Fußball | Meinung

Kein Jubel gegen den Ex-Klub? Bitte feiert endlich wieder richtig!

Union Berlins Woo-yeong Jeong trifft im Spiel gegen seinen alten Verein VfB Stuttgart und verzichtet auf einen ausgiebigen Jubel. Trainer Steffen Baumgart "geht das auf den Zünder". Und das völlig zurecht, sagt SWR-Redakteur Michi Glang.

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Von Autor/in Michi Glang

Es lief die 83. Minute im Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und Union Berlin, als Jeong zum 1:1-Endstand traf und den Berlinern so einen Punkt beim Favoriten rettete. Doch statt dieses wichtige Tor ausgiebig zu feiern, hob er entschuldigend beide Hände. Der Grund: Jeong absolvierte in der Saison 2023/2024 26 Spiele für die Schwaben.

Der Jubelverzicht war also als Zeichen des Respekts vor dem ehemaligen Verein gemeint. Jeongs Trainer hatte jedoch eine andere Meinung. Gegen den Ex-Klub nicht zu jubeln, gehe ihm "auf den Zünder", wie Steffen Baumgart im SWR-Interview nach dem Spiel sagte. "Der spielt bei Union, dann soll er jubeln, wenn er das Tor macht."

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Ist der Jubelverzicht immer aufrichtig?

Auch wenn viele Leute in den Kommentarspalten Jeongs Verhalten loben, bin ich inhaltlich komplett bei Baumgart. Dieses inflationäre Nicht-Jubeln bei Toren gegen den früheren Verein wirkt auf mich nur in den seltensten Fällen aufrichtig. Dann, wenn ein Spieler eine ganz besondere Beziehung zu einem Klub hat, dort in der Jugend gespielt hat oder Legendenstatus besitzt. Klar, ein ausgiebiger Jubel von Miro Klose auf dem Betzenberg, wenn er für die Bayern getroffen hatte, wäre irritierend gewesen.

Aber sonst? Erstens glaube ich, dass in den allermeisten Fällen eben doch die Freude über das Tor überwiegt als das Mitfühlen mit einem von meistens mehreren Ex-Klubs. Und zweitens hilft das auch niemandem: Für keinen VfB-Fan fühlt sich der Gegentreffer weniger schlecht an, weil Jeong erstmal die Hände gehoben hat. Und einen Jubel krumm genommen hätte ihm sicher auch niemand.

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Baumgart hätte gejubelt

Dieses Ritual des Jubelverzichts hat sich in den Fußball eingeschlichen - aber nur in den Fußball. In der Formel 1 käme nie ein Fahrer auf die Idee, einen Grand-Prix-Sieg nicht zu bejubeln, nur weil der frühere Rennstall ja dadurch dieses Mal leer ausgegangen ist.

Im Fußball aber sieht man es regelmäßig, aus meiner Sicht viel zu oft. Also wünsche ich mir den Jubel auch gegen Ex-Vereine zurück. Man muss es ja nicht gleich so machen wie der Ex-Berliner Sandro Wagner, der in der Saison 2015/2016 im Olympiastadion für Darmstadt 98 traf und mit seinem Jubel vor der Ostkurve die Hertha-Fans zum Rasen brachte.

Aber über mehr Jubel, mehr echte Freude über einen ebenso wichtigen wie ansehnlichen Treffer hätte ich mich auch bei Jeong gefreut - statt einer Geste der Entschuldigung. Oder wie es Baumgart sagte: "Ich hätte gejubelt. Nicht, weil ich mal hier oder nicht hier war. Sondern, weil es ein geiles Tor war." Punkt. Bitte jubelt wieder richtig - auch gegen den Ex-Klub. Immerhin: Als Jeong nach dem Spiel von der Union-Kurve gefordert wurde und der Koreaner von den Kollegen etwas gedrängt wurde, da ging er auf die Fans zu, ballte die Fäuste und jubelte frei heraus.