Felix Magath hält immer noch einen besonderen Rekord beim VfB Stuttgart. Naheliegend wäre, dass der Coach mit den besonderen Trainingsmethoden am meisten Medizinbälle alleine tragen konnte. Knapp daneben. Von Februar 2001 bis Mai 2004 war Magath beim schwäbischen Bundesligisten - drei Jahre und drei Monate. So lange war in der Bundesligazeit kein Coach beim VfB: "Ich muss jetzt allerdings auf den jungen Hoeneß aufpassen, der könnte mir gefährlich werden, aber ansonsten hat ja keiner so lange ausgehalten wie ich", sagte Magath am Sonntagabend in der Sendung SWR Sport mit einem Augenzwinkern.
Hoeneß, Sebastian Hoeneß! Vom aktuellen Trainer des VfB Stuttgart ist Magath beeindruckt. Seit dem Trainerwechsel (im April 2023 folgte Sebastian Hoeneß auf Bruno Labbadia, Anm. d. Red.) habe "sich der VfB sehr, sehr gut gemacht". Der VfB spiele nicht nur einen schönen Fußball, sondern größtenteils auch erfolgreich: "Obwohl sie immer wieder beste Spieler abgeben müssen, halten sie sich da oben. Sie haben durchaus die Chance, auch dieses Jahr wieder in die Champions League zu kommen", so Magath.
Bundesliga "Überall noch mittendrin" - VfB Stuttgart will 2026 angreifen
Das Jahr 2025 endet für den VfB Stuttgart mit einem Unentschieden gegen Hoffenheim. Auch wenn sich das Team für dieses Heimspiel mehr erhofft hat, fällt die Bilanz positiv aus.
Magath erfindet das VfB-Markenzeichen "die jungen Wilden"
Es waren turbulente Zeiten beim VfB Stuttgart, als Felix Magath am 24. Februar 2001 verpflichtet wurde. Vorletzter in der Tabelle, es drohte der Abstieg. Magath schaffte den Klassenerhalt und prägte einen Trainingsstil, der oft belächelt wurde, ihm aber großen Respekt einbrachte. Unter Magath wurden "die jungen Wilden" zum Markenzeichen. Spieler wie Kevin Kuranyi, Philipp Lahm und Timo Hildebrand wurden Bundesligaspieler, viele schafften den Sprung in die Nationalmannschaft.
2003 holte Magath den 22-jährigen Claudemir Jerônimo Barreto, kurz Cacau, zum VfB. Heute sagt Cacau über Magath: "Felix hat mir beigebracht, meine Grenzen zu erweitern und zu zeigen, dass es möglich ist, weiterzukommen, mit eigenartigen Methoden, die nicht immer einfach waren. Die Spieler sich heutzutage beschweren, dass das Training zu hart war oder ist, dann wissen sie nicht, wie es hart sein kann."
Medizinbälle: Aus Felix wird 'Quälix' Magath
Den Spitznamen Quälix erarbeitet sich Magath. Er lässt Spieler im Stadion und auf dem Trainingsgelände Treppenstufen hochlaufen - nicht hochgehen, sondern hochrennen. Magath lässt Spieler mit schweren Medizinbällen laufen. So hat er es selbst gelernt, als Bundesligavereine noch keine Komfortzonen hatten: "Ich habe als Fußballtrainer gearbeitet, als noch nicht so viel Geld bei den Vereinen war. Die Bedingungen, die man hatte, waren halt begrenzt. Da hatte noch kein Verein ein Gym, wo die neuesten Geräte für 50.000 Euro rumstanden." So war das, als Magath in den 1990er Jahren beim Hamburger SV Trainer wurde: "Da war eine Sprossenwand unten im Keller und drei Medizinbälle. Also musste ich damit leben, was da ist und damit arbeiten. Und das habe ich gemacht."
Magath: "Ich liebe es, Spiele zu entwickeln"
Auch beim VfB Stuttgart zahlen die jungen Spieler die Investitionen des Trainers zurück. Die Währung sind Leistung, Dankbarkeit, Respekt. Auch deshalb sagt der heute 72-jährige Magath: "Die schönste Zeit in meiner Trainerlaufbahn, das war die in Stuttgart gewesen, ich habe mich hier sehr wohl gefühlt." Es war, so ergänzt Magath bei SWR Sport, "auch eben die Arbeit, die ich geliebt habe, Spiele zu entwickeln. Ich war immer der Meinung, dass Fußball halt deswegen auch ein schönes Spiel ist, weil man mit mehr kämpferischer Leistung und mehr Laufbereitschaft eben auch fehlende Technik oder fehlende taktische Möglichkeiten ausgleichen kann."
Felix Magath - Mitmacher statt Mitläufer
Als Trainer kann Magath aber auch anders: "Wenn ich von anderen was verlange, dann muss ich auch selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Ich habe mich nicht in den Lehnstuhl gesetzt und habe zugeguckt." Magath, der Mitmacher: "Ich habe nie nur mitgemacht, sondern ich habe das ganze Jahr vorbereitet und dann es auch bis zum Ende durchgeführt." Magath fühlte sich immer verantwortlich "für das, was die Mannschaft abgeliefert hat". Mit harten Entscheidungen hat er sich nicht herumgequält: "Wenn ich einen Spieler hatte, der partout nicht verstehen wollte, dass er was ändern muss an seinem Spiel, dann habe ich auch auf so einen Spieler verzichtet."
Magaths Trainerrekord beim VfB könnte fallen
Wenn Sebastian Hoeneß jedoch weiterhin VfB-Trainer bleibt, dann könnte Felix Magath seinen Rekord mit der längsten Zeit als Trainer beim VfB los sein. Ende Juni 2026 könnte es soweit sein. Felix Magath wäre ganz bestimmt einer der ersten Gratulanten.