Nach dem Schlusspfiff war nur Nebensache, dass "Magic Ange", wie Ermedin Demirovic den VfB-Mittelfeldstrategen Angelo Stiller nennt, vor dem 2:1-Siegtreffer der Schwaben beim 1. FC Köln einen herausragenden Steckpass gespielt hatte. Ebenso, dass Verteidiger Josha Vagnoman diesen Steckpass aufnahm und in bester Stürmermanier mit seinem schwächeren linken Fuß verwandelte (81. Minute). Es wurde auch nicht intensiv darüber diskutiert, dass der VfB den dritten Pflichtspielsieg in Folge und den ersten Auswärtsdreier in dieser Saison feiern durfte. Erst recht nicht darüber, dass die Schwaben immer besser in dieser Saison ankommen. Stattdessen ging es vor allem um die 28. Minute.
Demirovic: "Ich hätte es mir einfacher gemacht, wenn ich direkt gefallen wäre"
Es war die Minute, in der der VfB Stuttgart einen vieldiskutierten Elfmeter zugesprochen bekam und durch Demirovic den 1:1-Ausgleichstreffer erzielte. Bis dahin hatten die Schwaben größere Probleme mit den flott aufspielenden Aufsteigern aus Köln und mussten einem frühen Rückstand (Jakub Kaminski, vierte Minute) hinterherlaufen. VfB-Stürmer Demirovic sagte hinterher über die Foulszene: "Das Problem ist: Es ist nicht mein Naturell zu fallen. Das weiß jeder, der mich kennt. Ich mag es nicht. Ich hätte es mir einfacher gemacht, wenn ich direkt gefallen wäre."
Kölner beschweren sich über den VAR-Einsatz
Demirovic erkannte in dieser 28. Minute, dass Kölns Torhüter Marvin Schwäbe sich den Ball etwas zu weit vorgelegt hatte. Der Stürmer schnappte sich die Kugel und wurde von Schwäbe an der linken Achillessehne getroffen. Der Stürmer fiel nicht und schrie nicht, sondern lief weiter und setzte noch zur Grätsche an. Erst danach erhielt Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck einen Hinweis von Videoschiedsrichter Günter Perl. Nach langer Überprüfung gab er dann den Elfmeter - zum Unverständnis der meisten Kölner.
"Ich sehe keinen einzigen Stuttgarter, der sich in irgendeiner Form beschwert. Es gibt den Kontakt, (...) aber nicht jeder Kontakt ist ein Foul", sagte beispielsweise Kölns Trainer Lukas Kwasniok: "Ich hatte nicht das Gefühl, dass der Unparteiische sehr glücklich ist, dass er so unter Druck gesetzt wird, für so eine Aktion rausgeschickt zu werden. Dann interpretieren wir viel zu viel da rein. Es wird nicht gerechter. Die Sinnhaftigkeit des VAR erschließt sich mir nach vor nicht."
VfB-Trainer Hoeneß: "Wollen wir einen Stürmer, der fällt?"
Demirovic verstand die Aufregung der Kölner und war bemüht, die Wogen zu glätten. Groteskerweise entschuldigte er sich sogar dafür, dass er eben nicht theatralisch fiel, sondern weiterspielen wollte. "Es tut mir schon leid, ich hoffe, man nimmt mir das nicht übel." Er betonte aber auch: "Ich habe oft Schiedsrichtern gesagt: Bitte pfeift auch mal ein Ding, ohne dass ich fallen muss. Man sieht auch Fouls, wenn man stehen bleibt." VfB-Coach Sebastian Hoeneß, der stolz auf sein Team war, sprang seinem Schützling zur Seite: "Ich habe die Bilder gesehen, ich verstehe, dass das eine kontroverse Diskussion geben wird, aber es ist ein klarer Treffer. Jetzt ist die Frage: Wollen wir einen Stürmer, der fällt, dann gibt es gar keine Diskussion. Oder wollen wir einen Stürmer, der versucht, weiterzuspielen? Schwierige Situation."
VfB reist mit Selbstbewusstsein nach Basel
Letztlich überlagerte diese Szene sogar, dass der VfB mal wieder vom Punkt traf. Demirovic verwandelte eiskalt und ins linke untere Eck. Was wie selbstverständlich wirkte, war es keineswegs. In der vergangenen Saison hatten die Stuttgarter fünf Mal verschossen (zwei Mal Demirovic). In dieser Spielzeit einmal (Angelo Stiller). Auch dieses Erfolgserlebnis führt dazu, dass die Schwaben mit Selbstvertrauen nach Basel reisen. Dort sind sie am Donnerstag in der Europa League zu Gast.
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