Das große Beben im Frauen-Handball
Zu Beginn der Saison stand es schlecht um den Frauen-Handball in Deutschland. Die lange als Vorzeigeclub geltende HB Ludwigsburg meldet Ende August Insolvenz an. Der Spielbetrieb der Bundesliga-Mannschaft wurde eingestellt - das Aushängeschild des deutschen Frauen-Handballs ist damit Geschichte.
Besonders betroffen von diesem Aus war die Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft Antje Döll. Die 37-jährige hat mit dem Verein insgesamt 17 Titel gewonnen und verbrachte die letzten zehn Jahre ihrer erfolgreichen Karriere in Ludwigsburg. Die bevorstehende Weltmeisterschaft sieht sie nun als "absolute Chance, wirklich auf uns aufmerksam zu machen - nicht nur auf den Frauen-Handball, sondern auf den Frauensport allgemein."
Die WM im eigenen Land
Sehnsüchtig warten die Handballerinnen auf den Start der WM. Am 26. November bestreitet die deutsche Nationalmannschaft unter Bundestrainer Markus Gaugisch ihr erstes Spiel in der Porsche-Arena in Stuttgart. Antje Döll spricht von einer "machbaren Gruppe C". Deutschland trifft in der Vorrunde auf Island, Uruguay und Serbien.
Insgesamt nehmen 32 Teams bei der WM teil, aufgeteilt in acht Gruppen. Die Vorrundenspiele der Gruppe C und G werden in Stuttgart, die der Gruppen D und H in Trier ausgetragen. Die übrigen Begegnungen finden in den Niederlanden statt. Zwei der Viertelfinalspiele steigen in Rotterdam, zwei weitere in Dortmund. Die Halbfinals und das Finale werden schließlich ebenfalls in Rotterdam ausgetragen.
Für Antje Döll ist noch lange nicht Schluss
Das Aus ihres Herzensvereins war für Döll ein schwerer Schlag. Auch wenn die Insolvenz absehbar war, beschäftigt sie das Thema bis heute. An ein Karriereende denkt die Nationalspielerin aber nicht. Sie fühle sich körperlich fit und sehe eine positive Entwicklung innerhalb der deutschen Mannschaft.
Nach der Insolvenz ihres langjährigen Vereins blickt Döll nach vorn. Gegenüber SWR Sport betont sie, dass ihr Siegeshunger noch lange nicht gestillt ist: “Ich bin Sportlerin durch und durch, ich habe da schon eine gewisse Siegermentalität. Ich möchte jedes Spiel gewinnen, ich bin auch immer verdammt angepisst, wenn wir verlieren."
Die Heim-WM war für Döll ein Anreiz, sich nach dem Aus von Ludwigsburg schnell einen neuen Verein zu suchen. "Sind wir mal ehrlich, ich würde keine Heim-WM spielen, wenn ich jetzt vereinslos wäre oder nur in der zweiten Liga gespielt hätte. Man braucht schon eine gewisse Trainingsqualität und auch den Wettkampfrhythmus", sagt Döll. Bei ihrem neuen Verein (Sport-Union Neckarsulm) fühlt sich die 37-Jährige sehr wohl: "Sie haben es mir dort verdammt einfach gemacht", so Döll.
Große Chancen für den deutschen Frauen Handball
Für die in Sachsen-Anhalt geborene Handballerin ist klar: "Wir müssen unseren Heimvorteil bei der WM nutzen. Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir gerade in heimischer Halle sehr stark aufspielen können", so die Kapitänin.
Die Mannschaft des Deutschen Handball Bund (DHB) hat ambitionierte Ziele: Das Halbfinale soll erreicht werden. Neben dem sportlichem Wettkampf steht die Bewegung "Hands Up for more" im Mittelpunkt der Weltmeisterschaft. "Es geht um Aufmerksamkeit, Gleichberechtigung und Respekt für Frauen und Mädchen im Handball", so der DHB. Außerdem sollen die Basis gestärkt und neue Impulse für den Frauen-Handball gesetzt werden. Die Heim-WM könnte damit zum Wendepunkt für den deutschen Frauen-Handball werden und eine neu gewonnene Euphorie anfachen.