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Aus der HB Ludwigsburg: Loslassen fällt Döll und Co. schwer

Von der Champions League zum finanziellen Aus: Top-Spielerin Antje Döll spricht über die Insolvenz der HB Ludwigsburg und ihre Sorgen um den deutschen Handball.

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Von Autor/in Michael Richmann

Zehn Jahre hat Antje Döll für die HB Ludwigsburg Handball gespielt - beziehungsweise für den Vorgänger-Verein SG BBM Bietigheim. Gerne hätte die 36-Jährige ihre Karriere auch in der Barockstadt beendet. Doch die Insolvenz der Ludwigsburgerinnen hat diese Liaison jäh beendet.

Das endgültige Bundesliga-Aus der HB Ludwigsburg konnte die Spielführerin der deutschen Nationalmannschaft dann nicht mehr großartig schocken: "Für mich persönlich war es irgendwie schon vorher klar, dass es da keine Rettung geben wird", sagt sie im Interview mit SWR Sport. Zu viele Top-Spielerinnen hätten den Verein in der Zwischenzeit verlassen, "dann eine wirkliche Mannschaft zu stellen, habe ich schon als sehr schwierig erachtet".

Döll hatte das Vertrauen in die HB Ludwigsburg verloren

Döll ist eine dieser Spielerinnen. Seit Mitte August spielt sie bei der Sport-Union Neckarsulm. Den verzweifelten Versuch der Verantwortlichen, doch noch irgendwie ein Jahr Bundesliga auf die Beine zu stellen, hat sie irgendwann nicht mehr mitgemacht: "Ich habe mein Vertrauen in die verantwortlichen Personen leider verloren."

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Dabei hätte sie zugunsten ihres Herzensvereins notfalls auch auf Gehalt verzichtet. Das sei jedoch nie Thema gewesen: "Ob es was gebracht hätte weiß keiner." Sie hätte es Stadt und Verein jedoch gegönnt, dass es weitergeht, sie sei auch "immer noch traurig". Aber Ludwigsburg ist Vergangenheit. "Ich muss sagen, mit dem Wechsel hierher habe ich mit dem Thema Ludwigsburg abschließen müssen."

Auch Dölls Herz hing an der HB Ludwigsburg

Die Saison-Vorbereitung mit dem neuen Klub habe sie ganz schön gefordert, "man war viel abgelenkt". Aber die HB Ludwigsburg war für die Spielerinnen mehr als nur ein Handball-Team. Es war wie in einer Familie. "Es gab immer so ein paar emotionale Momente. Dass Xenia Smits dann bei meinem ersten Testspiel auf der Tribüne saß, da kommen einem irgendwie doch die Tränen."

Komplett loslassen fällt schwer, wenn das Umfeld immer wieder fragt, wie es so läuft - unmittelbar nach dem Desaster. "Da kann ich den Leuten natürlich auch keinen Vorwurf machen, dass sie fragen, wie es mir geht, was ich auch sehr nett finde. Ich hoffe, dass es jetzt einfach von Woche zu Woche weniger wird und dass ich hier dann auch zu hundert Prozent angekommen bin." Dölls Aufmerksamkeit gilt der Sport-Union Neckarsulm und der Vorbereitung auf den Bundesliga-Auftakt gegen die HSG Bensheim/Auerbach am kommenden Freitag (28.08.2025, 19:30 Uhr).

Döll sorgt sich um den deutschen Frauen-Handball

Döll sorgt sich jedoch auch um den Handball-Standort Deutschland. Dass der fünffache Deutsche Meister, dreifache Pokalsieger und Europapokal-Sieger wenige Wochen vor der WM im eigenen Land keine Sponsoren mehr findet und Insolvenz anmelden muss, sei ein "ganz, ganz schlechtes Zeichen". Die HB Ludwigsburg war das Aushängeschild des deutschen Frauen-Handballs.

"Wir haben es vor zwei Jahren ins Champions-League-Finale geschafft, was eine deutsche Mannschaft noch nie geschafft hatte", erinnert Döll. "Da haben einige gesagt: 'Das ist die richtige Richtung'. Wir hätten den Frauen-Handball mit der HB Ludwigsburg auch gerne nach vorne gepusht." Immerhin: "Es wird jetzt in der Bundesliga spannender werden, definitiv." Dennoch spricht Döll ob der Insolvenz von "Wahnsinn".

Sie hoffe, dass die Handball-WM in Deutschland (27. November bis 14. Dezember 2025) den Image-Schaden etwas auffangen kann. Dazu will sie ihren Teil beitragen: "Persönlich wünsche ich mir, dass ich so etwas nicht noch einmal miterleben muss. Das hat schon sehr an meinen Nerven gezerrt. Nun hoffe ich, dass ich möglichst schnell in dieses Team reinfinde, meine Leistung optimal abrufen kann und dann top-ready in die WM starte."

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Michael Richmann
Michael Richmann ist Sportredakteur, Podcast- und Feature-Autor für SWR Sport und SWR Kultur.
Das Interview führte
Melissa Heinz