Während Trainer und Mannschaft des FC Bayern München den 2:1-Sieg im Franz-Beckenbauer-Supercup im Kreis hüpfend und mit Wasser spritzend feierten, ließ sich der auch an diesem Abend besonders im Fokus stehende VfB-Stürmer Nick Woltemade enttäuscht auf den Boden fallen. Seine Mannschaftskollegen standen ebenfalls etwas bedröppelt an der Seitenlinie und konnten schlussendlich nur zusehen, wie der Rekordmeister die Supercup-Trophäe an diesem Samstagabend in den Stuttgarter Nachthimmel reckte.
Bayern-Stürmerstar Harry Kane (18. Minute) und 70-Millionen-Einkauf Luis Diaz (77.) hatten vor 60.000 Zuschauern für die Bayern getroffen. Auf der Gegenseite verhinderte Torwart Neuer mit einer überragenden Parade gegen Woltemade den zwischenzeitlichen Stuttgarter Ausgleich (24.). In der 74. Minute vergab er eine weitere gute Gelegenheit. Der 1:2-Anschlusstreffer durch Jamie Leweling (90.+4) kam für die Stuttgarter zu spät. "Wir sind enttäuscht, wir wollten den Titel hier behalten", sagte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß im Anschluss auf der Pressekonferenz. "Die Bayern sind am Ende der verdiente Sieger, wir haben es verpasst, die entscheidenden Situationen für uns zu nutzen."
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Somit kassierte Bayerns Wunschstürmer Woltemade nicht nur eine sportliche Niederlage gegen den Deutschen Meister. Er muss sich auch seinen gewünschten Wechsel zum FC Bayern zumindest für diesen Sommer vermutlich abschminken. Denn schon vor der Partie setzten die Schwaben den Spekulationen um einen Wechsel des Nationalspielers ein jähes Ende.
Sowohl VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle als auch Sportvorstand Fabian Wohlgemuth hatten klare Statements zu einem möglichen Abgang des Shootingstars abgegeben. "Nick Woltemade spielt nächste Saison beim VfB Stuttgart, die Akte ist geschlossen. Das weiß auch Bayern München. Wir haben sportliche Ziele, die wollen wir erreichen. Wir mussten irgendwann sagen: Jetzt ist gut - und so ist es jetzt", sagte Wehrle bei "Sky". Auch Sportvorstand Fabian Wohlgemuth bekräftigte den klaren VfB-Standpunkt zum Dauerthema der letzten Wochen.
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Beim Supercup in Stuttgart waren alle Augen auf Nick Woltemade gerichtet. Der Nationalstürmer mit Wechselwunsch stand in der VfB-Startelf. Vor der Partie positionierte sich die VfB-Führungsriege wieder eindeutig.
Woltemades Stürmer-Kollege Deniz Undav gab nach dem Spiel zu, dass in der Mannschaft durchaus über die Causa gesprochen worden sei. "Irgendwann denkt man, wie lange wollen die noch darüber reden oder verhandeln? Und dann hörst du A, B, C, D und jeder gibt von außen seinen Senf dazu. Endlich ist das Scheiß-Thema vorbei", fasste Undav seine Gemütslage zusammen. "Er bleibt jetzt hier und dann kann er nächstes Jahr wieder das Thema sein." Auch VfB-Boss Wehrle betonte nach dem Abpfiff noch einmal: "Ich hoffe, dass jetzt jeder versteht, dass die Akte geschlossen ist."
Jaquez patzt vor Kane-Treffer
Zuvor hatte auf dem Feld der Meister aus Bayern von Beginn an zunächst klar den Ton angegeben. Leon Goretzka kam schon in den ersten fünf Minuten zu zwei Abschlüssen. Nach knapp 20 Minuten nutzte Kane einen dicken Patzer der VfB-Defensive zur Führung. Verteidiger Luca Jaquez wehrte den Ball an der Strafraumgrenze direkt vor die Füße des Engländers ab - und der traf flach ins linke Eck. "Wir kommen nicht gut rein ins Spiel bis zum Tor, das sich abgezeichnet hat", analysierte Hoeneß. "Das Tor war der Wachrüttler."
Mitte der ersten Halbzeit kamen die Stuttgarter und auch Woltemade tatsächlich besser ins Spiel. Der Angreifer hatte gegen Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano zunächst einen schweren Stand, dann aber plötzlich das 1:1 auf dem Fuß. Aus kurzer Distanz scheiterte er an Neuer. Danach vergaben die Gäste weitere Gelegenheiten, um auf 2:0 zu erhöhen. Auch der VfB hatte in der insgesamt sehr unterhaltsamen Partie nun aber ebenfalls die eine oder andere gute Offensivaktion, konnte diese jedoch nicht nutzen.
Woltemade und Leweling verpassen Ausgleich
Den zweiten Durchgang eröffnete Stuttgarts Deniz Undav mit einem Freistoß über das Tor (50.). Die Partie, in der Sebastian Hoeneß zum 100. Mal in einem Pflichtspiel als VfB-Coach an der Seitenlinie stand, wurde hitziger. In der 63. Minute verhinderte Stuttgarts Torwart Fabian Bredlow, der erneut den angeschlagenen Stammkeeper Alexander Nübel vertrat, gegen Kane den vorzeitigen K.o. der Schwaben.
"Danach kamen wir in unsere beste Phase der zweiten Halbzeit", sagte Coach Hoeneß. "Es lag etwas in der Luft, das war das, was ich gespürt habe." Nachdem jedoch Woltemade per Kopf (74.) und Leweling gegen den erneut stark reagierenden Neuer (75.) das 1:1 verpassten, machte Diaz für die Münchner per Kopf zum 2:0 alles klar. Lewelings Treffer in der vierten Minute der Nachspielzeit änderte an der Niederlage der Schwaben nichts mehr.