Patrick Wimmer ist eine Wucht. Das hat der 1,82 Meter große Österreicher, der im Sommer vom Bundesliga-Absteiger VfL Wolfsburg zur TSG Hoffenheim kam, auf dem elterlichen Bauernhof gelernt. "Ich habe früher sehr, sehr viel auf dem Bauernhof machen dürfen. Und dann ist schon so eine Rohkraft entstanden, die ich in den Fußball mitnehmen und jetzt einsetzen kann", erzählte der 25-Jährige am Sonntagabend bei SWR Sport.
Hoffenheims Patrick Wimmer zwischen Fußball und Gewichtheben
Und diese Rohkraft hat ihn in der Jugend lange grübeln lassen, ob er das mit dem Fußball wirklich durchziehen will. Denn Patrick Wimmer war nur eine Bizeps-Länge davon entfernt, Gewichtheber zu werden. "Die Entscheidung ist mir damals schon schwer gefallen, weil ich in der Sportart schon ziemlich gut war und schon mehrere internationale Titel gehabt habe." Daher habe er "über ein paar Tage und Wochen hinweg" heftig nachdenken müssen.
Drei Jahre lang hat er beide Sportarten parallel betrieben. Vielleicht sagt sein Jugendtrainer vom SC Sitzenberg-Reidling deshalb: "Ich war immer skeptisch beim Patrick, weil mir der richtige Ehrgeiz gefehlt hat." Harte Worte von Leopold Keiblinger. Allerdings war Wimmers Körper schon immer wahres Pfund, sehr wahrscheinlich auch mehrere Pfunde. "Der war damals schon unzerstörbar", sagte Julian Keiblinger, der mit Wimmer in der Jugend des SC Sitzenberg-Reidling gespielt hat: "Egal, was da gekommen ist, der hat keine Schmerzen verspürt. Der hat einfach immer weiter gemacht. Und ich glaube, das hat ihn jetzt auch so weit gebracht."
In Bielefeld und Wolfsburg wird Wimmer zum "Sprengmeister"
Das vom Jugendcoach lange vermisste Engagement hat Wimmer schließlich doch gezeigt und sich damit seinen Weg in den Profi-Fußball geebnet: Über den Nachwuchs der SG Waidhofen/Ybbs und des viertklassigen SV Gaflenz wechselte er 2019 zur Zweitvertretung von Austria Wien. Trainer von Austrias erster Mannschaft war damals: Christian Ilzer, sein heutiger Coach in Hoffenheim.
Der holte Wimmer damals zu den Profis und weiß dessen Wucht auch heute noch zu schätzen: "Am Ende hat er einfach eine enorme Durchschlagskraft. Mit seiner Energie und seiner Power kann er auch engmaschige Abwehr-Verbände sprengen."
2021 hat er engmaschige Abwehr-Verbände in Diensten von Arminia Bielefeld auseinandergesprengt. Nach deren Abstieg war Wimmer vier Jahre lang "Sprengmeister" beim VfL Wolfsburg - bis ihn Ilzer wieder zu sich und zur TSG Hoffenheim holte. "Der Wechsel nach Deutschland war dann für uns beide der überragende next Step. Den habe ich ein bisschen früher gemacht, als er", sagte Wimmer. "Aber wir haben uns beide sehr gut entwickelt und ich bin froh, dass ich nun wieder unter ihm spiele."
Wimmer entkommt in Hoffenheim dem Druck des Abstiegskampfs
Europapokal statt Abstiegskampf. Wimmer ist nach Jahren im Tabellenkeller froh, in Sinsheim etwas leichter unterwegs sein zu können. Denn der Druck im Abstiegskampf sei immens: "Ich bin eine Person, die schon sehr gut damit umgehen kann und auch sehr viel in Leute reinhört oder sich auch im Verein umhört, was da so in den Köpfen vorgeht. Darum ist es immer hart, weil man sieht, wie das einem Verein wehtut, wie das den Fans wehtut und wie es der ganzen Stadt wehtut."
Umso wichtiger, dass er wenigstens in seiner Freizeit genügend abschalten kann. Dafür zieht es ihn immer wieder in die Natur und zurück zum Kraftsport. Ohne Handy, ohne Social Media, dafür mit Axt und Wucht hat er besonders zu seiner Wiener Zeit immer wieder versucht, den Kopf frei zu bekommen: "Es war dann schon so, dass ich an meinen freien Tagen schon öfter nach Hause gefahren bin und dann schon auch bei meiner Frau war, die ja auch einen Bauernhof zuhause hatte. Da gab es dann auch immer einiges zu tun - manchmal eben auch Waldarbeit."
Wimmer hat noch immer ein Faible über Bolzplätze
Ob Wimmer fortan den Kraichgau abholzt, ist zu abzuwarten. Zu erwarten ist jedoch, dass man den Fußball-Enthusiasten auch immer wieder auf unterklassigen Bolzplätzen in der Region sieht. Das war schon früher so: "Als ich die Wohnungssuche in Wolfsburg gestartet habe, habe ich geschaut: Wo ist ein Fußballverein in der Nähe, den ich öfter besuchen kann?"
Er hat sich für den WSV Wendschott in der Bezirksliga entschieden. "Ich bin dann direkt in eine Wohnung gezogen, die fast neben dem Fußballplatz war. Da war ich dann wirklich vier Jahre lang bei den Jungs drüben und habe die immer unterstützt." Aktuell ist er noch auf der Suche nach einem neuen Herzensverein in der Region.
Holpriger Saisonstart mit der TSG Hoffenheim
Der Saisonstart in Hoffenheim verlief etwas holprig. Zwei Niederlagen zum Saison-Auftakt bei denen die TSG jeweils über weite Strecken hinweg das bessere Team war und jeweils in Führung gegangen war, haben an der Resilienz der Kraichgauer zweifeln lassen. Beim knappen 2:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart konnten Doppeltorschütze Adam Hlozek und Co. diese Zweifel teilweise zerstreuen. Wimmer wurde dabei zur 55. Minute eingewechselt. Beim Stand von 1:1, als es darum ging, einen engmaschigen Abwehrverbund aufzusprengen. Denn Wimmer ist unzerstörbar und halt eben eine Wucht.