Nach Insolvenzantrag

"Sind aus allen Wolken gefallen": Große Sorgen um Handball-Meister HB Ludwigsburg

Die HB Ludwigsburg hat einen Insolvenzantrag gestellt. Durch fehlende Sponsoren ist die Zukunft der Profiabteilung der deutschen Handballmeisterinnnen ungewiss. Wie geht es jetzt weiter?

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Stand

Im vergangenen Jahr wechselte das erfolgreichste deutsche Handball-Team der Frauen den Standort und den Namen. Aus der SG BBM Bietigheim wurde HB Ludwigsburg, das Team spielte fortan in der Arena in Ludwigsburg. In der Barockstadt sind die Handballerinnen unter dem Dach der HB Ludwigsburg GmbH & Co. KG angesiedelt. Die erste Saison verlief äußerst erfolgreich: Mit dem Gewinn des deutschen Meistertitels, des DHB-Pokals, dem Sieg im Supercup sowie dem Viertelfinal-Einzug in der Champions League sorgten die Handballerinnen um Kapitänin Xenia Smits für eine glänzende Bilanz. Umso verblüffter und verärgerter sind Trainer-Team, Spielerinnen und Fans über die Nachricht, dass es um den Klub wirtschaftlich so schlecht steht, dass ein Insolvenzantrag gestellt wurde. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wann hat das Team vom Insolvenzantrag erfahren?

Nach SWR-Informationen erreichte die Hiobsbotschaft das Team am Dienstag während des Trainingsbetriebs und bei der Vorbereitung auf die kommende Saison. Am 23. August soll es mit dem Supercup-Spiel in München gegen die HSG Blomberg-Lippe losgehen. Eine Woche später, am 30. August, steht das erste Spiel der neuen Bundesliga-Saison (Auswärtsspiel in Göppingen) auf dem Programm. Die Spielerinnen wurden am Dienstag von der wirtschaftlich angespannten Situation des Vereins überrascht. Ihnen wurde mitgeteilt, dass es am Abend eine wichtige Sitzung geben sollte.

Welche Reaktionen gibt es?

Kapitänin Xenia Smits (31) wirkte am Mittwoch im Gespräch mit SWR Sport betroffen. "Wir sind aus allen Wolken gefallen und müssen das erst mal sacken lassen." Das Team ist für Deutschlands Handballerin des Jahres 2024 weit mehr als eine sportliche Interessengemeinschaft. "Wir mögen uns alle sehr, wir sind sogar mehr als eine Familie. Es tut uns als Menschen sehr weh." Zwar laufe der Trainingsbetrieb ganz normal weiter, aber: "Es ist schwierig für uns, uns aktuell aufs Sportliche zu konzentrieren." Trotzdem will die Nationalspielerin, die 141 Spiele für Deutschland bestritt, daran festhalten, dass alles gut wird. "Wir werden die Hoffnung nicht aufgeben – bis zum bitteren Ende", sagt sie.

Auch Bundestrainer Markus Gaugisch lässt die Situation um den Serien-Meister nicht kalt. "Die Nachricht berührt mich aufgrund vieler persönlicher Erfahrungen und Verbindungen aus meiner Zeit in Bietigheim", sagte er am Mittwoch: "Das ist jetzt allerdings keine sportliche Frage, sondern ein Fall für Kaufleute und Juristen." Gaugisch hatte den Klub, der damals noch als SG BBM Bietigheim firmierte, von 2020 bis 2023 gecoacht und zu zwei Meistertiteln und einem Europacupsieg geführt.

"Eine gute Situation sieht natürlich anders aus", sagte Andreas Thiel am Mittwoch. Der Vorsitzende der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) weiß um die Signale, die vom Fall Ludwigsburg ausgehen. Ob das schwäbische Star-Ensemble mit seinen sechs Nationalspielerinnen um Kapitänin Xenia Smits beim Supercup am 23. August dabei sein wird, erscheint unsicher. Selbst für Thiel, praktizierender Rechtsanwalt, kam die Nachricht vom Branchenprimus "überraschend". Es sei aber kein Szenario, so Thiel, das "absolut unüblich ist. Fälle dieser Art hat es in der Vergangenheit schon gegeben."

Wie läuft das Insolvenzverfahren ab?

Ein Insolvenzverfahren durchläuft mehrere Stufen. Laut der Hamburger Wirtschaftskanzlei Görg laufen nach der Antragsstellung momentan die Gespräche mit allen Beteiligten. Das Gericht prüft, ob die Voraussetzungen für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vorliegen. Um das Vermögen der HB Ludwigsburg zu sichern, wurde vorläufig der Stuttgarter Rechtsanwalt Holger Leichtle vom Amtsgericht Ludwigsburg als Insolvenzverwalter bestellt. Er kümmert sich momentan um die weitere Abwicklung. Laut Verein und der zuständigen Kanzlei ist das erklärte Ziel, den Verein zu retten und wieder auf finanziell gesunde Beine zu stellen. Vorerst solle alles wie gewohnt weiterlaufen.

In den kommenden Wochen soll sich klären, ob das Gericht ein offizielles Verfahren eröffnet. Dann gilt es zu prüfen, wie die wirtschaftliche Lage der HB Ludwigsburg im Detail aussieht. Dafür werden die Vermögensverhältnisse und die Forderungen der Gläubiger gegenübergestellt. Erst dann kann in einem Prüfungstermin festgestellt werden, ob die Profi-Mannschaft der Ludwigsburger Handballerinnen gerettet werden kann, oder ob der Club liquidiert - also aufgelöst - werden muss.

Was passiert bei Eröffnung eines Insolvenzverfahrens?

Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens würde "gemäß §8b der Satzung des Liga-Verbandes einen Abzug von acht Pluspunkten am Ende der Hauptrunde nach sich ziehen." Dies teilte die Handball-Bundesliga Frauen mit. Ein Insolvenzantrag allein habe noch keine sportlichen Konsequenzen, erklärte die HBF. Sollte ein Insolvenzverfahren abgewendet werden, würde sich sportlich nichts ändern. Erst, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet ist, werden Punkte abgezogen - das Team würde jedoch nicht disqualifiziert werden.

Was bedeutet das für Trainer-Team und Spielerinnen?

Die meisten Spielerinnen leben von ihrem Sport. Sie sind auf das Gehalt durch ihren Verein angewiesen. Vorerst läuft der Spielbetrieb ganz normal weiter und damit auch das Einkommen der Spielerinnen. Sollte die HB Ludwigsburg zahlungsunfähig sein und die Spielerinnen nicht mehr bezahlen können, zahlt die Agentur für Arbeit unter bestimmten Voraussetzungen die ausstehenden Gehälter in Form von einem Insolvenzgeld für die davor liegenden letzten drei Monate.

Bleibt das Gehalt der Spielerinnen aus, müssen sich die Profi-Sportlerinnen einen neuen Verein suchen. Da alle Athletinnen in der Nationalmannschaft sind und sich international bereits verdient gemacht haben, dürfte es nicht lange dauern, bis sie einen neuen Arbeitgeber finden.

Wie geht es für den Handball in Ludwigsburg weiter?

Die HB Ludwigsburg hat etwa 20 Jugend- und Aktivenmannschaften. Vom Insolvenzverfahren ist allerdings nur die Bundesliga-Mannschaft der Frauen betroffen. Sie gehört zur extra dafür gegründeten HB Ludwigsburg GmbH & Co. Kg unter dem Dach der HB Ludwigsburg e.V. Wie es konkret weitergeht, ist noch offen.

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