Beim WFV-Pokalfinale zwischen den Stuttgarter Kickers und der SG Sonnenhof Großaspach am 23. Mai 2026 war es zu etlichen strafrechtlich relevanten Vorfällen gekommen. Diese schweren Ausschreitungen beschäftigen bis heute den Verein, den Württembergischen Fußballverband und die Ermittlungsbehörden.
Michael Kleinschrodt ausgeraubt
Diese haben nun einen ersten Fahndungserfolg verzeichnet. "Polizeibeamte haben nach einem Raub auf einen Fußballspieler am 23. Mai 2026 die Wohnungen zweier Tatverdächtiger in Weissach im Tal und in Filderstadt durchsucht", gab die Polizei bekannt. Die Tatverdächtigen sind 19 und 29 Jahre alt, weitere mutmaßliche Mittäter seien noch zu ermitteln. Das "umfangreiche Beweismaterial" wird nun ausgewertet.
Zwei Stunden nach dem Spiel waren Großaspach-Spieler Michael Kleinschrodt und seine Eltern auf dem Weg zum Parkplatz von einer einer Gruppe von 10 bis 15 Personen in Kickers-Trikots attackiert worden. Nach Polizeiangaben wurde Kleinschrodt zusammengeschlagen und ausgeraubt. Die Täter entwendeten ihm seine Tasche, Geld sowie seine Pokalsieger-Medaille. Es wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Raubs eingeleitet.
"Auf einmal habe ich Schreie gehört. Dann habe ich über meine Schulter geschaut und gesehen, wie Leute auf mich zu rennen. Dann bin ich losgerannt. Ich habe von rechts Leute kommen sehen, die auf mich eingeschlagen und eingetreten haben. Irgendwann habe ich mich dann befreien können", hatte Kleinschrodt nach den Vorfällen gegenüber SWR Sport gesagt.
Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruchs
Abseits des Raubs droht den Stuttgartern wegen zahlreicher weiterer Vorfälle Ärger. Kurz vor Abpfiff des Spiels, das Großaspach mit 4:1 gewann, waren zwölf Kickers-Anhänger über die Absperrungen geklettert. Einige von ihnen drangen in den Innenraum ein und gingen teilweise die Spieler auf dem Spielfeld an. Das Spiel musste vom Schiedsrichter unterbrochen werden.
Der WFV hat nun erste Strafen dazu bekanntgegeben. "Drei identifizierte Anhänger und Vereinsmitglieder des SV Stuttgarter Kickers wurden wegen des unerlaubten Betretens des Innenraums und des Spielfelds zu Geldstrafen verurteilt. In zwei Fällen wurde jeweils eine Geldstrafe von 200 Euro verhängt. Ein weiterer Anhänger wurde wegen des zusätzlichen körperlichen Einwirkens auf einen Spieler mit einer Geldstrafe von 1.000 Euro belegt", teilte der Verband mit. Insgesamt acht Anhänger wurden mit Stadionverboten für die beiden kommenden Endspiele im WFV-Pokal belegt.
Die Polizei Stuttgart teilte auf SWR-Anfrage mit, dass in diesem Zusammenhang ein Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruchs eingeleitet wurde. Derzeit seien elf Beschuldigte bekannt. Hausfriedensbruch (§ 123 StGB) wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bestraft.
Wegen des Platzsturms und dem Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände wurden die Kickers zudem mit einer Geldstrafe von 3.000 Euro belegt, Großaspach muss wegen eines "Pyro-Vergehen" 5000 Euro zahlen. "Mit den nun rechtskräftigen Entscheidungen sind die sportgerichtlichen Verfahren im Wesentlichen abgeschlossen", teilte der WFV mit.
Sachbeschädigung: Pyro fliegt auf Auto
Die Polizei leitete außerdem ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung ein. Nach Spielende sei ein pyrotechnischer Gegenstands auf ein Fahrzeug außerhalb des Stadions geworfen worden. Die Insassen erlitten gesundheitliche Beeinträchtigungen. Erkenntnisse zur Täterschaft gibt es laut Aussage der Polizei bisher keine. Die Stuttgarter Kickers teilten gegenüber SWR Sport mit, dass eine Kostenübernahme für das beschädigte Auto erfolgt sei. Zur Höhe der Kosten wollte der Verein allerdings keine Angaben machen. Man stehe mit den betroffenen Personen "in regelmäßigem Austausch". Zum Gesundheitszustand werde man aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine Angaben machen.