Auszeichnung vor Bundesliga-Start

Warum Freiburg-Coach Julian Schuster "Trainer des Jahres" geworden ist

Julian Schuster ist "Trainer des Jahres 2025". Ein 40 Jahre junger Trainer nach seiner ersten Saison als Cheftrainer. Hat er das verdient? Eine Meinung von SWR Sport-Redakteurin Kira Rutkowski.

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Von Autor/in Kira Rutkowski

Als ich gelesen habe, wer die Wahl zum "Trainer des Jahres" gewonnen hat, war ich überrascht: Julian Schuster als Trainer des Jahres? Wenn gleichzeitig Florian Wirtz als Fußballer sowie Giulia Gwinn und Ann-Katrin Berger als Fußballerinnen des Jahres gekürt werden, hätte ich meine Stimme auch für Julian Schuster abgegeben? Doch hier sind fünf Gründe, warum diese Wahl auf den Richtigen fällt. 

1. Sportlicher Erfolg und Europa-League-Qualifikation 

Julian Schuster stand zu Beginn der vergangenen Saison unter Druck. Nach Trainer-Legende Christian Streich, der die Auszeichnung selbst 2022 bekommen hatte, sollte Schuster die Bundesliga-Mannschaft übernehmen. Aus Vereinssicht vollkommen nachvollziehbar: Er kannte die Strukturen, wusste, wie der Verein tickt, und arbeitete als Verbindungstrainer eng mit den jungen Spielern zusammen. Nur eines fehlte in seinem Lebenslauf: Erfahrung als Bundesliga-Cheftrainer. Er musste sich also beweisen und hat das aus sportlicher Sicht überzeugend getan: Der SC Freiburg verpasste die Champions-League-Qualifikation nur knapp und beendete die Saison auf dem fünften Tabellenplatz - schon wieder spielt der Sport-Club international.  

An die sportliche Weiterentwicklung der vergangenen Spielzeiten hat das Team unter Schuster also nahtlos angeknüpft. Seine Spieler zeigten erfrischendes Offensiv-Pressing und hatten nach einer kleinen Niederlagen-Serie mit vielen Gegentoren auch wieder eine Phase mit beeindruckender defensiver Stabilität. Spieler wie Ritsu Doan, der den Verein zur neuen Saison verlassen hat, steigerten ihr Potenzial unter Schuster nochmals.

Dass es Schuster trotz des oft genannten "schweren Erbes", des damit einhergehenden Drucks von außen und ohne Cheftrainer-Erfahrung gelungen ist, das Team ins obere Tabellendrittel zu führen, wird viele Sportjournalisten überrascht und gleichzeitig überzeugt haben, ihre Stimme für den Freiburg-Coach abzugeben.

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2. Ein Gefühl für junge Spieler und deren Bedürfnisse 

Manzambi, Rosenfelder, Atubolu, Makengo, Röhl, Ogbus - diese jungen Spieler im aktuellen Kader haben eine Vergangenheit in der Freiburger Fußballschule. Julian Schuster hat diese unter anderem als Verbindungstrainer zwischen Fußballschule und Profis begleitet. Manchmal fragt man sich, wie viele Bundesliga-taugliche Nachwuchskicker er noch in der Hinterhand hat. Er scheint ein Händchen für den Nachwuchs zu haben, will Spieler natürlich fußballerisch, aber auch menschlich weiterbringen und entwickeln. In der vergangenen Saison hat er beispielsweise Johan Manzambi zum Startelfdebüt und zum ersten Bundesliga-Tor geführt. Auch solche Geschichten lassen aufhorchen und müssen mit cleverer Analyse und richtiger Intuition des Trainers zusammenhängen. Schusters "Händchen für die jungen Spieler" - auch das ist ein guter Grund für die Auszeichnung zum "Trainer des Jahres". 

3. Kluger und klarer Kommunikator 

Die Zeit als Verbindungstrainer hat Julian Schuster einen großen Erfahrungsschatz gegeben: Wie unterschiedlich gehen Spieler mit Niederlagen um? Wer braucht dann was? Grundlage war und ist, damals wie heute, das echte Interesse an dem Menschen hinter dem Spieler. Das gelte auch für die Spieler und Mitarbeiter untereinander, so sagt er es im "Kicker"-Interview zu seiner Auszeichnung. Damit stehe und falle alles.

