Der VfB Stuttgart hat bei Union Berlin am ersten Spieltag der neuen Bundesligasaison fahrlässig Punkte liegen lassen. Die Köpenicker traten so auf, wie man sie kennt: nämlich kämpferisch, kratzend, beißend und kompromisslos. Die Schwaben indes agierten trotz ihrer spielerischen und technischen Überlegenheit erstaunlich uninspiriert. Im Vergleich zu den Gastgebern fehlten dem Team von Trainer Sebastian Hoeneß die bedingungslose Leidenschaft und der letzte Wille, um etwas Zählbares aus der Hauptstadt mitzunehmen.
Ilyas Ansah schockt den VfB mit zwei Traumtoren
So hieß es letztlich aus Sicht des VfB 1:2 bei Union - und das war trotz zahlreicher Chancen, 21:8 Torschüssen und 75 Prozent Ballbesitz für Stuttgart nicht unverdient. Weil dem Pokalsieger in vielen Aktionen, vor allem aber vor dem gegnerischen Kasten, die Konsequenz fehlte, die die Berliner an den Tag legten.
Jeff Chabot (12. Minute), Josha Vagnoman (31.), Jamie Leweling (35.), Atakan Karazor (44. Pfosten, 57.), Deniz Undav (49. Latte) oder Maximilian Mittelstädt (50.) vergaben beste Gelegenheiten für die behäbigen Stuttgarter. Auf Berliner Seite erzielte indes Ilyas Ansah zwei Traumtore (18., 45.+4). Der Hacken-/Außenrist-Anschlusstreffer von VfB-Neuzugang Tiago Tomas (86.) kam aus Stuttgarter Sicht zu spät. Pech hatten die Gäste, dass ein Treffer von Nick Woltemade wegen einer knappen Abseitsstellung nicht zählte (90.+6).
Fußball | Bundesliga VfB Stuttgart unterliegt zum Liga-Start bei Union Berlin
Der VfB Stuttgart verlor sein Auftaktspiel zur neuen Bundesliga-Saison bei Union Berlin. Ein später Treffer zum möglichen Ausgleich wurde nicht anerkannt.
Maximilian Mittelstädt: "Wir sind enttäuscht"
Dementsprechend war die Stimmung beim VfB nach der Partie. "Wir sind enttäuscht, weil wir uns mehr vorgenommen haben. Wir hatten einige Chancen, aber Union kam dann, wie so oft, aus dem Nichts. Sie wissen selbst nicht, wie sie mit einem 2:0 in die Halbzeit gehen, glaube ich. Dann haben sie es gut verteidigt und wir haben uns die Zähne ausgebissen", analysierte VfB-Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt am ARD-Mikrofon.
"Grundsätzlich keine schlechte Spielanlage"
Der Nationalspieler wollte trotz der Auftaktpleite nicht zu kritisch mit der eigenen Mannschaftsleistung sein. "Wir hatten grundsätzlich keine schlechte Spielanlage", sagte Mittelstädt. "Aber wir hätten früher das Anschlusstor erzielen müssen, um noch mehr Druck aufzubauen. Dass wir am Ende noch einen Abseitstreffer erzielen, war bezeichnend für den Tag heute."
Mittelstädts Lehren aus dem Union-Spiel? "Wir wissen, dass wir es können. Wir müssen mit unseren Chancen einfach effizienter sein", so der Ex-Herthaner. "Union war eiskalt - das ist uns nicht gelungen."
VfB-Trainer Sebastian Hoeneß: "Nicht kaltschnäuzig genug"
Ähnlich sah es VfB-Coach Hoeneß. "Das war ein gebrauchter Nachmittag", sagte der Trainer. "Wir haben die nötige Kaltschnäuzigkeit vermissen lassen. Wir müssen uns die fehlende Effizienz vorwerfen lassen."
Luca Jaquez hat sich die Nase gebrochen
Hoeneß war sichtlich bedient - nicht nur wegen des Ergebnisses. "Was den Nachmittag aus unserer Sicht abrundet, ist die Verletzung von Luca Jaquez, der sich die Nase gebrochen hat", ärgerte er sich. Sein Team habe so "sieben oder acht Minuten in Unterzahl" bestreiten müssen.
Jetzt gelte es, die Köpfe schnell wieder frei zu bekommen, so Hoeneß weiter: "Hilft ja nichts, wir müssen schnell nach vorne blicken. Wir haben am Dienstag ein Pokalspiel, für das wir uns jetzt gut vorbereiten wollen."
Dann wartet auf den VfB Stuttgart das schwere Match beim Zweitligisten Eintracht Braunschweig (Dienstag, 20:45 Uhr, live in der ARD). In der Bundesliga empfangen die Schwaben am zweiten Spieltag dann Borussia Mönchengladbach (30.08., 15:30 Uhr, live in SWR1 Stadion).