Nach WM-Aus | Meinung

Es gibt einen WM-Gewinner: Torwart Oliver Baumann

Nach dem WM-Aus entpuppt sich die Rückholaktion von Torwart Manuel Neuer als Flop. Hoffenheims Oliver Baumann darf sich nun als Gewinner fühlen, meint SWR-Sportredakteur Johannes Seemüller.

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Von Autor/in Johannes Seemüller

Um 01:28 Uhr war die Nationalmannschafts-Karriere von DFB-Keeper Manuel Neuer endgültig vorbei. Ob dieser 128. Einsatz im DFB-Trikot auch sein letztes Länderspiel gewesen sei, wurde Nationalkeeper Manuel Neuer nach dem bitteren WM-Aus gegen Paraguay gefragt. Neuers kurze Antwort: "Ja".

Zwar konnte der 40-Jährige im Elfmeterschießen einen Strafstoß halten, doch ansonsten hatte der Welttorhüter des FC Bayern München, um dessen überraschende Rückkehr es im Vorfeld der WM intensive Diskussionen gegeben hatte, keine wirklich herausragende Winner-Aktion in diesem Turnier. Vier Spiele, fünf Gegentore in der regulären Spielzeit. In jedem seiner letzten zehn WM-Spiele bekam Neuer einen Gegentreffer. Diesen Höchstwert teilt er sich nur mit Mexikos Antonio Carbajal, der zwischen 1950 und 1962 in jedem seiner WM-Einsätze hinter sich greifen musste. 

Neuer als ein Gesicht für das frühe Scheitern bei letzten drei WM-Turnieren

Der Mann, der Deutschland 2014 zum WM-Titel führte, war bei den vergangenen WM-Turnieren 2018, 2022 und nun 2026 auch eines der Gesichter für das frühe Scheitern des DFB-Teams. Der glänzende Lack von 2014 ist längst ab. Aber wen hatte das schon interessiert, als Bundestrainer Julian Nagelsmann Neuer kurz vor der WM aus dem Hut zauberte?

Über die vielbeschworene Aura des Manuel Neuer wurde viel geredet. Auch etliche seiner Teamkollegen strapazierten dieses Wort bis zum Geht-nicht-mehr. Auf kritische Fragen in Richtung Neuer wurde reagiert, als handle es sich um sportliche Gotteslästerung. Nur war leider auf dem Platz von Neuers Aura wenig zu spüren. Da wirkte der Außerirdische wie ein gewöhnlicher Erdenbürger. Die Argumente für Neuer, also sein internationales Standing und seine große WM-Erfahrung, verpufften von Spiel zu Spiel mehr.  

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Baumann lebte auch bei dieser WM seine Werte

Die Rückholaktion Neuers war völlig unnötig. Der zum Reservisten degradierte Oliver Baumann, der das DFB-Team als souveräner Rückhalt durch die WM-Qualifikation gelotst hatte, hätte das WM-Niveau Neuers locker erreicht. Der Bayern-Profi räumt nun erneut das Feld – wie schon vor zwei Jahren nach der EM. Oliver Baumann hingegen, dem Bundestrainer Julian Nagelsmann übel mitgespielt hatte, ist für mich einer der wenigen Gewinner im DFB-Team bei dieser WM. Zumindest moralisch.

Trotz der sportlichen Demütigung verhielt sich der Torwart der TSG zu jedem Zeitpunkt professionell, loyal und mannschaftsdienlich. Der 36-Jährige verzichtete auf öffentliche Schlammschlachten und zeigte Charakter, stellte den Teamgedanken vor egoistische Interessen. Auch bei dieser WM lebte er seine Werte: Bescheidenheit, Disziplin, Fairplay.

Oliver Baumann als Motivator des DFB-Teams

Nach der Vorrunden-Niederlage gegen Ecuador hatte der Badener einen seiner wenigen Social-Media-Posts veröffentlicht: "Das Spiel gestern war ein Dämpfer. Aber das kann passieren und wirft uns als Mannschaft nicht um. Wir ziehen unsere Lehren daraus und richten den Fokus auf Montag. Dafür brauchen wir jeden Support! Jetzt zählt’s!" Oliver Baumann zeigte sich mal wieder als Teamplayer.

Nagelsmann/Neuer brachten Baumann um WM-Einsätze

Ich finde es bitter, dass Baumann durch diese miserabel kommunizierte Aktion des Duos Nagelsmann/Neuer um seine WM-Einsätze gebracht wurde. Der Hoffenheimer hätte für mich sportlich ins Tor des DFB-Teams gehört. Die Verantwortlichen haben sich anders entschieden – und stehen nun vor einem Scherbenhaufen.

Ich hoffe, dass Baumann künftig vom DFB die Wertschätzung erfährt, die er verdient hat. Dann bitte von einem Bundestrainer, der hoffentlich nicht mehr Julian Nagelsmann heißen wird.