Eltern begleiten Sohn Florian bei der Tour de France

Vater Marc Lipowitz - "Ein Ziiiiieh als Erkennungszeichen an der Strecke"

Evelyn und Marc Lipowitz begleiten ihren Sohn Florian mit dem Wohnmobil bei der Tour de France. Sie hoffen vor allem, dass er gesund in Paris ankommt - egal auf welchem Platz.

Teilen

Stand

Von Autor/in Jürgen Klotz

Evelyn und Marc Lipowitz fahren seit vergangenem Sonntag (13.7.) mit dem Wohnmobil durch Frankreich. Das wäre an sich nichts Besonderes, würden sie ihren Sohn Florian nicht begleiten. Er ist am Samstagnachmittag auf Platz drei der Gesamtwertung der Tour de France gefahren.

"Sie können sich das nicht vorstellen", erzählt Marc Lipowitz am Telefon, "entlang der Strecke stehen tausende Wohnmobile. Das ist unbeschreiblich, phänomenal. Wie viele Sportbegeisterte bei der Tour mitreisen." Die Tour-Euphorie in Frankreich macht den Urlaub von Evelyn und Marc Lipowitz allerdings immer wieder zur Strapaze. Die Eltern versuchen immer, auf den Schlusskilometern einer Etappe an der Strecke zu stehen. Dort dürfen sie allerdings am Tag der Etappe nicht mehr hinfahren. "Wir mussten schon acht bis zehn Kilometer den Berg hoch laufen. Einmal gab es zum Glück auch eine Gondel", so Marc Lipowitz.

Die Reisepläne sind kurzfristig entstanden

Die Idee, Florian bis Paris zu begleiten, sei ziemlich kurzfristig entstanden, so Marc Lipowitz. Bedingung sei für sie gewesen, dass Florian die erste Tour-Woche sturzfrei übersteht und noch mitfährt. Mitgefahren ist im Wohnmobil der Familie übrigens auch Toni - der Zwergpudel der Familie Lipowitz. Im Radsport-Jargon hat er sozusagen die Rolle des Edel-Helfers. Wer übrigens glaubt, Evelyn und Marc Lipowitz würden im Tour-Wahnsinn an der Strecke komplett untergehen und von ihrem Sohn gar nicht wahrgenommen, der liegt völlig daneben.

Ein "Ziiiiieh" aus dem Wintersport als Erkennungszeichen

Das Ehepaar Lipowitz hat sich bei den letzten Etappen der Tour de France Plätze ausgesucht, an denen es recht steil war. Entsprechend langsam fuhren die Fahrer samt Florian an ihnen vorbei. "Wir schreien dann richtig laut", erzählen die beiden. Die Eltern rufen dann ein langes "Ziiiiieh", das man eigentlich aus dem Wintersport kennt. Damit haben sie Florian vor ein paar Jahren noch beim Biathlon angefeuert. Manchmal verraten Evelyn und Marc Lipowitz auch den Menschen, die neben ihnen stehen, dass Florian ihr Sohn ist. "Die Menschen wollen dann wissen, was sie rufen sollen, wenn Florian kommt." So mischt sich in das lange "Ziiiiieh" manchmal auch ein "Floooooo", aus spanischen und französischen Radsportfan-Kehlen, erzählt Marc Lipowitz und kommt dabei leicht ins Schwärmen.

Florian Lipowitz 2017 am Col de Tourmalet
Florian Lipowitz (links) 2017 am Col de Tourmalet. Daneben Bruder Philipp und Vater Marc.

Schon einmal am Col de Tourmalet "geübt"

Am Samstag hatte Familie Lipowitz am Col de Tourmalet in den Pyrenäen übrigens ein "Deja-Vu". Vor acht Jahren fuhr Papa Marc mit seinen Söhnen Philipp und Florian schon einmal mit dem Rennrad über den legendären Berg der Tour. Mama Evelyn saß im "Begleitfahrzeug" Wohnmobil. Dass Florian gut und gerne Rad fährt, habe sich schon früh gezeigt, erzählt Marc Lipowitz. Vielleicht fiel der Apfel ja nicht weit vom Stamm. Papa Marc war früher schon ein ambitionierter Hobby-Radfahrer. Er gewann unter anderem den Engadin-Rad-Marathon - so wie Florian einige Jahre später. Vater und Sohn stellten dabei übrigens einen Streckenrekord auf.

"Dankbar klingt besser als stolz sein"

Dass Florian auf dem besten Weg ist, die Tour de France als Dritter zu beenden, ruft in Familie Lipowitz übrigens gemischte Gefühle hervor. "Wir sind sehr dankbar für das, was wir erleben dürfen", sagt Marc Lipowitz. Wenige Minuten sehen sich Eltern und Sohn nach oder vor den Etappen bei der Tour de France. "Wir halten uns da als Eltern sehr zurück", betont Marc Lipowitz.

Für mich ist er einfach weiter der Florian. Bescheiden, wie wir ihn erzogen haben.

Er erlebe seinen Sohn konzentriert und professionell. Für ihn sei er aber weiterhin "einfach der Florian". Das Wichtigste sei für die ganze Familie, dass Florian gesund Paris erreiche - Podiumsplatz hin oder her. Es könne manchmal im Radsport sehr schnell gehen. Papa Marc tritt hörbar ein wenig auf die Bremse, während Florian auf dem Rennrad Vollgas gibt. Hochmut komme vor dem Fall, darauf wolle man es nicht ankommen lassen, sagt der Papa. Evelyn und Marc Lipowitz verfolgen in diesen Tagen deshalb auch kaum den Medien-Hype, den Florian in Deutschland ausgelöst hat. Was in ihrer Heimat Laichingen (Alb-Donau-Kreis) los ist, kann Familie Lipowitz nur erahnen - durch die tägliche Flut an Sprach- und WhatsApp-Nachrichten.

Gemeinsam nach Paris

Evelyn und Marc Lipowitz wollen ihrem Sohn im Wohnmobil bis Paris folgen. Nächste Woche bekommen sie sogar noch Verstärkung. Dann kommt Bruder Philipp vorbei. Er bereitet sich derzeit auf die kommende Biathlon-Saison vor. Dass Florian vor einigen Jahren vom Biathlon zum Radsport gewechselt ist, kommentiert Marc Lipowitz augenzwinkernd. "Beim Radsport ist es wärmer, wenn man zuschaut." Allerdings sei es beim Biathlon besser, dass die Athleten mehrmals an den Zuschauern vorbei kämen. "Das sind ja im Radsport nur ein paar Sekunden." Aber selbst da kann ein langes "Ziiiiiieh" bekanntlich Wunder bewirken.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Jürgen Klotz