Es war in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Treffer für Ermedin Demirovic. Selbstverständlich deshalb, weil er in der 90. Minute den 1:0-Sieg für den VfB Stuttgart im Südwestduell gegen den SC Freiburg ebnete. Und auch, weil Demirovic zum vierten Mal in Folge gegen seinen Ex-Klub Freiburg traf und den VfB damit weiterhin auf Champions-League-Kurs hielt. Sein fünftes Saisontor war auch ein außergewöhnlich sehenswertes, schließlich traf er den Ball aus rund 17 Metern volley so gut, dass er im rechten Winkel einschlug. Es war sein 50. Bundesliga-Tor, vor allem aber - und das war besonders bemerkenswert - sein Erstes von außerhalb des Strafraums. "Zum tausendsten Mal musste ich mir anhören: 'Warum schießt du nie von weitem? Du hast noch nie ein Tor gemacht außerhalb des Sechzehners.'" Und wenn es dann endlich klappt: "Dann explodiert es im Körper einfach", sagte der 27-Jährige nach der Partie.
Undav vergibt, hat aber entscheidende Idee
In gewisser Weise war dieser Treffer des ehemaligen Freiburgers auch die logische Pointe dieses Südwestduells. Ein Duell, das der VfB spielerisch dominierte, aber aufgrund einer zuletzt hin und wieder zu beobachtenden Ineffizienz lange nicht auf seine Seite zog. Allen voran Deniz Undav hatte in der ersten Hälfte mehrere gute Gelegenheiten, scheiterte aber an Freiburgs Torhüter Noah Atubolu und seiner eigenen Undav-untypischen Unruhe vor dem Tor. "Ich hatte eine Hundertprozentige, die ich am Tor vorbeischieße, bei der anderen rutsche ich aus. Im Endeffekt war es wichtig, die drei Punkte mitzunehmen", sagte Undav.
Eben jener Undav war es dann auch, der das Tor des in der 77. Minute eingewechselten Demirovic vorbereitete: mit einer schlauen und punktgenauen Flanke von der linken Seite. Seit Anfang November 2025 war Undav an 20 Pflichtspieltoren direkt beteiligt (13 Tore, 7 Assists) – das überbietet unter allen Spielern aus Europas Top-Fünf-Ligen nur Kylian Mbappé (23). "Wenige Spieler in der Bundesliga können mich so gut in Szene setzen wie er", lobte Demirovic seinen Sturmkollegen.
Fußball-Bundesliga "Mund halten": VfB-Stürmer Undav sendet Zeichen an seine Kritiker
Deniz Undav hat die Kritik der vergangenen Tage sichtlich genervt. Beim 3:0 in Mönchengladbach trifft der VfB-Stürmer wieder das Tor - und sendet ein Zeichen.
Demirovic hatte sein Tor vorausgesagt
Demirovics Treffer übrigens war noch aus zwei weiteren Gründen sehr besonders: Ihm gelang zum dritten Mal in dieser Saison das 1:0. Und für ihn vermutlich deutlich wichtiger: Seine Hamburger Familie war im Stadion. "Unfassbares Gefühl, ich weiß gar nicht, was mir durch den Kopf gegangen ist. Ich bin zu meiner Familie gelaufen, da waren so viele Leute heute da. Wir haben einen Geburtstag gefeiert, gefühlt war ganz Hamburg hier", sagte er. "Ich habe ihnen gesagt, ich werde treffen." Er behielt Recht.
Stuttgart marschiert Richtung Champions League
Nicht nur Demirovics Familie, auch die übrigen 60.000 Zuschauer in der Stuttgarter Arena waren euphorisiert. Vermutlich hatten nicht alle mit dieser Wendung gerechnet. Wobei der VfB schon mehrfach, zuletzt in der Europa League gegen Bern (3:2) bewiesen hat, dass er Spiele spät entscheiden kann. Die Stuttgarter haben die vergangenen sieben Bundesliga-Spiele nicht mehr verloren, fünf davon sogar gewonnen. Der Abstand auf die siebtplatzierten Freiburger ist auf zwölf Punkte angewachsen. Zahlen, die die Schwaben mit ihren nun 39 Punkten (drei vor RB Leipzig) zu immer ernster zu nehmenden Europapokal-, insbesondere aber Champions-League-Kandidaten, machen. Oder, um es etwas mit Demirovic zu sagen: "Es macht unglaublich viel Spaß gerade."
Schon am Mittwoch geht es für den VfB weiter: im Viertelfinale des DFB-Pokal bei Zweitligist Holstein Kiel (20:45 Uhr).