Deniz Undav brachte es auf den Punkt. "Sobald Harry Kane auch nur einen Augenblick für sich hatte, spielte er seine Qualitäten aus. Aus unserer Sicht leider", analysierte der Nationalspieler des VfB Stuttgart gegenüber der ARD nach dem Pokalfinale gegen den FC Bayern München, das die Schwaben mit 0:3 (0:0) verloren. Die Leistung des Bayern-Angreifers sei "überragend" gewesen, befand auch Undavs Sturm-Kollege Ermedin Demirovic.
Eine Leistung voller Superlative von Harry Kane
Harry Edward Kane machte mit seinem Dreierpack (55. Minute, 80., 90.+2, Foulelfmeter) den Unterschied. Die Leistung des Briten war, wie man in seiner Muttersprache sagen würde, eine "outstanding Performance". Die Statistiken belegen die überragende Vorstellung des 32-Jährigen. Kane war erst der vierte Spieler, der in einem DFB-Pokalfinale drei Tore erzielte nach Uwe Seeler 1963 (HSV), Roland Wohlfarth 1986 (FC Bayern, gegen den VfB) und Robert Lewandowski 2012 (BVB). Erstmals gelang mit dem Engländer einem Spieler dabei ein lupenreiner Hattrick.
Kane als der "VfB-Stuttgart-Schreck"
Der Bundesliga-Torschützenkönig (36 Treffer) war erst der dritte Spieler nach Dieter Müller 1976/77 für den 1. FC Köln und Dirk Kurtenbach 1986/87 für die Stuttgarter Kickers, der in jedem Spiel einer Pokalsaison einnetzte. Und schließlich bestätigte Kane seinen Ruf als "VfB-Schreck". In vier Pflichtspielen dieser Saison gegen Stuttgart erzielte er acht Treffer, das gelang ihm in seiner langen Profikarriere bislang innerhalb einer Spielzeit noch nie.
Damit sorgte fast im Alleingang dafür, dass der deutsche Rekordmeister sämtliche vier Partien mit insgesamt 14:3 Toren für sich entschied. Nicht umsonst adelte ihn Bayern-Patron Uli Hoeneß nach dem Finale bei Sky: "Das ist der beste Transfer, den wir je gemacht haben."
Matchplan von VfB-Trainer Sebastian Hoeneß geht lange Zeit auf
Letztlich also eine klare Sache für die Bayern, obwohl es der VfB 30 Minuten lang herausragend und bis zum 0:1-Rückstand gut machte. Der Matchplan von Trainer Sebastian Hoeneß ging lange Zeit voll auf. Seine Mannschaft agierte Mann gegen Mann über den ganzen Platz, um die Münchner in Zweikämpfe zu zwingen und sie spielerisch nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Eine nachvollziehbare Wahl, war Stuttgart doch in der abgelaufenen Spielzeit prozentual gesehen das zweikampfstärkste Team der Bundesliga.
DFB-Pokal Tapfere Stuttgarter unterliegen dem FC Bayern - Der VfB in der Einzelkritik
Der VfB Stuttgart hat die erfolgreiche Titelverteidigung verpasst und muss dem FC Bayern trotz einer starken Vorstellung den DFB-Pokal überlassen. Die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß in der Einzelkritik.
Der VfB stresste die Bayern, agierte in den direkten Duellen hart, aber im Rahmen des Erlaubten und hatte in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel. Die Schwaben hätten in der ersten halben Stunde durchaus in Führung gehen können. Kurz vor der Pause wurden die Bayern stärker, doch die Zahlen sprachen zur Halbzeit für Stuttgart: insgesamt mehr Schüsse als der Kontrahent, mehr Abschlüsse auf den gegnerischen Kasten und ein höherer xGoals-Wert.
Keine neue Erfahrung für den VfB Stuttgart
Doch was sich vor der Pause bereits angedeutet hatte, setzte sich in der zweiten Hälfte fort. Die Münchner rissen das Spiel mehr und mehr an sich - und dann reichte dem bis dahin unsichtbaren Kane eine Aktion, um sein Team auf die Siegerstraße zu bringen. Nach einem schnell ausgeführten Freistoß von Joshua Kimmich flankte Michael Olise und Kane, der seinem Gegenspieler Jeff Chabot zum ersten Mal entwischt war, köpfte zur Bayern-Führung ein. Der Rest war Münchner Dominanz, die zu den weiteren Treffern führte und in den verdienten DFB-Pokalsieg mündete.
Der VfB musste zum wiederholten Male in dieser Saison die Erfahrung machen, dass gegen Spitzenteams schon kleinste Fehler hart bestraft werden. Bei aller kollektiven Entwicklung der Schwaben - die individuelle Klasse eines Kane, eines Olise oder eines Luis Diaz war zu hoch, um den Matchplan bis zum Ende ohne Aussetzer durchzubringen. Klar, Undav hat eine Top-Saison gespielt, Demirovic auch geliefert, aber gerade im Angriff beider Teams war der Unterschied zwischen nationaler Spitzenklasse und absoluter Weltklasse deutlich zu spüren.
