Bundesliga

Deniz Undav - wieder ein Kandidat für die Nationalmannschaft?

Nach einer Verletzungspause sorgt Stürmer Deniz Undav mit Toren dafür, dass der VfB Stuttgart in der Bundesliga und Europa League
auf Kurs bleibt. Er hofft, sich so für die WM zu empfehlen.

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Stand

Für den kleinen Jungen im Stadion war die Sache klar. Als ihn Stadionsprecher Holger Laser im Vorprogramm zum Spiel gegen den FC Augsburg fragte, wie der VfB Stuttgart spielen werde, sagte er: Der VfB werde gewinnen und Deniz Undav drei Tore schießen. Der Stürmer stand in diesem Moment nicht weit weg, zeigte in seiner typisch humorvollen Art in Richtung des Jungen, lachte und hielt beide Daumen nach oben.

Ein Tor gegen Rotterdam, zwei gegen Augsburg

Undav konnte den Wunsch des Jungen am Ende nicht ganz erfüllen. Er war am Sonntag trotzdem der Mann des Abends. Statt drei schoss der 29-Jährige beim 3:2 (2:2)-Heimsieg immerhin zwei Tore (39. Minute, 80.) für die Schwaben. Er hatte weitere gute Szenen und nähert sich immer mehr der Form und Fitness, die er vor seiner Knieverletzung Ende August hatte. "Wir sind im flow. Es war wichtig, dieses Spiel zu gewinnen", sagte Undav im Interview mit SWR-Sport. Es stellt sich die Frage: Darf Deniz Undav sich bald auch wieder bei Bundestrainer Julian Nagelsmann in der Nationalmannschaft präsentieren?

Schon beim 2:0 in der Europa League gegen Feyenoord Rotterdam drei Tage zuvor hatte Undav ein Tor erzielt. Beim 2:1 Ende Oktober gegen Mainz 05 hat er ebenfalls getroffen. Das wird auch der Bundestrainer registriert haben - wohl wissend, dass er in vorderster Linie ohnehin nicht allzu viele Alternativen an wirklichen Torjägern hat.

Hinter Nick Woltemade von Newcastle United, der selbst noch bis zum Sommer für den VfB spielte, wird es bei den anstehenden WM-Qualifikationsspielen am Freitag in Luxemburg und drei Tage später gegen die Slowakei im DFB-Kader schon dünn.

Undav und Demirovic kompensieren sich gegenseitig

VfB-Trainer Sebastian Hoeneß wollte zwar nicht so weit gehen zu sagen, dass Undav in der Form seines Lebens sei. "Die hatte er vor eineinhalb Jahren, da war er noch besser in Form. Aber er bewegt sich gerade da hin", erklärte der 43-Jährige. Es sei wichtig, dass seine Mannschaft im bisher sechsmaligen Nationalspieler jemanden habe, der Torgefahr ausstrahle. Und dachte da wohl auch an Ermedin Demirovic.

Der nämlich gilt im Stuttgarter Kader als einzig verbliebener reiner Mittelstürmer. Und konnte mit seinen Toren in der ersten Saison-Phase dafür sorgen, dass das Loch im Angriff nach Woltemades Weggang in die englische Premier League zunächst doch nicht so groß war wie von vielen befürchtet.

Demirovic wird den VfB Stuttgart bis Dezember fehlen

Nun aber fällt der 27-Jährige wegen einer Fußverletzung seit fünf Wochen aus und wird wohl erst im Dezember wieder spielen können. Zunächst also füllte Demirovic die Undav-Lücke - und dann der ansonsten eher als hängende Spitze spielende Teamkollege die von Demirovic.

Undav hofft, dass er im Falle einer Qualifikation der deutschen Auswahl noch den Sprung in den WM-Kader für das Turnier im kommenden Jahr in Kanada, Mexiko und den USA schafft. Er müsse sich jetzt weiter empfehlen, sagte der gebürtige Norddeutsche. "Das geht über gute Leistungen." Treffe er weiterhin, werde es für Nagelsmann schwer, ihn nicht zu nominieren. "Ich möchte es ihm am liebsten so schwer wie möglich machen."

VfB mit guter Zwischenbilanz, aber "mental am Limit"

Zunächst aber sorgte auch Undav dafür, dass der VfB nach knapp einem Drittel der Saison mit einer guten Zwischenbilanz in die zweiwöchige Länderspielpause geht. "Unter dem Strich sind wir sehr happy mit der aktuellen Momentaufnahme. Wir stehen gut da", sagte Hoeneß. Schließlich ist sein Team in der Bundesliga als Tabellenvierter auf Europapokal-Kurs und hat in der Europa League mit sechs Punkten aus vier Spielen noch alle Chancen auf die K.o.-Runde.

Und im DFB-Pokal will der Titelverteidiger am 3. Dezember beim Zweitligisten VfL Bochum ins Viertelfinale einziehen. Gegen Augsburg habe man nach drei englischen Wochen mit sieben Spielen jedoch gesehen, "dass wir viel Tribut zollen, vor allem im Kopf", bilanzierte Hoeneß. Gegen den sportlich in einer Krise steckenden FCA habe sich die Mannschaft "mental am Limit bewegt".  Mit dem fünften Heimsieg in Serie, bei dem Maximilian Mittelstädt per Foulelfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 (18.) ausglich, klappte es dennoch. Und Undav traf eben gleich doppelt.

Erstmals publiziert am
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Onlinefassung
Thomas Bareiß

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