Nach dem missratenen Ausflug nach Rom wollte Abwehrchef Jeff Chabot eine Diskussion um Torjäger Deniz Undav gar nicht erst anfangen. Die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor von Undav und Co. war in der Europa League beim 0:2 bei AS Rom aber ein entscheidender Faktor. Mit der Niederlage verspielte der VfB Stuttgart sehr wahrscheinlich die Chance, sich direkt fürs Achtelfinale qualifizieren zu können.
Seinen Teamkollegen Undav nahm Chabot jedoch in Schutz. "Er weiß auch selber, dass er vielleicht ein Ding rein machen muss, damit wir am Ende etwas Zählbares holen", sagte der Verteidiger zwar - ebenso wie: "Klar wissen wir, dass, wenn wir ein Tor machen, die Römer ein großes Problem haben." Er betonte aber auch: "Aber komm, er hat uns so viele Spiele den Arsch gerettet."
VfB Stuttgart lässt auswärts Punkte liegen
In Rom aber klappte dies nicht. Und so war der VfB in der Europa League in dieser Saison einmal mehr auswärts ein gerngesehener Gast. Schon im dritten von vier Auftritten in der Fremde des internationalen Wettbewerbs blieb der DFB-Pokalsieger ohne Tor. Nur beim klaren niederländischen Außenseiter Deventer punkteten die Schwaben (4:0).
"In den drei Auswärtsspielen in Basel, Istanbul und jetzt in Rom haben wir zu viele Chancen vergeben – dass wir aus diesen drei Spielen mit null Punkten rausgehen, ist Wahnsinn", resümierte Chefcoach Sebastian Hoeneß. Auf Impulse von Taktgeber Angelo Stiller (angeschlagen), den formstarken Nikolas Nartey (nicht für die Europa League nominiert) und Afrika-Cup-Vizemeister Bilal El Khannouss (gesperrt) musste er in Rom verzichten.
Europa League VfB Stuttgart scheitert am römischen Bollwerk
Der VfB Stuttgart hat es verpasst, bei der AS Rom einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale zu machen und muss in der Europa League nun auf Schützenhilfe hoffen.
Stuttgarter Chancenwucher in Rom
Ob die Partie am Donnerstagabend mit einem Undav in der Gala-Form vom November anders ausgegangen wäre, bleibt Spekulation. Sinnbildlich für die vergebene Chance in der italienischen Hauptstadt war aber sein Abschluss aus aussichtsreicher Position, den er weit über das Tor drosch.
Auch sein eingewechselter Sturmkollege Ermedin Demirovic ließ den möglichen Ausgleich liegen, bevor erst in der Nachspielzeit mit dem zweiten Roma-Treffer die Entscheidung fiel. Es sei eine Lehrstunde in Sachen Effizienz vom Tabellenvierten der Serie A gewesen, räumte Demirovic bei RTL ein. Selbstkritisch gab der 27-Jährige über seine Chance zu: "Ich glaube, den muss ich machen."
Liegen gelassene Gelegenheiten waren zuletzt auch in der Fußball-Bundesliga ein Thema. Nach dem späten und knappen Erfolg gegen Eintracht Frankfurt (3:2) sprach Undav, der einmal traf, davon, dass er "allein zehn Tore" hätte schießen können. In der Bundesliga aber war der VfB trotz der Enttäuschung über das 1:1 gegen Union Berlin erfolgreich ins Jahr 2026 gestartet - und will nun am Sonntag bei Borussia Mönchengladbach (15:30 Uhr/ live im Audiostream auf sportschau.de) an die zwei Siege vom Auftakt anknüpfen.
Der Februar-Kalender wird voller
In der Europa League muss sich der VfB auf eine Extrarunde über die Playoffs vor dem angestrebten Achtelfinaleinzug einstellen. Die Folgen wären zwei zusätzliche Englische Wochen mit Partien am 19. und 26. Februar. "Wir wissen natürlich, dass es jetzt nach dem Spiel nur noch theoretisch möglich ist, die Playoffs auszulassen, aber gut, wir bleiben dann im Rhythmus", sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth.
Die Aussicht auf einen Top-Acht-Platz schrumpfte mit der Niederlage in Rom gewaltig. Die zuvor punktgleiche AS Rom (6.) ist dem VfB womöglich entscheidend enteilt, der SC Freiburg (3.) hat seinen Platz unter den besten Acht so gut wie sicher. Der VfB dagegen müsste als Tabellen-13. am kommenden Donnerstag gegen die Young Boys Bern (21 Uhr / live im Audiostream auf swr.de/sport) aus der Schweiz fünf Plätze gutmachen. "Das Einzige, was wir machen können, ist Leistung bringen und drei Punkte zu Hause lassen", sagte Chabot.