Sebastian Hoeneß: "Es ging viel auf"
"Wir waren nah dran, aber am Ende hat der FC Bayern seine ganze Klasse ausgespielt", befand VfB-Coach Hoeneß. "Wir haben über 60 Minuten ein großes Spiel gezeigt, haben durchgängig sehr konsequent gepresst. Es ging viel von dem auf, was wir uns vorgenommen hatten." Viel, aber eben nicht alles. Es habe zwar nicht gereicht, aber man sei trotzdem stolz, so der 44-Jährige weiter: "Die Jungs haben genau das gezeigt, was nötig ist, um den FC Bayern an den Rand einer Niederlage zu bekommen. Leider ist es der Rand geblieben", so der 44-Jährige.
Es hat nicht gereicht - aber der VfB Stuttgart muss sich nicht grämen. Schon das abermalige Erreichen des Endspiels war ein Riesenerfolg. Vor ziemlich genau drei Jahren standen die Schwaben noch in der Relegation gegen den HSV und kämpften gegen den Abstieg aus der Bundesliga. Es war die Anfangsphase von Hoeneß, der den Klub erst in der Beletage hielt und dann zu "alter Größe" zurückführte. Vizemeisterschaft 2024, DFB-Pokal-Sieg 2025, Champions-League-Qualifikation 2026 und nun das erneute Finale bedeuten eine herausragende Bilanz.
Es geht in die richtige Richtung
Der VfB hat in der abgelaufenen Saison abermals große Schritte in seiner Entwicklung gemacht. Die Doppelbelastung, die ein Jahr zuvor noch neu war und einige Punkte in der Bundesliga gekostet haben dürfte, wurde weitaus besser und seriöser gestemmt. Platz vier ist unter diesem Aspekt herausragend. Stuttgart ist auf dem Weg zu einem Spitzenteam, aber in Spielen wie gegen Bayern sieht man auch, dass noch einiges fehlt. Wichtig ist aber auf diesem Weg auch Geduld, es geht in die richtige Richtung. Geduld auch, wenn die Schritte mal kleiner ausfallen sollten oder es temporär zu Stillstand kommt.
Wie geht es mit Alexander Nübel weiter?
Diesen Weg vermutlich nicht mehr mitgehen wird in Zukunft Alexander Nübel. Der vom FC Bayern seit Sommer 2023 ausgeliehene Keeper kehrt - Stand jetzt - erstmal zu seinem Stammverein zurück. Welche Perspektive er dort nach der Verlängerung von Manuel Neuer und der starken Entwicklung von Jonas Urbig hat, steht auf einem anderen Blatt.
Meinung Contra: Bitte aus der Geschichte lernen - deshalb sollte der VfB Stuttgart auf Dennis Seimen setzen
Das DFB-Pokalfinale des VfB Stuttgart gegen den FC Bayern München (0:3) war vermutlich der letzte Einsatz von Keeper Alexander Nübel für die Schwaben. Es ist gut, dass die gemeinsame Zeit jetzt endet, findet SWR-Sportredakteur Johann Schicklinski.
Beim VfB indes, so hieß es zuletzt, wolle man auf das an den Zweitligisten SC Paderborn ausgeliehene Top-Talent Dennis Seimen setzen. Das Eigengewächs soll die künftige Nummer eins auf dem Wasen werden. Die nahe Zukunft wird in diesen Personalien weiteren Aufschluss bringen.
SWR Sport | 24. Mai ab 22:00 Uhr SWR Sport mit DFB-Pokalfinale, Europa League-Finale und Nils Petersen
Europa League-Finale mit dem SC Freiburg, DFB-Pokalfinale VfB Stuttgart gegen FC Bayern und der deutsche WM-Kader. Viel Gesprächsstoff mit Studiogast Nils Petersen, Ex-Freiburg-Profi.
Am Ende eines langen Abends wollten sich die Protagonisten des VfB Stuttgart nicht zu lange grämen. Insgesamt überwog der Stolz auf das Erreichte in dieser Spielzeit. "Wir können erhobenen Hauptes aus dem Olympiastadion gehen. Die Art und Weise unseres Auftritts bestärkt uns darin, welch beeindruckende Saison wir gespielt haben", urteilte Honeß.
Undav stimmte seinem Trainer zu: "Wir können uns wenig vorwerfen, sondern stolz auf unsere Leistung und die gesamte Saison sein." Eine "1 minus" gab der Angreifer sich und seinen Mitspielern, die den Abend in einer Berliner Location ausklingen ließen. Nur in der Europa League sei mit dem Aus im Achtelfinale gegen den FC Porto mehr drin gewesen. Aber, so Undav ganz Frohnatur, da sei er optimistisch: "Wir haben die Erwartungen übertroffen. Hoffentlich wird die nächste Saison genauso."