Ehrlichkeit und Transparenz helfen, einem Spieler zu sagen, dass er nicht in der Startelf oder gar im Kader ist. Dem Analytiker Schuster wird nachgesagt, dass er sachliche Argumente empathisch vermitteln kann. Dass ihm diese Entscheidungen schwer fallen, glaube ich gerne. Dass er diese mitfühlt, ebenso. Und noch etwas: Ich kaufe ihm auch ab, dass er wertschätzt, wenn ein Spieler nach einem schwierigen Gespräch im Sinne des Kollektivs reagiert.

So geschehen, als er Christian Günters Verhalten in der vergangenen Saison beschrieb: Dass er den Kapitän Günter oder auch Routinier Nicolas Höfler in mehreren Spielen auf die Bank gesetzt hat, hätten ihm einige Sportjournalisten vielleicht nicht direkt zugetraut. Er hat allerdings bewiesen, dass er auch solche Situationen lösen kann und Persönliches (er war selbst noch Mitspieler von Christian Günter und ist mit Nicolas Höfler privat befreundet) und Sportliches klug und nachvollziehbar zu trennen vermag. Das zeugt von der nötigen Empathie, die es braucht, einen Kader zu führen und dessen Stimmungen zu managen.

4. Team des SC Freiburg ausgezeichnet 

"Individuelle Auszeichnungen sind im Fußball immer Spiegelbild einer Teamleistung. In Freiburg gilt das ganz besonders", sagte Schuster im "Kicker"-Interview zur Auszeichnung. "Trainerteam, Staff und Spieler haben vom ersten Tag an herausragend zusammengearbeitet. Auf eine Mannschaft zu treffen, die bereit ist, sich auf dich einzulassen und dir zu folgen, ist für einen Trainer elementar. Die Wahl nehme ich deshalb stellvertretend für alle an."

Es zeigt sein Verständnis und das Vereins-Verständnis von Zusammenarbeit - seit Jahren ist das die Botschaft, die vom SC nach außen strahlt. Und Julian Schuster sagt das nicht nur, weil die anderen auch in der Stabliste stehen. Es scheint, als meint und fühlt er es genauso. Er hat beispielsweise eingeführt, dass sich die Physiotherapeuten die Sonntagseinsätze einteilen können, dass verlässlich Sonntage frei sind - weil er als Familienmensch wahrscheinlich genau weiß, wie wichtig der Abstand vom Job ist.

Die Dankbarkeit, die er seinen Mitmenschen im Sport-Club entgegenbringt, jedem Einzelnen, der in seinem Umfeld arbeitet, ist absolut glaubwürdig. Solche Eigenschaften eines authentischen Trainers sind im Fußball-Business angenehm und haben ihm vielleicht auch die eine oder andere Stimme eingebracht.

 5. Kritikfähig, offen, sympathisch 

Und zuletzt entscheidet wohl auch ein Stück weit die Sympathie über die Stimmabgabe. Auch wenn die Pressekonferenzen unter Schuster ruhiger und kürzer geworden sind als unter Streich, sie sind genauso spannend. Auch das Feld der Öffentlichkeitsarbeit arbeitet Schuster seriös ab – aufmerksam, offen und auch mal lustig. Er ist selbstkritisch, fordert Rückmeldungen der Spieler zu seinem Job ein, folgt nach eigener Aussage oft seiner Intuition und strahlt Souveränität aus.

Der sportliche Erfolg ist für ihn keine Selbstverständlichkeit, in Rückschlägen sieht er das Potential zur Weiterentwicklung. Und Julian Schuster wirkt gelassen, ruhig, klar in dem, was er als Trainer tut. Sein ehemaliger Mitspieler Nils Petersen gratulierte zur Auszeichnung im "Kicker" unter anderem mit den Worten. "Kein Showman, kein Lautsprecher, kein Selbstdarsteller." Ich halte das für treffende Worte - wie angenehm in einem Geschäft, in dem es davon zu viele gibt. Und allein diese Eigenschaften würden ja fast reichen, für eine Stimme zum "Trainer des Jahres".