So lief die Freiburger Saison bisher
Der Saisonauftakt des SC Freiburg hat nicht nur mich, sondern sicher auch Fans und Mannschaft negativ überrascht. Mit dem FC Augsburg und dem 1. FC Köln standen zwei Gegner zu Beginn an, gegen die ein Sieg vielleicht nicht Pflicht, aber durchaus der Anspruch gewesen sein sollte. Stattdessen gab es zwei Niederlagen mit insgesamt sieben Gegentoren. Es hakte an einigen Stellen, insbesondere die sonst so stabile Defensive der Freiburger wirkte wie ausgewechselt. Unsicher und mit teilweise eklatanten Fehlern. Plötzlich machte sich ein ungutes Gefühl breit: eine Saison mit Dreifachbelastung und dann so ein Saisonbeginn? Gilt jetzt doch wieder, das ewig ausgerufene und sich überholt angefühlt habende Saisonziel: Klassenerhalt?
Aber Julian Schuster und sein Team fanden die richtigen Antworten: erst mal beruhigen, zurück zu alten Tugenden finden, defensive Stabilität vor aufregendem Offensiv-Fußball. Damit spielte der Sport-Club zwar nicht immer spektakulär, aber erfolgreich. Seit Spieltag drei gab es nur noch drei Niederlagen. Gegen die Bayern und gegen Leverkusen, wo der SC jeweils gute Leistungen zeigte am Ende aber der individuellen Qualität der Gegner unterlegen war. Wäre da nicht die ärgerliche Last-Minute-Pleite gegen Heidenheim gewesen, dürften die Freiburger fast vollauf zufrieden auf alles ab dem dritten Spieltag zurückschauen.
Freiburger hat die Dreifachbelastung gut verkraftet
Dazu kommen die Erfolge in der Europa League. Dort ist der Sport-Club als eines von drei Teams nach sechs Spieltagen ungeschlagen und in bester Ausgangsposition, um das Achtelfinale auf direktem Weg ohne die unbeliebte Zwischenrunde zu erreichen. Und auch im DFB-Pokal sind noch alle Chancen da, um vielleicht zum zweiten Mal ein Finale in Berlin spielen zu dürfen. Ein Traum, den nicht nur viele Fans, sondern auch viele Spieler hegen. Vor der Saison war ich gespannt, wie gut bzw. wie schlecht der Sport-Club diese Dreifachbelastung wegstecken wird - für mich überraschend gut. Natürlich auch dank eines, wie ich finde, breiten und erstaunlich ausgeglichenen Kaders. Fast jeder kann in der Startelf spielen, fast jeder kann von der Bank kommen.
Die Transfers
Die große Frage vor Saisonbeginn war, wie der SC Freiburg den Abgang ihres Topscorers und kreativen Motors Ritsu Doan verkraften würde. Gerade zu Beginn dachte man in einigen Situationen noch wehmütig an den japanischen Nationalspieler zurück. Aber diese wurden mit der Zeit immer weniger. Das lag vor allem auch an Johan Manzambi, dem in dieser Spielzeit der Durchbruch gelang. Der kreative Box-to-Box-Spieler kreiert regelmäßig gefährliche Situationen, begeistert mit seiner Ballbeherrschung und sorgt mit seinen teils spektakulären Eins-gegen-eins-Duellen für Jubelstürme beim Freiburger-Publikum.
Aber auch Neuzugang Yuito Suzuki kam im Laufe der Saison immer besser in Freiburg an. Vor allem zusammen mit Johan Manzambi schaut man ihm aktuell gerne beim Fußballspielen zu. Es scheint als habe sich da ein Duo gefunden, das dem SC Freiburg in der Rückrunde noch viel Freude bereiten kann. Das gilt auch für Sommer-Neuzugang Philipp Treu, der gerade zuletzt starke Leistungen gezeigt hatte und flexibel auf mehreren Positionen einsetzbar ist. Ebenso erfolgreich integriert ist mittlerweile Derry Scherhant, der oft von der Bank kommt, dann aber zu überzeugen weiß und bereits wichtige Treffer erzielt hat. Die hat zwar auch der neue Stürmer Igor Matanovic gemacht, allerdings bekommt er bisher noch unerwartet wenig Spielzeit. Vielleicht ändert sich das in 2026.
Ich finde: eine insgesamt zufriedenstellende Transferbilanz für den SC Freiburg.
Was ist für den SC Freiburg möglich?
Schafft der SC Freiburg erneut die Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe? Es scheint schwierig zum aktuellen Zeitpunkt. Aktuell fehlen sechs Punkte für die Conference League - nicht unmöglich, vor allem wenn man bedenkt, dass der SC Freiburg noch immer so ein wenig den Punkten vom Saisonbeginn hinterherläuft - aber die Teams, die aktuell auf den internationalen Rängen stehen, haben bisher wenig Schwächen gezeigt. Außerdem wird die Dreifachbelastung noch einige Wochen anhalten.
Und: Offensiv müsste beim SC Freiburg mehr gehen. Aktuell hat der Sport-Club eine negative Tor-Bilanz. Die stand da zwar auch in der vergangenen Saison, als sie als Fünfter ins Ziel kamen, doch damals schwächelten andere Mannschaften deutlicher, als sie es in dieser Saison tun. Aber die Formkurve fast aller Freiburger zeigt aktuell nach oben. Und in dieser Spielzeit klappt es sogar mit Punkten gegen die Topmannschaften.
Wenn alles zusammenläuft und alle fit bleiben, traue ich dem SC Freiburg zu, nochmal in die Nähe der internationalen Plätze zu kommen. Und falls das nicht klappt, bleibt ja immer noch die Qualifikation über einen Pokalsieg. Mit DFB-Pokal und Europa League haben die Freiburger ja sogar zweimal die Chance.