Meinung zur Diskussion um WM-Torhüter

Pro Manuel Neuer: Es gibt nach wie vor keinen Besseren

Es ist die meistdiskutierte Personalie vor der Fußball-WM: Feiert Weltmeister Manuel Neuer ein Comeback in der deutschen Nationalmannschaft? SWR-Reporter Kersten Eichhorn ist aus sportlicher Sicht dafür.

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Von Autor/in Kersten Eichhorn

Also, eins vorweg: Manuel Neuer verkörpert für mich noch immer absolute Weltklasse. Wenn ein Fußballstürmer auf ihn zuläuft, dann wird es in der Regel nach wie vor dunkel. Mächtig wie ein großer schwarzer Vogel kommt dieser Torhüter auf den bedauernswerten Angreifer zu, frisst ihm mit seiner Körperlichkeit, seiner Antizipation und seiner Reaktionsschnelligkeit Raum und Zeit. Mit 124 Länderspielen im breiten Rücken, mit bislang vier WM-Teilnahmen, mit seiner mächtigen Statur und seinem Können ist er für jeden Gegner furchteinflößend.

Neuer ist noch immer Weltklasse

An der sportlichen Entscheidung von Julian Nagelsmann muss man deshalb nicht unbedingt rütteln. Ein fitter Neuer ist selbst im zarten Alter von 40 Jahren noch immer ein Torhüter-"Gigant" und nach wie vor einer der besten rund um den Globus. Wenn auch nicht unfehlbar und verletzungsanfälliger als früher. Das hat der Weltmeister von 2014 erst vor wenigen Wochen im Viertelfinal-Duell mit Real Madrid einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt, die Top-Stars Kylian Mbappé und Vinicius Junior frustriert zurückgelassen. Ob in diesen magischen Champions-League-Momenten dem Bundestrainer der Gedanke kam, sich doch noch einmal intensiv mit einem Comeback des Münchners auseinanderzusetzen?

Neuer stärkt den Bayern-Block

Neuers Alter? Geschenkt. Oliver Baumann ist demnächst immerhin auch schon 36. Der frühere Freiburger ist zweifellos ein sehr guter Keeper, spielte eine prima WM-Qualifikation, ist das Gesicht und der Anführer in Hoffenheim. Aber eben nicht beim FC Bayern, nicht mit der unvergleichlichen Ausstrahlung und der üppigen internationalen Erfahrung eines Manuel Neuer ausgestattet. Dazu kommt, dass die Rückkehr von Neuer ins deutsche Tor den Münchner Block personell weiter stärken und festigen würde. Sicherlich kein Nachteil in möglichen Duellen mit Frankreich, England oder Spanien.

Neuers Kronprinz hieß ter Stegen

Nicht zu vergessen: Baumann war nach dem Rücktritt von Neuer im August 2024 nicht als dessen Nachfolger und neue Nummer eins vorgesehen. Diese Rolle hatte in den Gedankenspielen von Julian Nagelsmann noch bis zu diesem Frühjahr Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona inne. Der ewige Kronprinz hinter Neuer, dem der Bundestrainer in der öffentlichen Diskussion bis zum geht nicht mehr die Tür zum Tor offenhielt. Erst nach ter Stegens wiederholt schwerer Verletzung führte kein Weg mehr am Hoffenheimer als - mutmaßlich vorläufiger - Stammkeeper im deutschen Gehäuse vorbei.

Kommunikation ein Desaster

Unstrittig ist allerdings, dass der kommunikative Umgang des Bundestrainers mit der Torhüter-Personalie in den vergangenen Tagen zum Desaster ausartete. Und dass der untadelige Sportsmann Baumann seine mutmaßliche Degradierung von der Nummer eins zur Nummer zwei aus den Medien erfahren musste, ist inakzeptabel.

Befremdlich wirkt auf mich aber auch die Rolle von Manuel Neuer selbst. Fast zwei Jahre lang bekräftigte und bestätigte der Bayern-Keeper in allen möglichen Interviews seinen Rücktritt. Noch am vergangenen Sonntag sprach er bei der Meisterfeier der Münchner davon, dass im Sommer keine Fernreise mit der Familie geplant ist, weil das zweite Kind unterwegs sei. Und jetzt, kaum 30 Tage vor WM-Beginn, dieser spektakuläre Salto rückwärts durch die Hintertür?

Das wiederum wäre für mich in der Art und Weise keinesfalls Weltklasse. Ist aber eine andere Geschichte...

Stuttgart

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Kersten Eichhorn