In der 58. Minute erhoben sich die Zuschauer in Freiburg und applaudierten Christian Günter. Der Kapitän des SC Freiburg verließ vorzeitig das Feld für Jordy Makengo - und der 32-Jährige hatte sich die "Standing Ovations" verdient. Es war nämlich Günters Rekordspiel. Beim Sieg im DFB-Pokal in Düsseldorf vor knapp anderthalb Wochen hatte der Linksverteidiger sein 440. Pflichtspiel für den Sport-Club bestritten und damit Andreas Zeyer, den bisherigen Rekordspieler des Vereins, eingeholt. Beim knappen 2:1-Heimerfolg gegen den FC St. Pauli stand er in der Freiburger Anfangsformation und krönte sich mit Einsatz Nummer 441 zum alleinigen Rekordhalter.
Ordentliche Zwischenbilanz für den SC Freiburg
Nach dem Schlusspfiff strahlte Günter dann über beide Ohren. Der SC Freiburg hatte den Kiezklub knapp mit 2:1 geschlagen - und dabei in der Schlussphase noch einmal gehörig bangen müssen. Am Ende behielten die Breisgauer knapp die Oberhand und beendeten ihre kleine Negativserie von fünf Bundesligaspielen ohne Sieg. Der Sport-Club geht mit 13 Zählern aus zehn Spielen als Zehnter in die Länderspielpause - und darf somit den Blick zumindest wieder leicht nach oben richten.
Beim SC Freiburg herrschte beste Laune. Rekordmann Günter und Vincenzo Grifo stellten sich lachend dem Doppel-Interview von SWR Sport, in dem Grifo frühzeitig in Bezug auf Günter klar stellte: "Heute ist sein Tag!"
Vincenzo Grifo adelt Christian Günter
Grifo gab zu, dass er "mit den Tränen" gekämpft habe, als Günter für Makengo den Platz verlassen hatte. "Ich bin unglaublich stolz auf ihn. Das hat er sich hart erarbeitet. Er hat vielleicht nicht das Talent wie Messi, aber er ist ein harter Arbeiter, der sich alles verdient hat", so Grifo weiter.
Günter selbst war "unglaublich dankbar. Da fliegen 12, 13 Jahre an einem vorbei. Ich bin da, wo ich bin, weil ich tolle Menschen an meiner Seite hatte und habe. Die haben mich einfach auch immer besser gemacht".
Freibier für die Freiburger Anhänger
Nach dem Spiel wurde Günter von den Freiburger Fans gefeiert. Den Anhängern hatte er zuvor reichlich Freibier angekündigt. "Ich werde den Fans nie das zurückgeben können, was sie mir gegeben haben", sagte der Linksverteidiger. "Das war einfach eine kleine Geste dafür, dass ich dankbar bin für viele Jahre der Unterstützung. In guten wie in schlechten Zeiten. Ich hoffe, sie werden heute noch ein bisschen feiern."
Julian Schuster: "Was zählt ist der Sieg"
Freiburgs Trainer Julian Schuster war indes einfach froh, dass seine Mannschaft gewonnen hatte. Der frühere Profi hatte vor dem Spiel zu Protokoll gegeben, dass ihn die vielen Unentschieden nerven - dementsprechend groß war seine Erleichterung. "Es war heute das große Ziel, die drei Punkte hier zu behalten. Wir haben es noch unnötig spannend gemacht, aber was zählt ist der Sieg. Der war unglaublich wichtig", sagte Schuster.
Spielerisch sah der SC-Coach bei seinem Team noch Luft nach oben. "Wir mussten geduldig spielen. Die Mannschaft hat's angenommen und wir hatten durch Niki und Yuito gute Aktionen. Und dann brauchst du den Dosenöffner." Diesen hatten die Breisgauer durch die Tore von Yuito Suzuki (40. Minute) und Maximilian Eggestein (50.). Der Gegentreffer durch Louis Oppie war für die Gäste zu wenig.
"Christian Günter dankbar, dass er heute die Spendierhosen anhat"
Nach sieben Spielen in 23 Tagen könne sein Team "positiv in die Länderspielpause gehen", so Schuster weiter. Jetzt stehe aber erst einmal Feiern an - und zwar den Sieg sowie vor allem Günters Rekord. "Wir sind richtig stolz darauf, das heute gemeinsam mit Christian Günter erlebt haben zu dürfen. Ich bin sehr dankbar für so einen Kapitän. Und wir sind ihm dankbar, dass er heute die Spendierhosen anhat."