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"Ein Titel oder Champions League spielen" - Wovon Freiburgs Rekordspieler Christian Günter noch träumt

Christian Günter ist nur noch eine Partie davon entfernt, alleiniger Rekord-Profi des SC Freiburg zu werden. In dieser Woche könnte der Kapitän sein 441. Pflichtspiel machen. Eine Zahl, mit der er nie gerechnet hatte.

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Von Autor/in Johannes Holbein

Christian Streich, sein früherer Trainer, hat mal über Christian Günter gesagt: "Da sieht man mal wieder: Mentalität, Einstellung, Aushalten und Durchsetzungsvermögen schlägt Talent - aber Christian ist auch talentiert." Günter selbst kann nur zustimmen. Er sei nie der filigranste Fußballer gewesen, aber er habe aus dem, was er an Potenzial mitbekommen habe, "in vielen Punkten das Maximale herausgeholt".

440 Pflichtspiele hat er bisher für den SC Freiburg gemacht. Nur noch eins fehlt, um alleiniger Rekordspieler des SC zu sein. Aktuell teilt er sich den Titel mit Andreas Zeyer. Was ihn in all der Zeit angetrieben hat? "Ich wollte mir nie vorwerfen, dass ich irgendwo was habe liegen lassen", sagt er gegenüber SWR Sport.

Christian Streich spielt in Günters Karriere eine große Rolle

Seinen ersten Bundesliga-Auftritt feierte Günter am achten Dezember 2012 beim 1:0-Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth, als er in der 77. Minute eingewechselt wurde. "Dieser Moment ist einzigartig, den werde ich in meinem Leben nicht mehr vergessen", erzählt Günter, heute 32 Jahre alt. Damals hätte er nie damit gerechnet, irgendwann Rekordspieler zu werden.

Bis zu seinem ersten Treffer musste er zwei weitere Jahre warten. Am achten November 2014 beim 2:0-Sieg gegen den FC Schalke 04 war es so weit. "Meine Freunde haben mich immer wieder verarscht, dass irgendwann mal das Tor kommen muss." Umso erleichterter sei er gewesen, als es dann endlich geklappt habe. Vieles in seiner Laufbahn habe er Christian Streich zu verdanken. "Er ist ein ganz, ganz wichtiger Faktor gewesen auf meinem Weg." Streich hat Günter das Vertrauen geschenkt.

Vom Fan zum Kapitän - Günter hat mit dem Sport-Club Höhen und Tiefen erlebt

Günter ist "unglaublich stolz" darauf, was er beim SC Freiburg geschafft hat. Im Teenager-Alter feuerte er den Sport-Club als Fan auf der Nordtribüne des Dreisamstadions an. Fast 20 Jahre ist es mittlerweile her, dass der in Villingen-Schwenningen geborene Günter vom FV Tennenbronn in die Jugend des SC wechselte. 2011 und 2012 gewann er mit den A-Junioren der Breisgauer den DFB-Pokal. Mit den Profis stieg er ab ("Das zerreißt einen, man hat sich wie ein Versager gefühlt") und wieder auf ("ein sensationelles Jahr"). Er zog ins DFB-Pokalfinale ein, in dem er beim 2:4 im Elfmeterschießen gegen Leipzig vom Punkt verschoss.

"Berlin war wahrscheinlich das größte Spiel der Karriere mit einem nicht so schönen Ende. Aber wenn man zurückblickt, war es unglaublich zu sehen, welche Massen der SC bewegen kann." Und Günter führte die Freiburger in die Europa League. "Hinter mir liegt ein langer Weg, viele, viele Spiele für meinen Herzensverein."

Ein Haarschnitt als besondere Geste

Die Liebe, die die Freiburger ihrem Kapitän, der nicht mehr zum Stammpersonal gehört, entgegenbringen, ist aber nicht nur mit dessen Leistungen zu erklären. Günter sei ein "besonderer Kapitän und Mensch", sagt sein aktueller Coach Julian Schuster. Der Linksverteidiger hat in seiner Karriere auch abseits des Platzes viel von sich geteilt. Weil sich seine damalige Freundin und heutige Frau wegen einer Krebserkrankung einer Chemotherapie unterziehen musste, rasierte sich auch Günter Anfang 2016 die Haare aus Liebe und Solidarität raspelkurz. Eine Geste, die für großes Aufsehen sorgte und viel über sein Wertesystem aussagt.

2023 brach sich Günter gleich zweimal den Unterarm. Eine Infektion zwang ihn monatelang zum Zuschauen. Der Abwehrspieler gab persönliche Einblicke in seine Leidenszeit, konnte sich phasenweise nur mit einem Gehwagen fortbewegen, erfuhr aber auch von allen Seiten große Anteilnahme.

Was sich Günter in seiner Karriere noch wünscht

Beim 0:0 gegen Union Berlin am vergangenen Wochenende saß Günter 90 Minuten auf der Bank. Bis er alleiniger Rekord-Profi des SC wird, muss er also mindestens bis zum Europa-League-Spiel in Nizza (Donnerstag, 06.11., 18:45 Uhr) warten.

Womöglich schenkt ihm Trainer Schuster diesen besonderen Moment auch erst beim nächsten Heimspiel. Am Sonntag (09.11., 15:30 Uhr) empfangen die Freiburger den FC St. Pauli. Günter träumt noch davon, einen Titel zu holen oder einmal in der Champions League aufzulaufen. "Aber wenn das nicht kommen sollte, geht die Welt nicht unter."

Sein nächstes Ziel ist ein anderes: Sein 441. Spiel würde er gerne gewinnen und dann mit einem Glas Wein mit seinem Mitspieler und Freund Vincenzo Grifo feiern. Mit ihm hat er jahrelang die linke Freiburger Seite belebt. "Ich weiß nicht, ob ich ohne ihn Nationalspieler geworden wäre. Das Zusammenspiel mit ihm war extrem wichtig." Bisher hat er Grifo nicht dazu animieren können, auch mal mit einem alkoholischen Getränk anzustoßen, erzählt Günter. Aber als dann alleiniger Rekordspieler kann Grifo ihm das wohl kaum abschlagen.