Nach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) wurde die Polizeipräsenz in Stuttgart rund um die sogenannte "CSD-Hocketse" erhöht. Das sei kurzfristig so entschieden worden, teilte eine Polizeisprecherin dem SWR am Sonntagmittag auf Nachfrage mit. Dies betreffe die Innenstadt sowie den Marktplatz und den Schillerplatz, heißt es vom Stuttgarter CSD-Verein am Sonntag nach einer Anfrage. "Auch unser Sicherheitsdienst wurde nochmals umfassend informiert und zu erhöhter Wachsamkeit angehalten."
Stuttgarter CSD-Verein: Bestehendes Sicherheitskonzept funktioniert
Das bestehende Sicherheitskonzept, das vor der Veranstaltung entwickelt wurde, habe aber nicht angepasst werden müssen, hieß es: "Eine unautorisierte Zufahrt mit Fahrzeugen auf den Markt- und Schillerplatz ist nicht möglich; sämtliche Zufahrtsmöglichkeiten sind mit entsprechenden Zufahrtsschutzmaßnahmen gesichert", so der Verein. Wer sich unsicher fühle, könne sich außerdem jederzeit an das Awareness-Team wenden.
Tobias Rieger schildert die Eindrücke vom Stuttgarter Martkplatz:
Auf der Bühne vor dem Stuttgarter Rathaus treten bei der "CSD-Hocketse" seit Freitag unter anderem Artists, Musical-Ensembles und Drag-Acts auf. Die für Sonntag geplanten Auftritte sollten trotz des Angriffs auf den Berliner CSD stattfinden, teilte der Verein mit. Man wollte aber der Opfer des Angriffs gedenken, hieß es in einer Mitteilung. Nach Angaben des Teams handelte es sich bei der "CSD-Hocketse" um das "vermutlich größte queere Straßenfest in Baden-Württemberg". Mit dem dreitägigen Fest feierte der Verein seit Freitag sein 25-jähriges Bestehen.
SWR-Korrespondent Sebastian Deliga ordnet den CSD-Anschlag für das politische Berlin ein:
CSD in Berlin und Stuttgart fanden fast zeitgleich statt
Am Samstagnachmittag nahmen mehrere tausend Menschen an der traditionellen CSD-Demonstration in Stuttgart teil. Die Veranstaltung fand nahezu zeitgleich mit dem Berliner CSD statt. In Berlin wurde am späten Samstagabend eine Frau getötet, mehrere weitere Menschen wurden schwer verletzt, nachdem jemand mit einem Van in eine Menschengruppe gefahren war.
Am Sonntagabend ist der gesuchte Tatverdächtige nach Informationen des rbb bei einem Polizeieinsatz erschossen worden. Die Einsatzkräfte waren demnach zu einer Gartenlaube in Berlin ausgerückt.
Demo für gleiche Rechte und Vielfalt CSD Stuttgart: Tausende Menschen ziehen durch die Straßen
Beim Christopher Street Day in Stuttgart demonstrierten zahlreiche Menschen für gleiche Rechte und gegen Hass. Nun läuft noch das vielleicht größte queere Straßenfest im Land.
Das Team von "Stuttgart Pride" reagierte betroffen auf die Ereignisse in Berlin. "Wir sind zutiefst erschrocken und traurig darüber, was heute in Berlin passiert ist", hieß es in einem Statement, das in der Nacht zum Sonntag in sozialen Medien veröffentlicht wurde. Das Team sprach "den Opfern, Angehörigen und Zeugen der Tat sowie den Veranstaltern des Berliner CSD" Mitgefühl aus. Zum Ende der "Hocketse" wurde auch den Opfern des Anschlags gedacht.
Riccardo Simonetti entsetzt über Angriff in Berlin
Auch der Entertainer Riccardo Simonetti äußerte sich bestürzt über den tödlichen Angriff. "Mir ist sofort richtig schlecht geworden", schrieb der 33-Jährige auf Instagram. Simonetti hatte am Samstag am CSD in Stuttgart teilgenommen. Der Tag sei wunderschön und friedlich gewesen, schrieb er als Teil eines längeren Statements. "Das ist ein Privileg, das tragischerweise nicht jedem Menschen möglich ist." Als er am Morgen die Nachrichten aus Berlin gelesen habe, habe er nicht glauben können, "dass das wirklich passiert sein soll".
Polizei: Stuttgarter CSD-Wagen der CDU wurde blockiert
Die Stuttgarter Polizei hatte am Samstagabend mitgeteilt, beim CSD sei es nur zu wenigen Zwischenfällen gekommen, man ziehe daher insgesamt eine positive Bilanz. Es seien zwölf Straftaten erfasst worden, wobei es sich meist um Körperverletzungsdelikte und Beleidigungen gehandelt habe. Sechs Personen hätten von der Polizei einen Platzverweis erhalten. "Kurzzeitig blockierten gegen 16.40 Uhr fünf bis zehn Personen mutmaßlich aus dem linken Spektrum einen Aufzugswagen der CDU", so die Stuttgarter Polizei. Ordner hätten die Blockade bereits vor Eintreffen der Einsatzkräfte aufgelöst und die Tatverdächtigen seien in der Menge verschwunden. Nun werde versucht, sie zu identifizieren.
Ein SWR-Reporter beobachtete außerdem, wie die CSD-Hocketse am Samstag unterbrochen wurde. Anlass war, dass ein Mann auf das Schillerdenkmal auf dem Alten Schlossplatz geklettert war. Auch hier griff die Polizei ein.