Die Landeshauptstadt Stuttgart befand sich an diesem 19. Mai 2007 im Ausnahmezustand. Rund 200.000 Fans des VfB Stuttgart bevölkerten die City und feierten auf den Straßen auf dem Schloßplatz den neuen Deutschen Meister. Eines der größten Feierbiester im VfB-Team war Ludovic Magnin. Der Schweizer, seit 2005 im VfB-Trikot, lief auf der Bühne zur Hochform auf.
In der Vorrunde der Meistersaison hatte der linke Verteidiger rein sportlich zunächst schlechte Karten. Trainer Armin Veh setzte zunächst auf Neuzugang Arthur Boka. "Ludo brauchte Konkurrenz, das hat ihn angestachelt,“ erinnerte Veh im März 2025 bei SWR Sport. Im Verlauf der Saison steigerte sich Magnin und absolvierte 22 Bundesliga-Spiele. 2009 wechselte Magnin von den Schwaben zum FC Zürich, wo er 2012 seine Fußballer-Karriere beendete. Einige Jahre später übernahm 62-malige Schweizer Nationalspieler seinen ersten Trainerposten beim FC Zürich.
"Ich freue mich, dass er Trainer geworden ist," sagte sein Ex-Coach Armin Veh. "Er ist ein sehr intelligenter Bursche. Er kann sein Charisma, seinen Witz und seinen Ehrgeiz jetzt an seine Mannschaften weitergeben."
Auch Freiburgs Trainer Julian Schuster erinnert sich gerne zurück. "Ludo hatte eine Mischung, die ich sonst so nicht mehr wahrgenommen habe. Eine Mischung, aus hundertprozentiger Einstellung und Arbeit auf dem Platz - und dann aber auch der Humor. Er hat es geschafft wie kaum ein Anderer, diesen Wechsel hinzubekommen", so der Coach des Sport-Clubs, der als Jungprofi mit Magnin in Stuttgart zusammenspielte.
Auf der Trainerbank agiert Magnin wie auf dem Spielfeld: Emotional, engagiert, ehrgeizig. Manches Mal brodelt der 46-Jährige wie ein Vulkan. Statt Lava spuckt Magnin dann verbale Glut – vor allem gegen Schiedsrichter. 2019 beschimpfte er nach einem Halbfinalspiel im Schweizer Cup den Unparteiischen als "Betrüger". Der Hitzkopf wurde für drei Spiele gesperrt. Im Februar 2025 wütete der immer wieder impulsive Magnin als Trainer des FC Lausanne aggressiv gegen den Schiedsrichter. Die Folge war eine größere Diskussion über eine mögliche Impulskontrollstörung des Trainers.
Privat ist Magnin ein angenehmer Gesprächspartner
Dabei ist der vierfache Familienvater privat ein humorvoller und angenehmer Gesprächspartner. Magnin kann stundenlang lustige Anekdoten erzählen – u.a. von Verhandlungen vor zwei Jahren mit dem VfB Stuttgart. Da soll Magnin als Trainer im Gespräch gewesen sein, doch der VfB entschied sich für Sebastian Hoeneß.
Zur Saison 2025/26 wurde Magnin als Nachfolger von Fabio Celestini Cheftrainer des FC Basel. Mit 21 Meistertiteln ist der FC Basel nach dem Grasshopper Club Zürich (GC) der zweiterfolgreichste Club in der Geschichte des Schweizer Fussballs. Ende August scheiterte Magnins Team in der Qualifikation für die Ligaphase der Champions League am FC Kopenhagen (1:1/0:2). Als Trostpflaster bleibt also nun die Europa League mit dem Auftaktspiel beim SC Freiburg. Wenig später, am 2. Oktober, kommt es dann zum Wiedersehen mit seinem Ex-Verein VfB Stuttgart. Dann hat der FC Basel Heimrecht.
Beinahe-Pleite im Schweizer Cup für den FC Basel
Bei der Europa League-Generalprobe am vergangenen Wochenende zog der FC Basel als Titelverteidiger im Schweizer Cup gerade noch so den Kopf aus der Schlinge. Beim unterklassigen Étoile Carouge setzte sich Magnins Mannschaft erst im Elfmeterschießen durch. Mit hochrotem Kopf gab der Trainer nach dem Spiel seine Interviews.
Man darf gespannt sein, in welchem Gemütszustand Ludovic Magnin nach dem Europa League-Auftritt in Freiburg vor die Medienvertreter treten wird.