Erstaunliche Statistik

"Ging um keinen Schönheitspreis": Fünf Erkenntnisse für den VfB Stuttgart aus dem Leipzig-Spiel

Der VfB Stuttgart hat durch den Sieg gegen RB Leipzig im Kampf um die Champions-League-Teilnahme ein starkes Zeichen gesetzt. Die Schwaben können aus dem umkämpften Spiel einige Erkenntnisse ziehen.

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Von Autor/in Johann Schicklinski

Es war ein hartes Stück Arbeit: Dank des goldenen Treffers von Deniz Undav (56. Minute) setzte sich der VfB Stuttgart mit 1:0 (0:0) gegen RB Leipzig durch und hat als Tabellenvierter jetzt drei Zähler Vorsprung auf den Fünften aus Sachsen. "Big points" also im Rennen um die Teilnahme an der Champions League, für die sich nach aktuellem Stand am Saisonende die ersten vier Klubs qualifizieren.

Die Schwaben entschieden somit im Jahr 2026 nach dem 4:1 in Leverkusen und dem 3:2 gegen Eintracht Frankfurt auch das dritte Spitzenspiel für sich - und dürfen einige Erkenntnisse mit in die "Crunch time" der aktuellen Spielzeit nehmen.

1. Auf Deniz Undav ist Verlass

Undav trifft momentan, wie er will. Durch das Tor gegen Leipzig hat Undav nun in fünf aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen genetzt, insgesamt hat er in 20 Bundesligaspielen 16 Treffer erzielt und vier weitere Tore vorbereitet. Zu Saisonbeginn fehlte Undav knapp anderthalb Monate verletzt, seit dem achten Spieltag hat er 20 Torbeteiligungen gesammelt - so viele wie Harry Kane von den Bayern. Nur Michael Olise (21) hat in der Bundesliga seitdem noch eine bessere Bilanz. Eine Nominierung für die Test-Länderspiele am 27. März in Basel gegen die Schweiz sowie drei Tage später in Stuttgart gegen Ghana sollte außer Frage stehen.

Dem 29-Jährigen behagt die Rolle als "falsche Neun", er spielt um Stoßstrürmer Ermedin Demirovic herum und ist durch sein Spielverständnis jederzeit in der Lage, eine Chance zu kreieren oder selbst zu treffen. Ebenso wichtig ist für den VfB Stuttgart ist Undavs Ehrgeiz. Der Angreifer hat hohe Ansprüche an sich selbst und seine Kollegen und lässt den Frust auch raus, wenn es mal nicht so läuft. Das pusht das Team. Und Undav bleibt fokussiert - in dem Wissen, dass noch nichts erreicht ist. "Wir freuen uns, dass wir gegen einen direkten Konkurrenten gewonnen haben – aber es sind auch nur drei Punkte", sagte er nach dem Sieg gegen Leipzig und forderte: "Wir haben noch ein toughes Programm und müssen weiterhin Vollgas geben."

2. Der VfB glänzt nicht, aber er liefert beständig

Der VfB Stuttgart spielt aktuell nicht die Sterne vom Himmel, auch gegen Leipzig nicht. Aber die Ergebnisse stimmen meist, in den letzten 13 Bundesligaspielen gab es nur eine Niederlage - Anfang Februar beim FC St. Pauli (1:2). Das Team hat im Vergleich zur vergangenen Saison dazugelernt und die Dreifachbelastung verinnerlicht. Es spielt meist seriös und ist oft effektiv - Merkmale einer Spitzenmannschaft. Eine Statistik unterstreicht den Entwicklungsprozess des VfB: Nach den bisher elf internationalen Spielen holte Stuttgart am Wochenende darauf neun Siege und ein Remis - lediglich einmal verlor das Team von Trainer Sebastian Hoeneß.

Auch gegen RB brachte der VfB Kampf und Resilienz aufs Feld - dementsprechend zufrieden war der Coach. "Wir hatten eine Mannschaft auf dem Rasen, die extrem gefightet hat - es ging um keinen Schönheitspreis, sondern darum, das Spiel mit aller Konsequenz auf die eigene Seite zu ziehen", analysierte Hoeneß.

3. Das Team ist eine eingeschworene Gemeinschaft

Es mag wie eine Floskel klingen, doch der VfB Stuttgart ist tatsächlich eine Mannschaft. Die Chemie untereinander stimmt, alle ziehen an einem Strang. Zum einen betonen dies die Akteure immer wieder und weisen darauf hin, dass dieser Zusammenhalt außergewöhnlich und eben keine Selbstverständlichkeit ist. Zum anderen war auch gegen Leipzig sichtbar, wie sehr sich Einer für den Anderen freut. Etwa beim Pfostenkopfball von Leipzigs Willi Orban in der Nachspielzeit, als die Stuttgarter Ersatzspieler jubelten, als hätte der VfB gerade ein Tor geschossen. Oder, unmittelbar vor dem Abpfiff, bei Undavs Konterchance, als die ausgewechselten Chris Führich, Bilal El Khanouss, Atakan Karazor und Co. an der Seitenlinie mitgelaufen waren, weil es sie nicht mehr auf der Bank hielt.

4. Nur noch "Rotation light" tut dem VfB Stuttgart gut

Wichtig für den Zusammenhalt war auch die teilweise extreme Rotation von VfB-Coach Hoeneß in der Hinserie. Beim Tanz auf drei Hochzeiten wechselte der Trainer oftmals den Großteil seiner Startelf aus - mit dem Effekt, dass sich jeder mitgenommen und wichtig fühlen durfte. Jetzt, in der heißen Saisonphase, hat Hoeneß dies deutlich reduziert. Der 43-Jährige hat seinen Stamm - den er auch braucht. Undav, Demirovic, Angelo Stiller, Jamie Leweling, El Khanouss, Ramon Hendriks oder Keeper Alexander Nübel - sie alle sind Leistungsträger und aktuell mehr oder weniger gesetzt. Diese Eingespieltheit tut der Mannschaft gut.

5. Ramon Hendriks ist in Topform

Vom Super-Schnäppchen zum Leistungsträger - so könnte man den Werdegang von Hendriks beim VfB Stuttgart zusammenfassen. Ob als linker Innenverteidiger in einer Dreierkette oder auf der linken Außenbahn in einer Viererkette - Coach Hoeneß schätzt die Qualitäten des 24-jährigen Niederländers. Eine enorm hohe Endgeschwindigkeit, ein unbändiger Wille und ein immer besser werdendes progressives Passspiel zeichnen den Defensivspieler aus, der im Sommer 2024 für nur 800.000 Euro von Feyenoord Rotterdam zu den Schwaben gewechselt war. Als Ergänzung eingeplant hat er eine rasante Entwicklung hingelegt.

Hendriks gehört regelmäßig zu den besten Stuttgartern. Gegen Leipzig stellte er RB-Shootingstar Yan Diomande fast vollständig kalt - eines der größten Flügeltalente in Europa. Auch Antonio Nusa - ein weiterer Hochkaräter - biss sich am VfB-Verteidiger die Zähne aus. Hendriks selbst bleibt auf dem Boden. "Es war ein Sieg für die Tabelle, für das Selbstvertrauen, für die Form. Wir haben uns einen echten Fight mit Leipzig geliefert, beide Teams haben sich nichts geschenkt. Wir waren hellwach, in sämtlichen Situationen", sagte er nach dem Sieg gegen die Sachsen. "Ich bin stolz auf das gesamte Team. Jetzt werden wir schnell regenerieren und anschließend den Fokus auf das Achtelfinal-Rückspiel in Porto richten."

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Johann Schicklinski