesichert werden, um nicht frühzeitig alle Chancen zu verspielen.

Morgan Rogers macht den Deckel drauf

Freiburg hatte nun viel Ballbesitz, tat sich aber schwer, zu Gelegenheiten zu kommen. Stattdessen machte Aston Villa den Deckel drauf. Buendia tanzte auf der linken Seite Kübler aus, in der Mitte war Rogers gedankenschneller als Lienhart und spitzelte den Ball am ersten Pfosten zum 3:0 für die Engländer rein (58.). SC-Torhüter Atubolu war chancenlos.

Vorhang für "Chicco" Höfler fällt endgültig

Kurz darauf war Höflers letztes Profispiel beendet. Nach 61 Minuten verließ die Freiburg-Legende den Platz, Lucas Höler kam für ihn. Der Sport-Club gab sich in der Folge nicht auf, doch bis auf weitgehend ineffektiven Ballbesitz gestattete Aston Villa dem Schuster-Team nicht viel. Chancen und Abschlüsse blieben selten und ungefährlich. Auf der Gegenseite traf der eingewechselte Amadou Onana nach einer Ecke von McGinn per Kopf den Außenpfosten (70.).

In der 75. Minute hätte der umtriebige Buendia dann auf 4:0 für Aston Villa stellen können, ja müssen! Doch der Abschluss nach starker Vorarbeit von McGinn geriet fast schon ein wenig arrogant, aus spitzem Winkel chippte Buendia den Ball ans Außennetz. In der 79. Minute scheiterte dann McGinn aus aussichtsreicher Position an Atubolu.

Das Spiel war jetzt entschieden, auf beiden Seiten gab es zahlreiche Wechsel. Aston Villa agierte allerdings bis zum Schluss konzentriert und ließ in der Defensive kaum etwas anbrennen. Letztlich blieb es beim verdienten 3:0-Erfolg für die "Lions". Der SC Freiburg hielt lange mit, war nach den Gegentoren letztlich aber zu beeindruckt und in der Offensive auch zu limitiert.

SC Freiburg spielt nächstes Jahr in der Conference League

Der SC Freiburg darf sich damit trösten, das auch das Erreichen des Endspiels schon ein Riesenerfolg war. Einer der größten Tage der Vereinsgeschichte. Und die Breisgauer spielen dank Platz sieben in der Bundesliga auch in der kommenden Spielzeit wieder international. Dann wird der Sport-Club in der Conference League an den Start gehen - und dort nach der diesjährigen "Europa-Reise" sicherlich zu den Favoriten gehören.

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Johann Schicklinski