Fußball-WM

WM-Ausblick von Ex-Profi Petersen: Fehlender Freiburger, Kritik an Kommunikation und die Baustellen

Wenige Wochen vor der Fußball-WM blickt Ex-Profi Nils Petersen mit Sorge auf die Nationalmannschaft. Der einstige Stürmer kritisiert die Kommunikation und vermisst einen Freiburger im Kader.

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Wer Nils Petersen über Fußball, den SC Freiburg oder die anstehende WM sprechen hört, der könnte für einen Moment vergessen, dass der 37-Jährige gar kein Profi mehr ist. Er spricht über all das wie über eine große Liebe, die eine, die nicht so schnell vergeht. Bei seinem Besuch im TV-Studio von SWR Sport glitzern Petersens Augen, als er erzählt, wie die Luft in Istanbul beim Freiburger Finale in der Europa League flirrte oder als er verrät, dass er inzwischen versucht, seine Kabinenbesuche beim SC zu minimieren. "Ich gehe nicht zu oft, sonst fällt auf, dass ich nicht loslassen kann", sagt Petersen. Er sei noch immer Fan dieser Mannschaft. "Alles gute Typen", sagt er und grinst.

WM ohne Ginter: Kritik von Fans und Petersen

Wie viele andere Anhänger beschäftigt Petersen dieser Tage auch die Nominierung für die anstehende WM-Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko – und die Tatsache, dass Freiburgs Abwehrchef Matthias Ginter trotz einer starken Saison nicht mit dabei ist. "Ich verstehe jeden Freiburg-Fan und ihn auch, die das kritisch und anders sehen. Letztlich hat es Julian Nagelsmann erklärt. Er konnte nicht viel besser spielen in diesem Jahr", sagt Petersen betont sachlich. Der Bundestrainer habe sich für Verteidiger von Borussia Dortmund, Bayern München und Real Madrid entschieden. "Das gehört auch zur Wahrheit."

Und doch: "Für das Team hätte ich ihn gern dabei gesehen. Er war 2014 auch dabei. Er ist ein Garant." Ginter sei ein sehr, sehr guter Innenverteidiger, "der jede Mannschaft besser macht und weiß, wo das Tor steht." Und als Fan? Da sei er auch "enttäuscht".

Nagelsmanns Kommunikation "schwierig"

Und es ist nicht das einzige Thema mit Blick auf die Nationalmannschaft, das Petersen beschäftigt. Die Frage um die "Nummer eins" im Tor – um die Rückkehr vom eigentlich zurückgetretenen Manuel Neuer, die Kommunikation von Bundestrainer Nagelsmann und Oliver Baumann, der lange als gesetzt galt und kurz vor dem Turnier nun in die zweite Reihe rücken soll.

"Schwierig", sagt Petersen über eben jene Kommunikation und legt die Stirn in Falten. "Wenn du im März sagst, Olli Baumann ist die Nummer eins." Zwar habe er aus Neuers Interviews rausgehört, dass es nochmal einen Weg zurückgebe. "Ich würde mir aber manchmal wünschen, dass man sagt: 'Es war einfach schlecht kommuniziert'", so Petersen. "So ist er [Baumann, Anm. d. Red] jetzt eine gebrochene Nummer zwei, dem nichts anderes übrig bleibt, als mitzufahren und die Daumen zu drücken."

Torwart-Frage als "Baustelle"

Zudem sei das Turnier mit vielen Spielen in kurzer Zeit eine Herausforderung – auch für Neuer als erste Wahl, der inzwischen 40 Jahre alt ist und in dieser Saison erneut mit Verletzungen kämpfte und zuletzt sogar das Pokalfinale nicht spielte. "Es muss schon viel gut gehen, dass das nicht noch eine größere Baustelle wird."

Er sehe die Gefahr, weil gerade bei Turnieren die "Team-Chemie" ein großes Thema sei. Die Spieler würden den Umgang sicher genau beobachten. "Manuel Neuer muss ein super Turnier spielen, um diese Entscheidung zu rechtfertigen", so Petersen.

Petersen hofft auf Überraschung

Und dann ist da ja noch der Sturm, der dem einstigen Freiburger Angreifer Kopfzerbrechen bereitet. "Das ist schon die größte Bauchschmerz-Zone", sagt er. Deniz Undav werde seine Einsatzminuten bekommen, sei trotz seiner Stärke unter Nagelsmann allerdings nicht gesetzt. Dass mit Chris Führich und Maximilian Mittelstädt zwei VfB-Topspieler nicht dabei sind, schien auch Petersen zu überraschen. "Auf die zwei verzichten zu können, das spricht für Kaderqualität", drückte er das diplomatisch aus.

Die sportliche Euphorie ist wenige Wochen vor dem Turnier auch beim einstigen Mittelstürmer eher übersichtlich, anders als noch vor ein paar Wochen. Inzwischen sehe er all jene "Baustellen". Trotzdem sagt Petersen: "Ich sehe unsere Mannschaft schon unter den Top fünf oder sechs. Aber würde mich, Stand jetzt, eher überraschen, wenn wir sehr weit kommen." Der "Fan" Petersen drückt also doch die Daumen.