Bereits drei mal konnte Max Walscheid sich den Traum von der Teilnahme an der Tour de France selbst erfüllen. In diesem Jahr muss der 32-Jährige passen: Bei einem Sturz bei einem Rennen in Belgien Mitte Juni zog er sich einen Ellbogenbruch zu, der sich letztlich als zu komplex für eine Teilnahme herausstellte.
So bleibt dem Neuwieder bei der Großen Schleife in diesem Jahr nur die Zuschauerrolle, wo Florian Lipowitz sich anschickt, um einen Platz auf dem Podium mitzufahren. "Persönlich freue ich mich sehr über die Leistung von Florian Lipowitz. Es ist echt schön, einen deutschen Fahrer zu haben, der auf dem Niveau fährt und der auch noch so jung ist und so viel Potenzial hat", sagte Walscheid im Interview mit SWR1 Stadion über den 24-Jährigen, der nur durch einen Zufall zum Radsport kam. Nach einer Verletzung musste er einst als hoffnungsvolles Biathlon-Talent in der Reha auf dem Rad schuften und fand Gefallen daran.
Radsport | Tour de France Jetzt auf dem Podium: Florian Lipowitz beeindruckt weiter bei der Tour
Florian Lipowitz erlebt in den Pyrenäen das nächste Highlight in seiner jungen Karriere. Er übernimmt den dritten Tour-Gesamtrang und das Weiße Trikot.
Walscheid traut Lipowitz das Podium zu
Neben der sportlichen Top-Leistung schätzt Walscheid seinen Kollegen auch persönlich. "Ich finde, dass er wirklich ein netter Kerl ist, und es wäre ihm sehr zu gönnen, wenn er die Tour mit einem Top-Ergebnis abschließen könnte", so Walscheid. "Unabhängig davon hat Florian aber noch viel Zeit, um in seiner Karriere noch gute Resultate einzufahren."
Was Lipowitz bei der Tour bislang gezeigt habe, sei "jetzt schon unverrückbar", so Walscheid. "Das hat er schon auf seinem Account, das kann ihm keiner mehr nehmen." Der Weg nach Paris sei zwar noch ein weiter, doch Walscheid traut Lipowitz zu, "bis zum Ende dranzubleiben". Mit Prognosen solle man zwar wegen möglicher Defekte, Stürze oder Krankheiten vorsichtig sein, aber: "Ich denke, dass Lipowitz auf den dritten Platz fahren wird."
Der Toursieg wird nur über Tadej Pogacar führen. Da ist sich Walscheid mit praktisch allen Experten einig. Der Slowene hat bereits mehrere Minuten Vorsprung herausgefahren und macht auch auf den schweren Bergetappen einen überragenden Eindruck. "Er hat einfach mehr Watt pro Kilogramm, so einfach kann man das sagen", so Walscheid über die Ausnahmestellung des Slowenen, der die Tour bereits 2020, 2021 und 2024 für sich entschied.
Lipowitz hat Basis für "tolle Jahre" im Radsport
Eine enge persönliche Verbindung gibt es zwischen Walscheid und Lipowitz indes nicht. Man kenne sich aus Gesprächen während der Rennen, wie das mit jedem deutschen Fahrer sei. Aus der Ferne betrachtet gewinnt Walscheid jedoch den Eindruck, dass Lipowitz auch in der Stunde der Erfolge in Frankreich seine ruhige und höfliche Art beibehält.
"Er bleibt mit beiden Füßen auf dem Boden", so Walscheid. "Das ist für ihn auch mit Sicherheit mit Hinblick auf die kommenden Jahre und seine Entwicklung der beste Ratschlag." Physisch und auch abseits des Rades scheint bei Lipowitz alles zu passen. "Er hat eine extrem gute Basis für tolle Jahre im Radsport."
Walscheid selbst verfolgt die Tour aus der Zuschauerperspektive. "Klar, so lange die Tour andauert, weiß ich, bei dem Rennen wäre ich unter normalen Umständen dabei gewesen. Aber das hilft ja nix. Ich nehme es so, wie es kommt. Mir macht es auch Spaß, das Rennen anzugucken", so der 32-Jährige. Und Lipowitz auf dem Weg nach Paris weiter die Daumen zu drücken.