Meinung: Das Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft

Die Mega-WM 2026: eine (un-)heimliche Revolution

Am 11. Juni beginnt die größte Fußball-WM aller Zeiten. 104 Spiele, 48 Mannschaften, riesige Entfernungen zwischen Vancouver, New York und Mexico City. Die FIFA und ihr Präsident Gianni Infantino sprengen alle Grenzen zu Gunsten der totalen Kommerzialisierung des Fußballs. Dafür verprellen sie die Fans und revolutionieren klammheimlich das Spiel. Ein Kommentar von Thomas Wehrle.

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Von Autor/in Thomas Wehrle

Diese Weltmeisterschaft wird den Fußball verändern. Sie hat es schon! Sie macht Fans auf den Kapverden, in Usbekistan, Curacao oder Jordanien glücklich - nur dank der Mega-WM dürfen sie mit ihren Teams dabei sein. Das macht den Fußball und seine WM offener und sogar ein bisschen demokratischer.

Die Speichelleckerei Gianni Infantinos mit dem FIFA-Friedenspreis für Donald Trump bei der Auslosung wirkt ganz anders: Hier biedert sich der Fußball bei den Mächtigen an, reißt die Trennung von Sport und Politik mutwillig ein. Der US-Präsident will umschmeichelt werden – der FIFA-Präsident tut es.

Künftig vier Viertel statt zwei Hälften

Die größte Veränderung am Spiel ist im Trubel der Auslosung untergegangen: die FIFA verabschiedet sich vom Fußball mit zwei Spielhälften. Bei jedem WM-Spiel wird es eine Trinkpause nach 25 Minuten jeder Spielhälfte geben. Egal wie heiß es ist, egal ob das Stadion ein Dach hat und klimatisiert ist. Nach 25 Minuten wird das Spiel für drei Minuten unterbrochen. Beste Werbezeit und der Start in eine Fußball-Zukunft mit vier Vierteln statt der traditionellen zwei Spielhälften. Für mich eine Revolution des Spiels durch die Hintertür.

Sinsheim

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Die Kommerzialisierung setzt sich fort

Bei Infantinos FIFA triumphiert der Kommerz in beispielloser Form. Der Spielplan beschert den Fans über ein Dutzend verschiedene Anstoßzeiten. Jeder Markt soll bestmöglich bedient werden. Auch das gab es noch nie.

104 Spiele erwarten uns - zwischen 18 Uhr und 6 Uhr morgens mit den Kapverden, Usbekistan, Curacao und Jordanien. Die wenigstens Fans werden es sich leisten können vor Ort zu sein. Stichwort Mondpreise bei den Tickets. Ich bin gespannt, ob sich bei uns echtes WM-Fieber entwickelt oder die Fülle der Nacht-Spiele schlicht ermüdend wirkt.

Funktioniert Infantinos Kommerz-Revolution? Das entscheiden am Ende glücklicherweise weder er noch Donald Trump sondern vielleicht Julian Nagelsmann, sein Team und vor allem jeder einzelne von uns.

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