Es wirkte wie einer dieser Momente, in denen man sich in der Kneipe zu einer waghalsigen Idee hinreißen lässt: Morgen räume ich die Rumpelkammer auf, in sechs Wochen laufe ich einen Marathon, nächstes Semester wird alles besser. Im Falle von Jamie Leweling und dem VfB Stuttgart reicht die waghalsige Idee sogar bis ins Jahr 2026 - und sie lässt die Herzen der Fans maximal schneller schlagen.
Leweling und Co.: Sonnenbrille trotz Bewölkung
Nicht in einer Kneipe, dafür aber auf einer großen Bühne auf dem Stuttgarter Schlossplatz, stellte Leweling am vergangenen Sonntag eine Rechnung auf. Der Offensivspieler trug wie viele seiner Teamkollegen trotz leichter Bewölkung eine Sonnenbrille, unklar ist nur, ob allein der Glanz des gewonnenen DFB-Pokals der Grund dafür war.
"Habt ihr vor ein paar Tagen das Europa-League-Finale gesehen?", fragte der Flügelspieler die mehreren zehntausend VfB-Fans, die zu den Pokalfeierlichkeiten gekommen waren. Cup-Gewinner Tottenham, erinnerte Leweling sein Publikum, sei in der Premier League gerade einmal auf dem 17. Platz gelandet.
Babbel sieht gute Zukunft für den VfB Stuttgart
"Das heißt: Wir können den scheiß Europapokal gewinnen", brüllte der 24-Jährige ins Mikro, nachdem er zuvor bereits auf den neunten Platz des VfB in der Bundesliga-Tabelle verwiesen hatte. Eine schön-steile These, die angestachelte Menge jubelte - und plötzlich drängte sich die Frage auf: Wie (un)realistisch ist dieser Gedanke eigentlich?
Der Triumph im DFB-Pokal und die damit verbundene Qualifikation fürs internationale Geschäft sei in der Tat "elementar wichtig für die Zukunft" des Clubs, sagte Ex-Profi Markus Babbel bei SWR Sport. Der heute 52-Jährige war in den 2000ern drei Jahre für die Schwaben aktiv, in diese Zeit fällt auch der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2007.
Relegation, Vizemeister, Königsklasse, Europa League
"Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Jahren sehr viel Spaß mit dem VfB haben werden", sagte Babbel weiter. Der Verein habe eine brutale Energie, sei ein großer Club mit einer unglaublichen Power. Aber: "Nur weil der VfB Vizemeister geworden ist, soll man denken, er muss jetzt jedes Jahr in die Champions League kommen? Nein! Es ist schön, wenn man dahin kommt - aber du brauchst diesen Weg." Kann dieser schon bald über den Europa-League-Titel führen?
Noch vor zwei Jahren war Stuttgart in der Relegation knapp dem Abstieg aus der Bundesliga entgangen, bereits in der Saison drauf folgte die Vizemeisterschaft. Auf einmal grüßte der Club aus der Ligaphase der Königsklasse, spielte bei Real Madrid im Bernabéu vor, gewann bei Juventus Turin. Eine rasante Entwicklung, die die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß nun in den nächsten europäischen Wettbewerb führt.
Finale um die Europa League am 20. Mai 2026 in Istanbul
Vor dem Traum vom Finale am 20. Mai 2026 in Istanbul steht unter anderem die Auslosung der Liga-Phase am 29. August. Neben dem VfB sowie dem SC Freiburg stehen unter anderem Crystal Palace (England), Real Betis Sevilla (Spanien), Olympique Lyon (Frankreich) und der FC Porto (Portugal) als Teilnehmer und damit mögliche Gegner fest. Allesamt schöne Reiseziele, über die man nachdenken muss, nachdem man in der Kneipe eine waghalsige Idee hatte. Oder eben auf einer Bühne.