Ehe der Mann des Abends in die Nacht entschwand, musste er noch etwas klarstellen. "Für mich ist es Wahnsinn, dass man nach drei Spieltagen so eine Unruhe entfacht", rechnete Torschütze Ermedin Demirovic im Anschluss an das 2:0 (1:0) des VfB Stuttgart über den FC St. Pauli mit den Kritikern ab. Klar sei der Saisonstart nicht gut gewesen, "aber von einem Fehlstart zu reden, ist auch der falsche Ansatz".
Demirovic mit drei Bundesliga-Scorern in vier Spielen
Und so verspürten die Schwaben ein wenig Genugtuung und vor allem: Erleichterung. "Wie ein Befreiungsschlag" sei der Sieg gewesen, sagte Demirovic. Für den VfB und für ihn, dessen Fähigkeiten in den Diskussionen um den Abgang von Nick Woltemade in den Hintergrund gerückt waren. Gegen St. Pauli sammelte er mit einem Tor und einer Vorlage zwei weitere Scorerpunkte.
Chema glänzt, Kapitän Karazor nur auf der Bank
Nicht nur seine Leistung war bemerkenswert: Eindrucksvoll war auch, wie souverän der erst 20-Jährige Mittelfeldstratege Chema Andrés Kapitän Atakan Karazor ersetzte, die Führung des VfB mit einer schlauen Bewegung samt Abspiel einleitete. Hoeneß hatte dem Spanier das Vertrauen geschenkt. "Aufgrund der Tatsache, dass wir Impulse geben wollten. Chema macht seine Sache auch gut. Wir stehen vor einem Block mit englischen Wochen", erklärte Hoeneß den Tausch.
Dominanter Auftritt des VfB
VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sprach von der "ganz klaren Reaktion", die es gebraucht habe. Die Leistung beim hochverdienten Sieg über die Hamburger glich den in den vergangenen zwei Jahren fast schon zur Selbstverständlichkeit gewordenen dominanten Auftritten. Ersatz-Kapitän Demirovic belohnte den VfB mit dem 1:0 (43.) und legte geschickt das 2:0 von Bilal El Khannouss auf (50.), der überlegt ins rechte Eck einschob. Der Neuzugang von Leicester City forderte oft den Ball, tänzelte mit schnellen Bewegungen seine Gegenspieler aus, spielte scharfe, zielgerichtete Pässe und wirkte keineswegs wie ein Fremdkörper.
Hoeneß rechnet mit Kritikern ab: "Zu viel Unruhe"
"So wollen wir auftreten, das war ein verdienter Sieg", sagte Trainer Sebastian Hoeneß, dem die Kritik in den vergangenen Tagen ebenfalls zu heftig war. "Es geht alles in alle Richtungen zu schnell. Die Relation stimmt nicht", mahnte Hoeneß: "Wir hatten vier Spieltage, haben zwei gewonnen und zwei verloren, sind in der zweiten Runde des DFB-Pokals - dafür war mir die Unruhe zu groß."
SWR Sport | 19.04. ab 21:45 Uhr SWR Sport mit Hoffenheims Andi Schicker und der Meisterfrage in der Bundesliga
Entscheidet sich am Wochenende die Meisterschaft zugunsten des FC Bayern? Hoffenheim könnte gegen Dortmund Schützenhilfe leisten. Studiogast bei SWR Sport ist TSG-Geschäftsfühter Andi Schicker.
Durchwachsener Start in die Bundesliga
Auch, wenn das 1:3 beim SC Freiburg zuletzt "nicht gut anzuschauen war". Tatsächlich war die Lage bis dahin eher ernüchternd für den VfB. Wohlgemuth berichtete, nach der Pleite in Freiburg und insgesamt "drei eher durchwachsenen Bundesliga-Spielen" sei der "Ton unter der Woche ein bisschen schärfer" und im Verlauf der Trainingswoche "ein ganz anderes Feuer drin" gewesen.
VfB mit einer anderen Energie
Im Spiel gegen den erstmals in dieser Saison besiegten FC St. Pauli habe dann auch eine "ganz andere Energie" geherrscht, sagte Demirovic. Und auch von dem vergebenen Elfmeter Angelo Stillers ließ sich das Team nicht aus dem Konzept bringen. Der Fehlstart ist mit nun sechs Punkten abgewendet, der überzeugende Auftritt soll ein Startschuss gewesen sein. "Das war ein guter Einstieg in eine neue Phase, in der wir mit einer neuen Energie, vielleicht auch mit einem neuen Selbstbewusstsein, auch mit einem anderen Geist auf die nächste Woche zugehen können", sagte Wohlgemuth.
Am Donnerstagabend (21.00 Uhr) startet der VfB gegen Celta Vigo in die Europa League. "Wir freuen uns einfach auf das Spiel. Wieder vor unserer Kulisse das erste Spiel gleich zu Hause", blickte Demirovic freudig voraus: "Ich glaube, die Nächte können sehr besonders sein."