Ein Eigentor von Jeff Chabot, ein grober Fehler von Torhüter Alexander Nübel: Der VfB Stuttgart hat dem Tabellenzweiten RB Leipzig beim 1:3 (0:1) in Sachsen zwei Tore mehr oder weniger geschenkt und sich selbst nach einer phasenweise starken und mutigen Leistung um Punkte gebracht. "Die Jungs sollten ihren Kopf nicht hängen lassen", sagte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß hinterher: "Sie haben über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht. Heute waren es Kleinigkeiten und die haben eher die Leipziger genutzt."
Fehler von Nübel wird von Romulo bestraft
Sinnbildlich für die Partie des VfB, vor dem Spieltag Tabellendritter, war die Leistung von Torhüter Alexander Nübel. Mehrmals hatte er herausragend pariert, den VfB gegen Ende mit einer Glanztat (81. Minute) im Spiel gehalten, doch letztlich wurde vor allem über seinen Patzer in der Nachspielzeit gesprochen. Er hatte beim Spielstand von 1:2 aus Stuttgarter Sicht den Ball vertändelt und somit Leipzigs Stürmer Romulo eingeladen, ins leere Tor einzuschieben (90.+1). "Ich wollte kurz herausspielen, weil wir noch so viel Zeit hatten", erklärte Nübel. Als er dann bemerkt habe, dass seine Mitspieler alle weit nach vorne aufgerückt waren, war er kurz überrascht und habe den Ball in diesem Moment an den heranstürmenden Romulo verloren. "Denkbar ungünstig, ist sehr, sehr bitter, weil wir sonst vielleicht noch eine Chance bekommen auf den Ausgleich", sagte Nübel.
VfB spielt mutig, aber ineffizient
Der VfB hatte Chancen, das Spiel anders zu gestalten. Aber den Schwaben fehlte in vielen Momenten entweder eine zündende Idee beim letzten Zuspiel oder die Qualität beim Torabschluss. Stürmer Deniz Undav köpfte beispielsweise aus guter Position harmlos über das Tor (10.) oder schoss Leipzigs Keeper Peter Gulacsi in die Arme (42.). "Von der fünften bis zur 30. Minute machen wir ein herausragendes Spiel, das einzige, was fehlte, war das Tor", sagte Hoeneß.
Bundesliga VfB Stuttgart verteilt zu viele Geschenke in Leipzig
Der VfB Stuttgart muss sich im Spitzenspiel gegen RB Leipzig mit 1:3 geschlagen geben.
VfB verliert zwei entscheidende Zweikämpfe
Und es fehlte - zumindest in zwei spielentscheidenden Situationen - die Konzentration im Zweikampf. Maximilian Mittelstädt sah gegen RB-Flügelspieler Yan Diomande vor dem 0:1 schlecht aus, ließ den pfeilschnellen 18-Jährigen gewähren, dessen scharfe Hereingabe Jeff Chabot unglücklich ins eigene Tor abwehrte (45.). "Wir müssen das am Flügel besser verteidigen. In der einen oder anderen Situation müssen wir uns besser unterstützen", sagte Hoeneß. Und auch beim zweiten Treffer der Gastgeber, den Diomande selbst mit einem Schuss ins rechte untere Eck erzielte (53.), war unter anderem Mittelstädt nicht nah genug dran.
Hoeneß "stolz" auf Leistung seines Teams
Dennoch betonte Sebastian Hoeneß: "Die Leistung meiner Mannschaft war aller Ehren wert." Stolz habe ihn gemacht, dass sie sich nach dem 0:2 nicht aufgab, sondern durch den eingewechselten Tiago Tomas noch den Anschlusstreffer erzielte (65.). Tomas war von Luca Jaquez mit einem punktgenauen Steilpass bedient worden, dribbelte an Gulacsi vorbei und schob den Ball ins leere Tor. "Ich denke, wir haben auf Augenhöhe agiert gegen eine Mannschaft, die einen Lauf hat, gegen eine absolute Spitzenmannschaft." Der eigene Lauf ist damit beendet. Nach fünf Liga-Siegen in Folge hat der VfB mal wieder ein Bundesliga-Spiel verloren. Daraus wollte die zum Teil junge Mannschaft lernen, sagte Hoeneß. "Es bleibt ein Entwicklungsprozess."
Am Donnerstag empfängt der VfB in der Europa League Feyenoord Rotterdam (06.11., 21 Uhr). Am kommenden Sonntag ist der kriselnde FC Augsburg zu Gast in Stuttgart (9.11., 17:30 Uhr).