Die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft der Handballerinnen, sie ist spürbar, beinahe greifbar bei Kapitänin Antje Döll und Bundestrainer Markus Gaugisch bei einem Werbetermin in Stuttgart. Beide blicken mit großen Augen und einem breiten Grinsen auf ein 32 Quadratmeter großes Wandbild hoch oben an einer Hauswand in der Stuttgarter Innenstadt.
"Handball ist jetzt Frauensache", steht da in großen, schwarzen Lettern geschrieben, darüber Handballerinnen im Wurf, beim Jubeln und mit ganz viel Euphorie. "Es ist einfach präsenter", strahlt Döll vor der anstehenden WM.
"Es ist schon seit Anfang des Jahres präsent. Mit der Kampagne gibt es uns auch das Gefühl: 'Geil, da wird auch was für den Frauen-Handball getan'", sagt die Kapitänin im Gespräch mit SWR Sport: "Es wird nicht nur von uns abhängig gemacht, sondern es gibt auch Drumherum viele Leute, die sich dafür einsetzen. Das ist vielleicht der größte Unterschied."
Ein spürbarer Unterschied
Das merkt auch Bundestrainer Gaugisch. "Die Präsenz ist natürlich eine ganz andere", sagt er. Mit seinem Team hat er gerade den letzten Lehrgang vor dem Turnier, das vom 26. November bis zum 14. Dezember in Deutschland und den Niederlanden stattfindet, absolviert – und wichtige Schritte nach vorn gemacht.
"Wir arbeiten jetzt schon lang an diesem zweiten Highlight – erst Olympische Spiele, jetzt die Heim-WM", so Gaugisch. "Wir haben uns einen Jahresplan gemacht. Und mit jeder Woche sind die Lücken in diesem Puzzle besser geschlossen worden."
Noch aber fehlen ein paar Puzzle-Teile, bis Team und Leistung komplett sind. Noch sind es aber auch ein paar Wochen bis zum WM-Start. Der Hype – er ist aber schon jetzt ebenso spürbar wie die von Gaugisch und Döll angesprochene öffentliche Wahrnehmung. "Das ist krass", sagt der Bundestrainer, der einst auch Bundesliga-Coach beim damaligen Top-Club in Bietigheim war.
"Ich kriege auch jetzt noch Anfragen. Dabei gibt es seit Monaten keine Tickets mehr." Denn die Spiele des deutschen Teams sind schon ausverkauft. "Gerade hier im Süden, rund um Stuttgart, ist einfach eine große Handball-Begeisterung und auch in Dortmund scheint es so zu sein. Unsere Spiele sind auf jeden Fall voll", sagt Gaugisch und lächelt.
Große Euphorie, große Erwartungen
Für den Coach und sein Team ist das etwas Besonderes. Die Heim-Euphorie, bekannte Gesichter, gewohnte Wege und der besondere Support von den Rängen – all das soll ein weiteres Puzzle-Teil im Gesamtbild sein. "Für uns wird wichtig sein, dass wir uns Handlungsziele setzen. Wie wir unsere Leistung, einer High-End-Leistung annähern können. Dann hoffen wir, dass wir mit dem Rückenwind, den uns das Publikum gibt, noch mehr über uns hinauswachsen können, damit wir gegen die Top-Vier-Nationen eine Chance haben", so der Bundestrainer.
Sportlich hat das Team am Tempospiel gearbeitet, verrät Döll. Und an einem weiteren Detail: "Die technischen Fehler runterschrauben." Das ist für die routinierte Spielerin aus Neckarsulm ganz wichtig, neben den individuellen Stärken natürlich: "So etwas entscheidet ein Turnier."
Erfolg auf und neben dem Spielfeld?
Neben sportlichen Zielen will das Team um Kapitänin Döll noch mehr erreichen. "Ich hoffe, dass wir ganz viele Mädels und Frauen in die Handball-Welt holen können. Nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch in den Verbänden", sagt sie. Mit dieser Hoffnung ist die Handballerin nicht alleine.
"Es ist wichtig, dass wir über den Frauen-Sport berichten, damit auch mehr Kinder in diesen Bereich reinkommen. Damit Mädels, die Sport treiben, Handball spielen. Es gibt tolle Vereine. Wenn wir da einen Baustein setzen können, wäre das eine tolle Sache", hofft Coach Gaugisch. Ob Baustein oder Puzzle-Stück – Hauptsache Vorfreude auf die WM der Handballerinnen und die Spiele, nicht nur in Stuttgart.