21 Punkte nach zehn Saisonspielen, dazu zwei Siege aus vier Spielen in der Europa League: Der Start in die Spielzeit 2025/2026 kann sich aus Sicht des Pokalsiegers sehen lassen. Eine Zwischenbilanz.
So lief die Saison bisher
1:2 im Supercup gegen hochüberlegene Bayern, 1:2 zum Saisonauftakt beim nicht sonderlich hoch gehandelten 1. FC Union Berlin und eine 1:3-Niederlage am 3. Spieltag beim SC Freiburg: Die ersten Schritte in der neuen Saison waren für den VfB Stuttgart steinig und schwer. Zudem zog das Wechseltheater um Nick Woltemade viel Aufmerksamkeit auf sich, der Abgang von Enzo Millot Richtung Saudi-Arabien fügte sich ebenfalls passend ein in den turbulenten Sommer beim VfB. Während sich der eine oder andere Beobachter des schwäbischen Bundesligisten schon auf eine zähe Saison im Mittelmaß einstellte, bewies der VfB einmal mehr, was ihn unter der Führung von Cheftrainer Sebastian Hoeneß ausmacht: Ruhe und Geschlossenheit.
Keine Hektik, keine Panik - der Prozess steht im Vordergrund. Diese Marschroute zahlte sich einmal mehr aus. Die Stuttgarter feierten nach der Niederlage in Freiburg sechs Bundesliga-Siege in Folge und arbeiteten sich so hoch ins obere Tabellendrittel. Dass man irgendwann auch mal wieder ein Liga-Spiel verlieren würde, war klar. Die Art und Weise, wie der VfB Stuttgart am 9. Spieltag 1:3 in Leipzig verlor, hatte aber nichts mehr mit den Auftritten zu Saisonbeginn zu tun. Der VfB hat sich gefunden, hat Neuzugänge wie Bilal El Khannouss oder Lorenz Assignon hervorragend integriert und tritt in jedem Pflichtspiel als Einheit auf. Und ist damit in vielen Spielen erfolgreich.
Was läuft schon gut?
Zwei Aspekte sind besonders herauszuheben. Punkt eins: die Rotation. Verletzungen in der Offensive (Deniz Undav, Ermedin Demirovic) zwangen Sebastian Hoeneß immer wieder zu Veränderungen in seiner Startelf, zudem erfordert die Europa League eine gezielte Belastungssteuerung. Und die Rotation funktioniert. Leweling oder El Khannouss? Karazor oder Andrés? Zagadou oder Hendriks? Egal wer spielt, es wird im Kollektiv gearbeitet. Jeder Spieler ist wertvoll, egal, ob er von Beginn an spielt oder von der Bank kommt.
Punkt zwei: die Fähigkeit, auch schwierige Spiele zu gewinnen. Beste Beispiele dafür sind die Siege gegen Feyenoord Rotterdam und den FC Augsburg. Gegen die Niederländer tat sich der VfB in der Europa League lange schwer, um dann mit einer starken Schlussphase die Partie doch noch mit 2:0 für sich zu entscheiden. Beim jüngsten Erfolg gegen den FC Augsburg lagen die Schwaben zweimal zurück, kamen aber immer wieder zurück ins Spiel und siegten am Ende mit 3:2. Wichtiger Zusatzfaktor: die Fans, die das Team auch in durchwachsenen Phasen zu echten Energieleistungen pushen. Nicht umsonst ist der VfB in der Bundesliga (fünf Spiele) und in der Europa League (zwei Spiele) zu Hause noch ohne Punktverlust.
Was muss besser werden?
So erfolgreich die Duelle mit Rotterdam und Augsburg am Ende gestaltet wurden, so unwahrscheinlich ist es, dass dem VfB in jedem Spiel der Turnaround gelingt. Zu häufig geraten die Stuttgarter im ersten Durchgang in Rückstand und müssen sich dann mühevoll zurückarbeiten. Augsburg erzielte seine Tore zum 0:1 und 1:2 in der 8. und 26. Minute, beim 2:1-Sieg in Köln geriet man bereits in der 4. Minute in Rückstand. Auch beim 2:1-Sieg gegen Mainz waren es erst die Gäste, die trafen (41. Minute). Und auch Feyenoord Rotterdam hätte mit einer besseren Chancenverwertung im ersten Durchgang in Führung gehen können.
Verbesserungsbedarf gibt es auch noch im Aufbauspiel - zumindest mit Blick auf die jüngsten Spiele. VfB-Torhüter Alexander Nübel vertändelte den Ball gegen RB Leipzig an der Strafraumgrenze und leitete so den Treffer zum 1:3-Endstand ein. Gegen Augsburg spielte Nübel einen Hochrisikopass in die Zentrale zu Atakan Karazor, der den Ball nach einem (durchaus diskutablen) Tackling von Massengo verlor und so das Tor zum zwischenzeitlichen 1:2 ermöglichte. In beiden Situationen hätten klare Bälle das Gegentor verhindern können.
Wie sind die Aussichten?
So lange sich der VfB Stuttgart auf seine Tugenden konzentriert und als Einheit zusammenarbeitet, steht einer erfolgreichen Saison nichts im Wege. Sieben Siege aus zehn Bundesligaspielen sind ein stabiles Fundament, um auch am Ende der Saison um die europäischen Plätze mitspielen zu können. In der Europa League sollte das Erreichen der Playoffs Pflicht sein, mit positiven Ergebnissen ist sogar die direkte Qualifikation für das Achtelfinale möglich. Auf Tabellenplatz 20 haben die Schwaben (sechs Punkte) nur zwei Zähler Rückstand auf Rang acht (Viktoria Pilsen, acht Punkte).