Fußball | Bundesliga

"Rotations-Duell" in Stuttgart: VfB baut Serie gegen Mainz 05 aus

Der VfB Stuttgart feiert gegen Mainz 05 den fünften Bundesliga-Sieg in Folge. Beide Trainer setzen nach der Europapokal-Woche komplett auf Rotation.

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Stand

Von Autor/in Michi Glang

Der VfB Stuttgart hat den 1. FSV Mainz 05 am achten Bundesliga-Spieltag mit 2:1 (1:1) besiegt. Nadiem Amiri brachte die 05er per Handelfmeter in Führung (41. Minute). Chris Führich glich mit der letzten Aktion der ersten Halbzeit für den VfB aus (45.+4). Deniz Undav drehte in der Schlussphase das Spiel für die Schwaben (79.).

"Wir wollten Energie reinbringen und ich glaube, das haben wir gut umgesetzt - Respekt an alle", sagte Undav nach dem Abpfiff im Sportschau-Interview. "Es war auch schwer für einige Spieler, die zuletzt weniger gespielt haben, aber heute eine sehr gute Leistung gezeigt haben".

Bei den Mainzern herrschte dagegen Enttäuschung. "Das ist im Moment unser Hauptproblem: Dass wir zu einfache Tore fressen. Und dann wird es schwer, auch wenn wir heute eigentlich mit einer ordentlichen Leistung auf dem Platz gestanden haben", sagte Philipp Mwene. "Es gibt solche Phasen. Ich habe hier schon einige davon erlebt, wo es nicht so gut funktioniert hat. Aber wir haben es immer wieder geschafft, da raus zu kommen."

Die beiden Teams kamen mit unterschiedlichen Gemütslagen aus der Europapokal-Woche. Während der VfB sich bei Fenerbahce Istanbul in der Europa League mit 0:1 geschlagen geben musste, hatten die Mainzer in der Conference League gegen Zrinjski Mostar den zweiten Sieg im zweiten Spiel gefeiert (1:0).

Sowohl der VfB als auch die 05er starteten mit einem komplett neuen Gesicht. Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß wechselte im Vergleich zum Istanbul-Spiel auf zehn (!) Positionen, einzig Keeper Alexander Nübel startete erneut. Zehn personelle Wechsel innerhalb einer Saison, das hatte es bei den Schwaben zuletzt im Jahr 2000 gegeben. Bei den Schwaben feierte Dan-Axel Zagadou nach 13 Monaten sein Bundesliga-Comeback. Und auch aus der Mainzer Startelf unter der Woche blieben lediglich vier Akteure übrig: Robin Zentner, Kaishu Sano, Dominik Kohr und Kapitän Silvan Widmer.

VfB-Kapitän Undav scheitert an Zentner

Beide Mannschaften starteten ohne großes Abtasten. Die erste Offensivaktion gehörte dem VfB, doch Danny da Costa klärte eine Flanke von Pascal Stenzel zur Ecke (4.). Auf der anderen Seite setzte Jae-sung Lee eine Hereingabe von Benedict Hollerbach neben das Tor (5.). Die Stuttgarter hatten mehr Ballbesitz und waren um die Spielkontrolle bemüht. Erstmals richtig gefährlich wurde der VfB, als Jamie Leweling eine Bogenlampe Richtung linken Winkel köpfte, Keeper Zentner den Ball aber sehenswert über die Latte lenkte (13.).

Die Mainzer hingegen versuchten ihr Glück zumeist über Konter mit dem Offensiv-Trio Hollerbach, Lee und Paul Nebel, konnten die Stuttgarter Defensive aber nicht wirklich überraschen. So bot sich die nächste Chance wieder dem VfB: Chris Führichs Querpass gelang über Umwege zu Deniz Undav. Doch der Angreifer, der den VfB aufs Feld geführt hatte, scheiterte aus kurzer Distanz an Zentner (19.).

