Der bereits abgestiegene SSV Ulm 1846 hat sich mit einer weiteren Heimpleite aus der 3. Liga verabschiedet. Die Spatzen verloren am Samstagnachmittag (16.05.2026) vor 13.918 Zuschauern im heimischen Donaustadion gegen Aufstiegsaspirant Rot-Weiss Essen mit 2:3 (2:2). Torben Müsel schnürte den Doppelpack für RWE (2./40. Minute), Ben Vincent Hüning traf spät zum 3:2 für den Revier-Klub (90.+2). Lucas Röser (Strafstoß, 29.) und Dennis Chessa (35.) trafen für die Gastgeber.
Essen legt Blitzstart hin
Vor dem vorerst letzten Drittliga-Spiel des SSV Ulm konnten sich die Fans im Ulmer Stadion über eine gute Nachricht freuen: Vereinslegende Johannes Reichert gab bekannt, dass er seinen Vertrag verlängern und auch in der Regionalliga für die Spatzen auflaufen wird. Sein scheidender Trainer Pavel Dotchev, der die Ulmer in der nächsten Saison nicht betreuen wird, änderte für die Partie gegen Essen seine Startelf auf zwei Positionen.
Die Gäste aus Essen, die als Tabellenvierter (67 Punkte) im Kampf um den Aufstieg auf Patzer der Konkurrenz aus Duisburg (Tabellendritter, 67 Punkte) und Cottbus (Tabellenzweiter, 69 Punkte) hoffen mussten, begannen mit einer Änderung - und starteten hellwach in die Partie. Bereits nach zwei Minuten ging RWE mit dem ersten Angriff in Führung. Ein langer Ball auf Cuber Potocnik zwang SSV-Keeper Christian Ortag aus seinem Kasten. Potocnik umkurvte den Schlussmann und legte im Zentrum auf Müsel, der zum 1:0 vollendete und die etwa 4.000 mitgereisten Gästefans jubeln ließ. Zu diesem frühen Zeitpunkt sprang Essen in der Livetabelle auf den dritten Rang.
3. Liga Abstieg des SSV Ulm 1846 Fußball: Der freie Fall als Tradition?
Nur ein Jahr nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga wird der SSV Ulm 1846 Fußball weiter in die vierte Liga durchgereicht. Ein tiefer Fall mit Parallelen in die Vergangenheit.
Wildes Tor-Spektakel vor der Pause
Auch im Anschluss unterstrich RWE seine Favoritenstellung klar, drückte Ulm weit in die eigene Hälfte - und verpasste es nur, die Führung weiter auszubauen. Vom SSV kam in der Offensive gar nichts. Nach 27 Minuten überschlugen sich dann die Ereignisse: Potocnik verpasste freistehend gegen einen stark parierenden Ortag das 2:0, im Ulmer Gegenangriff zog Röser im Strafraum das Foul von Kraulich und bekam von Schiedsrichter Florian Exner den Elfmeterpfiff. Der Gefoulte trat selbst an und verwandelte souverän zum 1:1.
Und es kam noch dicker für den Revier-Klub. Einen schlecht getimten Rückpass von Außenverteidiger Jannik Hofmann auf Torhüter Jakob Golz fing Chessa ab und verwandelte hoch unter die Latte zum 2:1 (35.). Das Spiel schien gedreht - aber nur für fünf Minuten. Denn erneut war es Müsel, der aus zentraler Position am Ulmer Strafraum direkt abzog und mit einem wuchtigen Schuss das 2:2 machte. Und kurz vor der Pause hätte der RWE-Offensivmann den Dreierpack schnüren können. Seinen platzierten Kopfball hielt Schlussmann Ortag jedoch mit einer sensationellen Parade und verhinderte den erneuten Ulmer Rückstand. So ging es mit dem 2:2 in die Pause.
Ortag in Weltklasse-Form
Die zweite Hälfte begann zunächst weniger ereignisreich als die erste. Die RWE-Anhänger jubelten aber dennoch, denn Aufstiegskonkurrent Duisburg kassierte das 0:1, wodurch Essen wieder zwischenzeitlicher Dritter war. Und RWE wollte diese Tabellenposition weiter festigen. Mehrere Essener Großchancen entschärfte ein wieder einmal über sich hinauswachsender Ortag (53., 57., 68.). Seinen Vorderleuten gelang nach dem Seitenwechsel hingegen relativ wenig. Essen dominierte das Mittelfeld, machte aus der Dominanz aber häufig zu wenig - bis Ulm sich nach 71 Minuten selbst schwächte. Lukas Mazaag, der bereits gelb verwarnt war, leistete sich ein zweites Foul und wurde von Schiri Exner folgerichtig mit Gelb-Rot vom Platz geschickt.
Last-Minute-Tor bringt Essen in die Relegation
RWE in Überzahl musste nun den Druck weiter erhöhen, denn Duisburg glich zeitgleich gegen Viktoria Köln aus und eroberte den dritten Rang zurück. Ein abgefälschter Schuss von Dickson Abiama, der knapp am Pfosten vorbeistrich, läutete die Schlussphase ein (75.). Das Spiel ging nur in eine Richtung und zwar auf das Tor von Ortag, mit zunehmend verzweifelten Angriffsversuchen der Gäste. Fünf Minuten vor dem Ende fehlten ihnen nur Zentimeter zur erneuten Führung - und zu Platz drei: Doppeltorschütze Müsel zog aus 25 Metern ab und traf nur den linken Pfosten. Drei Minuten später setzte Marek Janssen freistehend den Ball nur ans Außennetz.
Und die Zeit lief runter - bis in die zweite Minute der Nachspielzeit. Nach einer Ecke für RWE schaltete Abwehrmann Hüning im Strafraum am schnellsten und staubte aus vier Metern zum 3:2 ab. Es war nicht nur sein erstes Saisontor, sondern auch der Last-Minute-Sprung auf den Relegationsplatz für Rot-Weiss Essen, da Duisburg im Parallelspiel nicht über ein 1:1 gegen Viktoria Köln hinauskam.
Durch den verdienten Sieg in Ulm bekommt Essen noch zwei Bonusspiele in der Relegation. Der SSV Ulm 1846 hingegen beendet die Saison mit 33 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz und muss in der kommenden Spielzeit in der Regionalliga Südwest neu beginnen.