Leichtathletik

Gesa Krause träumt von EM-Medaille: "Ohne meine Familie wäre es nicht machbar"

Gesa Krause vom Verein Silvesterlauf Trier überzeugt mit neuer Halbmarathon-Bestzeit und peilt bei der EM über 3000 Meter Hindernis eine Medaille an. Mit ihrer Familie tankt sie über Ostern Kraft für den Sommer.

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Von Autor/in Marcel Fehr

Mit einem erleichterten Lächeln überquert Gesa Krause beim Halbmarathon in Berlin die Ziellinie. Sie läuft die 21,1 Kilometer so schnell wie noch nie und stellt mit 1:08:59 Stunden sogar einen neuen Rheinland-Pfalz-Rekord auf.

"Das war das Highlight meiner Frühjahrssaison, ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat und optimistisch, was den weiteren Saisonverlauf angeht", erzählt sie im Gespräch mit SWR Sport ein paar Tage später im Familienurlaub mit Partner Robert und Tochter Lola in Österreich. Der Ausflug auf die Straße ist für sie jetzt vorerst beendet, im Sommer möchte Gesa Krause wieder über ihre Lieblingsdisziplin, dem 3000-Meter-Hindernislauf an den Start gehen.

Steile Lernkurve im Straßenlauf

Eigentlich ist die Tartanbahn das Zuhause von Gesa Krause. Auf der Rundbahn im Stadion hat sie über die Hindernisstrecke bereits WM- und EM-Medaillen gesammelt und bei drei Olympischen Spielen das Finale erreicht. Mittlerweile startet die 33-Jährige immer öfter auch bei Straßenlauf-Events und wagte im vergangenen Winter einen ersten Versuch über die Marathondistanz. Doch bei ihrem Marathon-Debüt musste sie aufgeben.

Irgendwann wird sie einen neuen Versuch wagen, denn mit ihrer neuen Bestleistung über die halbe Distanz deutet sich an, dass sie auch im Marathon viel Potenzial mitbringt: "Ich habe noch eine offene Rechnung mit dem Marathon. Dieses Jahr wird das zeitlich nichts, aber ich werde das Projekt ohne Druck nochmal neu angehen."

Gesa Krause: Von 3.000 Meter Hindernis zum Marathon | SWR Sport

"Ich hatte in Berlin eine wirklich gute Renneinteilung. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und bin ein bisschen konservativer angelaufen. Ich konnte die Atmosphäre aufsaugen und war einfach in einem Flow", reflektiert Krause das Rennen in Berlin. Auf den letzten Kilometern konnte sie das Tempo noch einmal deutlich steigern, worauf sie sehr stolz ist: "Ich will mal ganz frech behaupten, dass ich da noch ein paar Körner im Tank habe und diese Bestzeit weiter pulverisieren kann."

Gesa Krause: "Straßenlauf hat seinen eigenen Charme"

Der Straßenlauf bereitet Gesa Krause zunehmend Freude. Ihre Ergebnisse werden besser, die taktischen Fähigkeiten baut sie aus und bekommt immer mehr ein Gefühl für das neue Terrain. Trotzdem möchte sie nichts überstürzen: "Es braucht Zeit, bis man da richtig Fuß fasst. Nicht alle Rennen fühlen sich so toll an, wie man sich das wünscht. Ich habe auch schon viel Lehrgeld bezahlt."

Die erfahrene Hindernisläuferin macht sich keinen unnötigen Druck: "Ich bin froh, dass ich so eine weite Range habe, dass ich 800 Meter laufen kann, 3000-Meter-Hindernis und eben auch Halbmarathon."

Gesa Krause mit straffem Zeitplan bis zum Sommer

Mit dem Halbmarathon in Berlin hat Gesa Krause ihre Straßenlaufsaison erstmal beendet. Der Fokus richtet sich nun klar auf die Europameisterschaften im Sommer in Birmingham (10.8. - 16.8.). Nach einem Familienurlaub in Österreich und einer kurzen Verschnaufpause über die Osterfeiertage steht für die Sportsoldatin zunächst ein fünfwöchiger Bundeswehrlehrgang auf dem Plan, bevor nach weiteren Trainingslagern im Juni die ersten Wettkämpfe auf der Bahn anstehen.

Der Zeitplan ist straff und eine Herausforderung für die junge Familie: "Ich werde auch unter der Woche oft von meiner Tochter und meinem Mann getrennt sein, das ist für uns eine strapaziöse Zeit."

Kraft tanken mit Familie über Ostern

Zwischen Training und Bundeswehrlehrgang sei es kaum möglich ausreichend Zeit mit ihrer Tochter Lola zu verbringen. Deshalb seien Auszeiten wie der Osterurlaub für sie und ihre Familie wichtig, um Kraft zu tanken und das Laufen auch mal hinten anzustellen. "Davon zehren wir dann in den kommenden Wochen und Monaten. Wir genießen es in vollen Zügen, einfach mal gemeinsam unterwegs sein zu können."

Gesa Krause über Saison 2026: "Es wird krass, intensiv und voll"

"Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich jedes Jahr sage, es wir krass, intensiv und voll. Und jedes Jahr wird es dann gefühlt nochmal etwas mehr", verrät Gesa Krause mit Blick auf die Jahresplanung. Aber sie hat einen Umgang gefunden, den vollen Terminkalender zu meistern: "Wenn ich das Gesamte sehe, dann erdrückt es mich manchmal schon. Aber ich habe gelernt, immer einen Schritt vor den anderen zu setzen".

Für die Dillenburgerin ist es trotz allem ein Privileg den Leistungssport zum Beruf machen zu können. Dafür ist sie ihrer Familie, ihrem Partner, ihren Sponsoren und ihrem Arbeitgeber, der Bundeswehr, sehr dankbar. Ohne all diese Säulen wäre es für sie kaum möglich, Leistungssport und Familie unter einen Hut zu bekommen: "Wir kommunizieren alle viel miteinander und arbeiten Hand in Hand. Es ist nicht immer einfach, es ist auch viel Improvisieren, es ist viel aus dem Koffer leben, aber ich empfinde viel Dankbarkeit für die Momente, die wir erleben dürfen. Ohne meine Familie wäre es nicht machbar."

Krauses Ziel: EM-Medaille im Hindernislauf

Mit den Straßenlauf-Bestzeiten über 5 Kilometer und dem Halbmarathon nimmt Gesa Krause ordentlich Selbstvertrauen mit auf ihrem Weg in Richtung Europameisterschaft im Sommer: "Absolut zufrieden wäre ich mit einer Bestzeit und einer EM-Medaille. Ich habe das Gefühl, ich bin mit dem Hindernis-Thema noch nicht durch. Ich habe das Gefühl, ich habe da noch Ressourcen und bin einfach sehr neugierig, wie weit ich da kommen kann."

In Birmingham wäre es das sechste Mal, dass Gesa Krause bei einer Freiluft-Europameisterschaft am Start steht. Von Bronze über Silber bis Gold hat sie bereits alle EM-Medaillen gewonnen. Gesa Krause muss keinem mehr etwas beweisen - aber die Leidenschaft fürs Laufen treibt sie weiter an.

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Marcel Fehr
Marcel Fehr auf der CMT