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Amiri bleibt eiskalt

In der Stuttgarter Arena war es derweil bereits seit einigen Minuten still geworden, weil es im Gästeblock zu einem Rettungssanitäter-Einsatz gekommen war, wie die 05er auf X mitteilten. Auf dem Feld setzten die Mainzer den nächsten Akzent. Eine Freistoß-Flanke von Nadiem Amiri köpfte da Costa ganz knapp am langen Pfosten vorbei (23.). Kurz darauf drosch Philipp Mwene den Ball aus elf Metern weit über das Tor (27.).

Nach gut einer halben Stunde tauchte der VfB mal wieder gefährlich im Strafraum auf. Stenzel kam am langen Pfosten an den Ball und brachte ihn nochmal scharf nach innen, im Anschluss wurde Führichs Versuch geblockt (34.). Der Druck der Gastgeber nahm nun zu, Zagadou setzte seinen Kopfball nach einer Ecke etwas zu hoch an (37.).

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Führich kontert per Traumtor

In der 39. Minute brandete dann Applaus im Stadion auf, als bekanntgegeben wurde, dass die behandelte Person aus dem Mainzer Block zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht wurde. Fast zeitgleich hatte Zagadou seinem Mitspieler Chema den Ball aus kurzer Distanz an den ausgestreckten Arm geköpft. Schiedsrichter Felix Zwayer wurde vom VAR an die Seitenlinie geschickt, um sich die Situation noch einmal anzuschauen - und entschied auf Strafstoß für Mainz. Amiri ließ sich die Chance nicht entgehen und traf zur Führung der Gäste (41.).

VfB-Trainer Hoeneß äußerte seinen Unmut derart deutlich, dass er im Nachgang noch die Gelbe Karte sah. Mainz zog sich nach der Führung zurück und überließ dem VfB noch mehr das Mittelfeld. Die nächste Möglichkeit hatte erneut Zagadou, der Zentner mit einem 20-Meter-Schuss prüfte (45.). Dann schlug die Stunde von Chris Führich. Der Linksaußen zog in die Mitte, fasste sich ein Herz und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck - ein tolles Tor (45.+4). Die Mainzer kassierten damit auch im 19. Ligaspiel in Folge mindestens ein Gegentor.

Zentner direkt wieder gefordert

Gerade einmal 30 Sekunden waren im zweiten Abschnitt gespielt, als Stenzel Zentner zur nächsten Parade zwang, der Mainzer Schlussmann konnte den Ball über die Latte lenken (46.). Der VfB agierte nun mit mehr Druck als vor der Pause, Mainz war vor allem um Stabilität bemüht. Dennoch tat sich nach einem Vorstoß von da Costa eine Möglichkeit auf, doch Nübel packte beim Flachschuss des Verteidigers sicher zu (55.).

In der 60. Minute forderte die VfB-Fans nach einem Einsteigen von Stefan Bell gegen Undav Elfmeter, doch der Angreifer hatte zuvor im Abseits gestanden. Vier Minuten später kam Leweling im Strafraum zum Abschluss, doch Dominik Kohr konnte den Ball im letzten Moment blocken.

Viele Wechsel - Undav eiskalt

Es begann die große Zeit der Wechsel, beide Trainer schickten zahlreiche neue Kräfte aufs Feld. Gut zehn Minuten vor dem Ende ging der VfB dann in Führung - und das durchaus kurios. Keeper Nübel spielte einen langen Ball, den aufgrund von Abstimmungsproblemen kein 05er erreichte. So konnte Undav alleine auf Zentner zueilen und den Schlussmann überlupfen. Es war der erste Saisontreffer des DFB-Angreifers.

Die Schwaben zogen sich nach der Führung nicht zurück, sondern suchten weiter den Weg nach vorne, um die Entscheidung herbeizuführen. Mainz-Coach Bo Henriksen versuchte es nochmal mit neuem Personal, brachte Nelson Weiper, den Siegtorschützen des Spiels gegen Mostar. Der ebenfalls eingewechselte Nikolas Veratschnig vergab per Kopf die Chance zum Ausgleich (90.+1). In der Nachspielzeit flog Flanke um Flanke in den Stuttgarter Strafraum, das 2:2 gelang den Rheinhessen aber nicht mehr.

Durch den Sieg steht der VfB mit 18 Punkten auf Rang drei. Die Mainzer bleiben mit vier Zählern auf dem Relegationsrang stecken.

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