Die Beförderung von Hoffenheim-Torhüter Oliver Baumann zur Nummer eins in der Nationalmannschaft hat das Potenzial zur Dauerlösung. Der Routinier, der sich nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Marc-André ter Stegen (Rückenoperation im Juli 2025) im Duell um die Nummer eins gegen Alexander Nübel (VfB Stuttgart) durchgesetzt hat, könnte auch bei der WM 2026 im deutschen Tor stehen.
Auch für die ARD-Expertin und ehemalige Nationaltorhüterin Almuth Schult ein nicht ausgeschlossenes Szenario, wie sie im Gespräch mit SWR1 Stadion (Samstag, 03.01., ab 14 Uhr) sagt. "Die Torhüter-Position ist schon etwas besonderes in Deutschland, weil wir immer die weltbesten Torhüter hatten", so Schult. "Wir haben auf dieser Position aber kein Problem. Oliver Baumann hat das sehr, sehr gut gemacht", lobt Schult die Leistung des TSG-Routiniers. "Auch wenn ter Stegen wieder auf dem Zenit seines Könnens sein sollte, haben wir jemanden Weltklasse-mäßiges im Tor."
Baumann überspringt die Marke der 500 Bundesliga-Spiele
Obwohl der 35-jährige Baumann in seinen bisherigen zehn Länderspielen überzeugte und dabei nur sieben Gegentore kassierte, verzichtet er selbst auf Kampfansagen. "Ich versuche für mich, meine Leistung zu bringen. Damit kann ich am lautesten reden und nichts sagen", so Baumann, der in den vergangenen vier Länderspielen ohne Gegentor blieb und mit seiner ruhigen und sachlichen Art der DFB-Auswahl viel Sicherheit verleiht.
Eine Sicherheit, die er auch der TSG Hoffenheim in der Bundesliga mitgibt. Mit 20 Gegentoren in 15 Spielen stellen die Kraichgauer - nach Bayern München, Borussia Dortmund und RB Leipzig - die viertbeste Defensive der Liga und schlossen das Kalenderjahr 2025 auf dem fünften Tabellenplatz ab. "Für mich persönlich war es unglaublich. Das war mein bestes halbes Jahr jemals", sagte der Keeper nach dem letzten Spiel vor der Winterpause.
Denn Baumann konnte in der Hinserie auch einen ganz persönlichen Meilenstein feiern. Mit seinem Einsatz im Spiel gegen Mainz 05 am 21. November 2025 erreichte er als erst 14. Bundesliga-Profi die 500-Spiele-Marke. "500 Bundesliga-Spiele und 15 Jahre am Stück fast ohne Verletzungen durchzuspielen auf allerhöchstem Level – es ist eine unfassbare und beeindruckende Zahl", schwärmte damals TSG-Trainer Christian Ilzer. Baumann sei "ein Toptorhüter, ein Leader - und auch menschlich top", lobte Mitspieler Bernardo.
Rudi Völler mit Lob für Baumann - was macht ter Stegen?
"Oliver Baumann", betonte DFB-Sportdirektor Rudi Völler über das Auftreten des TSG-Keepers in der Nationalmannschaft, "macht es bislang wunderbar." Bundestrainer Julian Nagelsmann hat zwar mehrfach erklärt, dass er mit ter Stegen für das XXL-WM-Turnier in den USA, Mexiko und Kanada plant.
Doch die Zukunft des Torhüters vom FC Barcelona ist weiterhin ungeklärt. Nach spanischen Medienberichten soll über eine Leihe des 33-Jährigen zum abstiegsgefährdeten Ligaverein FC Girona aus Katalonien verhandelt werden. Wenn ter Stegen in diesem Transferfenster jedoch keinen neuen Klub findet, bei dem er die von Nagelsmann geforderte Spielpraxis sammeln kann, ist Baumann plötzlich in der Pole Position.
"Grundsätzlich ist eine Rückkehr von Marc-André ter Stegen ins Tor nach wie vor möglich. Doch da muss man schauen, wie sich seine persönliche Situation in den kommenden Monaten darstellt", sagte Völler zuletzt im Interview mit der "Welt am Sonntag". Völler macht sich aber keine Sorgen, wenn Plan A mit ter Stegen nicht aufgeht: "Oliver geht super mit der gesamten Situation um. Er sieht das total gelassen und freut sich, dass er spielt. Und zeigt dann, dass man sich auf ihn verlassen kann. Wir werden sehen, was die Zeit bringt."
Kein DFB-Comeback für Manuel Neuer
Was die Zeit wohl eher nicht bringen wird, ist ein Nationalmannschafts-Comeback von Manuel Neuer. Dafür gibt es keinerlei Hinweise. Auch Almuth Schult glaubt nicht an eine Rückkehr des Bayern-Keepers. "Über Neuer brauchen wir nicht zu diskutieren", so Schult im Gespräch mit SWR Sport. "Das hat er selbst dementiert und gesagt, dass er nicht umsonst seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. Es schien ja schon so, dass er sich mit Julian Nagelsmann bereits zu Bayern-Zeiten nicht ganz so verstanden hat", meint Schult.
Von daher spielt die Zeit definitiv für Oliver Baumann. Natürlich habe er auch den Anspruch, bei der WM im Tor zu stehen, äußerte er zuletzt. Doch diesen werde er nicht lautstark über die Medien formulieren. "Was meinst du, was die eine oder andere Zeitung daraus macht?", fragte der gebürtige Breisgauer nach dem letzten Ligaspiel in Stuttgart vor der Winterpause einen Journalisten rhetorisch.
Dass die Thematik immer wieder aufkommt, nimmt der Hoffenheimer Kapitän mit einem Lächeln hin. "Ich amüsiere mich total darüber", sagte Baumann - und träumt von einer WM als Nummer eins.